Eine Person desinfiziert die Hände. (Foto: dpa)

Kliniken erfüllen Hygiene-Vorschriften nicht

  11.01.2017 | 17:25 Uhr

Jedes Jahr infizieren sich 800.000 Menschen in Deutschland mit gefährlichen Krankenhauskeimen. Schuld ist mangelnde Hygiene. Recherchen des ARD-Magazins "Plusminus" zeigen: Auch im Saarland erfüllen sechs Krankenhäuser den vorgegebenen Personalschlüssel zur Hygiene nicht.

Dem ARD-Magazin "Plusminus" liegen zusammen mit dem Recherchezentrum "CORRECTIV" exklusive Zahlen vor: Jede vierte Klinik in Deutschland erfüllt die gesetzlichen Vorschriften zur Hygiene nicht. Im Saarland gibt es sechs Kliniken, die mangelhaft abschneiden weil sie die Minimalkriterien zur Hygiene nicht einhalten: das Klinikum Saarbrücken, die SHG Klinik Quierschied, das Städtische Klinikum Neunkirchen, die Marienhausklinik Ottweiler und die beiden Saarland Kliniken der Kreuznacher Diakonie, dazu gehören das Evangelische Stadtkrankenhaus Saarbrücken und das Fliedner Krankenhaus Neunkirchen.

Ingesamt landet das Saarland im Vergleich aller Bundesländer auf dem elften Platz. Besonders dramatisch ist die Situation demnach in Bremen, wo 43 Prozent aller Kliniken die Vorgaben nicht erfüllen. Auf dem vorletzten Platz liegt Thüringen mit 42 Prozent. Darauf folgt Berlin, wo in weit über einem Drittel der Kliniken Hygienepersonal fehlt. Die Studie sagt nichts darüber aus, ob dort tatsächlich Hygienemängel bestehen - lediglich die Personalvorgaben wurden überprüft.

Kliniken ignorieren Gesetze

Die Zahlen belegen nach Angaben von Plusminus, dass viele Krankenhäuser und Kliniken die gesetzlichen Vorgaben des Gesundheitsministeriums regelrecht ignorieren. Denn Anfang 2015 hatte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe einen Zehn-Punkte-Plan zur Bekämpfung multiresistenter Keime in Kliniken aufgestellt. Das Ziel: bis Ende 2016 sollte mehr Hygienepersonal eingestellt werden. Bislang habe das aber nicht funktioniert.

Saar-Gesundheitsministerium sieht Gesundheitsämter in der Pflicht

Wir wollen wissen was da schief gelaufen ist, so Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU), das sei nicht zufriedenstellend. Das Ministerium werde zeitnah den Dialog mit den Kliniken suchen, um Maßnahmen zur Ursachenbekämpfung zu erörtern und die Missstände abzustellen. Das saarländische Gesundheitsministerium verweist auf Anfrage von SR.de auf die im Saarland geltende Verordnung zur Hygiene und Infektionsprävention. Die ständige Hygienekontrolle der Krankenhäuser sei Aufgabe der Gesundheitsämter. Die Fraktion der Grünen im Landtag teilte mit, die jetzige Situation sei "ein Ergebnis der mangelnden finanziellen Unterstützung der Kliniken durch die Politik". Viele Krankenhäuser würden zu Einsparungen unter anderem beim Pflegepersonal gezwungen. Krankenhäuser verfügten nicht über ausreichend Mittel um genügend Personal zu Hygienefachkräften heranzubilden.

Die Geschäftsführerin des Klinikums Saarbrücken, Susann Breßlein, wies die Vorwürfe hingegen zurück, die seien weder nachvollziehbar noch haltbar. Das Klinikum erfülle die Standards, man habe zwar keinen eigenen, arbeite aber mit einem externen Krankenhaushygieniker zusammen.

Gesetzliche Vorgaben

Laut Infektionsschutzgesetz muss eine Klinik pro 400 Betten jeweils mindestens einen Krankenhaushygieniker, eine Hygienefachkraft, einen hygienebeauftragten Arzt und eine hygienebeauftragte Pflegekraft beschäftigen. Diese Hygieniker sind dafür zuständig, Keiminfektionen in einer Klinik zu vermeiden. Das bedeutet ein breites Aufgabenspektrum: Sie müssen die Kontrolle und Schulung von Mitarbeitern übernehmen, etwa von Reinigungskräften. Sie müssen die richtige Desinfektion zum Beispiel von Patientenbetten überwachen sowie Infektionsstatistiken führen. Das alles ist wichtig, um die Ursachen von Keimausbrüchen zu finden.

Über dieses Thema haben auch die Nachrichten des aktuellen berichts vom 11.01.2016 berichtet.

SR 3-Interview: Plusminus-Autorin Pia Busch zu Versäumnissen bei Krankenhaus-Hygiene
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SR 3-Interview: Plusminus-Autorin Pia Busch zu Versäumnissen bei Krankenhaus-Hygiene

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