Luchs im Wald (Foto: Heiko Müller-Stieß)

Bald auch Luchse im Saarland?

Anne Schubert   22.10.2016 | 08:30 Uhr

Ende Juli startete die Wiederansiedlung von Luchsen im Pfälzerwald mit der Freilassung von drei Tieren. Das Umweltministerium Saarland hält es für wahrscheinlich, dass die Luchse auch in absehbarer Zeit die saarländischen Grenzen überschreiten werden.

Potenzielle Lebensräume für freilebende Luchse im Saarland seien der Warndt, das Kirkeler-Saarbrücker Waldgebiet mit dem Saarkohlenwald sowie die nordsaarländischen Waldgebiete am südlichen Rand des Hunsrücks, teilte das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz auf Anfrage von SR.de mit. Momentan sei ein Luchs-Managementplan, ähnlich wie für den Wolf, in Arbeit, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen. Das Saarland beabsichtige allerdings im Gegensatz zu Rheinland-Pfalz nicht, aktiv Luchse auszusetzen und ein eigenes Projekt zur Wiederansiedlung von Luchsen zu starten.

Luchs reißt Ziegen und Schafe

Im Pfälzerwald ist der Luchs im Rahmen eines von der EU geförderten LIFE-Projekts wieder angesiedelt worden. Gut zwei Monate nach der Freilassung von drei Luchsen ist es zu Zwischenfällen gekommen: Eines der Tiere riss mehrere Schafe und Ziegen. Durch die permanente Beobachtung der Tiere durch GPS-Sender konnten die Übergriffe genau zugeordnet werden. Die übermittelten Daten zeigen die aktuellen Aktionsräume der Luchse. Zu Beginn der Aussetzung haben die Tiere zunächst ihre unmittelbare Umgebung erkundet, mittlerweile entdecken sie den Pfälzerwald für sich und erweitern ihren Bewegungsradius. So ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass die Luchse bis ins Saarland vordringen werden.

Weitere Informationen
Luchse im Pfälzerwald
Auf der Projektseite stehen umfangreiche Informationen zur Verfügung.

Betroffen von den beiden Übergriffen seien zwei unterschiedliche Herden eines Halters, der nun finanziell entschädigt werden soll, sagte Projektleiterin Sylvia Idelberger von der Stiftung Natur und Umwelt im Gespräch mit SR.de. Der Vorfall sei sehr unglücklich gewesen, da die Bezäunung beider Herden nicht vollständig gewesen sei und der Übergriff nicht sofort festgestellt wurde. Um weitere Vorfälle zu verhindern, soll der verantwortliche Luchs noch enger mit Hilfe der GPS-Sendern überwacht werden. "Es ist traurig, dass es zu einem solchen Übergriff gekommen ist, der eine zusätzliche Belastung für die Nutztierhalter bedeutet", erklärte Sylvia Idelberger. Jetzt sei es sehr wichtig, besonders eng mit den Nutztierhaltern zusammenzuarbeiten und eine Lösung vor Ort zu finden.

Trotz des Vorfalls ist sich Sylvia Idelberger aber sicher, dass eine Wiederansiedlung von Luchsen im Pfälzerwald gelingen kann. "Wir haben aus Fehlern, die bei anderen Projekten in der Vergangenheit gemacht wurden, gelernt", sagte die Projektleiterin. Es gäbe zwar verständlicher Weise Sorgen von Seiten der Nutztierhalter und Jäger. Jedoch seien diese im Managementplan aufgegriffen worden, der jederzeit auch angepasst werden könne. "Die Akzeptanz für das Projekt ist grundsätzlich gegeben. Jetzt ist es wichtig, trotz der zwei Übergriffe, die Akzeptanz in der Region zu erhalten", betont Idelberger.

Zusammenführung mit anderen Teilpopulationen

Der Luchs ist die größte Wildkatze in Europa. In der Pfalz gab es sie seit 200 Jahren nicht mehr. Bis 2020 sollen insgesamt 20 Luchse im Pfälzerwald wiederangesiedelt werden. "Ein Gutachten schätzt ein, dass sich in dem gesamten Biosphärenreservat rund um den Pfälzerwald und den Nordvogesen bis zu 45 Luchse ansiedeln können", sagt Idelberger. Damit eine langfristig lebensfähige Population entstehen könne, sei aber eine Zusammenführung mit anderen Teilpopulationen wichtig. Die Gebiete können sich von den Zentralvogesen, über den Jura bis hinein in die Alpen strecken.

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