Ein Mann ruht sich aus. (Foto: dpa)

Mehr Mut zur Pause, bitte!

Niklas Folz   10.08.2017 | 06:32 Uhr

Am Donnerstag war internationaler „Lazy Day“, also offizieller „Faulpelz-Tag“. Grund genug, einmal über das Faul-Sein in unserer heutigen Gesellschaft nachzudenken. Eine Auszeit-Expertin und ein Zeitforscher erklären, warum uns ein bisschen Faulheit jeden Tag zusteht.

Über die Herkunft des „Lazy Days“ ist nicht viel bekannt. Genaue Aufzeichnungen über die Entstehung weiterzugeben wäre für die Faulheit-liebenden Erfinder wahrscheinlich zu viel Mühe gewesen. Sicher ist: In unserer heutigen Gesellschaft haben wir einen Tag verdient, der die Faulheit feiert.

„Aktivität und Regeneration sind unser natürlicher Rhythmus“, meint Jonas Geißler vom Zeitberatungsinstitut „timesandmore. Dass der Begriff des Faulenzens heute so negativ wahrgenommen wird, liegt laut dem Zeitforscher hauptsächlich daran, dass in unserer Gesellschaft Aktivität zu stark im Fokus steht.

Der gleichen Meinung ist Daniela Scholl. Die Gründerin der „Auszeitagentur“ meint, „Stress ist heute durchaus zu einer Art Statussymbol geworden.“ Der Lazy Day solle als Erinnerung daran verstanden werden, dass es in unserem Alltag mehr gibt als Arbeiten und Funktionieren. Jeden Tag kleinere Pausen einzulegen sei für jeden Menschen wichtig, dem stressigen Büroalltag zum Trotz.

Stress als Volkskrankheit

Und gerade das scheint den Menschen in Deutschland in den letzten Jahren schwerzufallen. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2016 fühlen sich fast zwei von drei Saarländern durch Stress belastet. Die Befragten nennen vor allem hohe Selbstansprüche, den Beruf und zu viele Termine in der Freizeit als Gründe. Zeitforscher Geißler sieht die größte Problematik dabei, das richtige Maß zu finden. „Wir brauchen Ruhezeiten, Stillstand und Pausenzeiten.“

Die richtige Kombination mit dem Arbeitsalltag stelle viele Leute vor Probleme. Als Faustformel schlägt der Zeitberater vor, sich alle eineinhalb Stunden zehn Minuten Pause zu gönnen. So würden Aufmerksamkeit sowie Konzentrations- und Leistungsfähigkeit wieder komplett hergestellt.

Neben der Arbeit sieht Geißler auch ständige Erreichbarkeit und soziale Medien als potenzielle Probleme an. Vor allem das Smartphone, das mittlerweile fast jeder in der Tasche trägt, garantiert ständige Verfügbarkeit. Soziale Medien „bewusst und begrenzt einzusetzen“ und das Handy auch mal abzuschalten, könne gerade beim Feierabend helfen, Ruhe und Regeneration zu finden.

In seinem Buch „Time is Honey – Vom klugen Umgang mit der Zeit“ schlägt Geißler vor, statt der bekannten To-do-Liste eine „Let-it-be“-Liste anzufertigen. Darauf sollen eben nicht die Dinge in den Fokus gerückt werden, die noch erledigt werden müssen. Stattdessen hält sie fest, was bereits beendet ist oder komplett wegfallen kann. Diese neue Perspektive könne dabei helfen, entspannter in den Alltag hineinzukommen und seine Zeit gewissenhafter einzuteilen.

Auszeit als Neuanfang

Daniela Scholls berät mit ihrer Agentur Kunden, die eine längere Auszeit nehmen wollen. Von sechs Wochen bis hin zum vollen Sabbatjahr – Grenzen setzen meist nur Finanzen oder Beruf. Zu hoher Stress im Alltag und der normale Arbeitstrott seien hierbei meist die Hauptmotive für eine längere Auszeit, erklärt Scholl. Sie befürwortet den Tapetenwechsel: „Den gewohnten Alltagsstrukturen zu entkommen“ helfe vielen Leuten dabei, neue Motivation und Enthusiasmus für Altes und Neues zu sammeln.

Ein perfektes Maß an Faulheit können beide Experten übrigens nicht empfehlen. Diese Aufgabe bleibt also auch den Faulsten selbst überlassen. Wie viel Faulheit zu viel ist, „kommt hauptsächlich auf den Zweck der Faulheit an“, sagt Geißler. Deshalb sollten wir nicht nur heute den „Lazy Day“ feiern – sondern uns jeden Tag gleich mehrere „lazy moments“ gönnen.

Über dieses Thema wurde auch auf SR 1 Europawelle in der Sendung Dein Vormittag im Saarland vom 10.08.2017 berichtet.

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