Das Strafgesetzbuch liegt auf einer Akte. (Foto: picture alliance / Marcel Kusch/dpa)

Prozess um gepanschte Krebsmedikamente

Lisa Krauser mit Informationen von dpa   13.11.2017 | 16:53 Uhr

Ein Apotheker aus Nordrhein-Westfalen soll massenhaft Krebsmedikamente gepanscht und so Millionenbeträge erbeutet haben. Auch ins Saarland wurden gestreckte Medikamente geliefert. Am Montag hat der Prozess in Essen begonnen.

Es ist einer der spektakulärsten Medizinskandale der vergangenen Jahre. Zwischen 2012 und 2016 soll ein Apotheker aus Bottrop systematisch über 60.000 Mal Krebsmedikamente unterdosiert, aber voll abgerechnet haben. Laut Staatsanwaltschaft ist dadurch allein den gesetzlichen Krankenkassen ein Schaden von 56 Millionen Euro entstanden.

Video [aktueller bericht, 13.11.2017, Länge: 3:51 Min.]
Prozess um gepanschte Krebsmedikamente

Gepanschte Medikamente im Saarland

Mehr als 1000 Patienten aus sechs Bundesländern sollen die gepanschten Krebsmedikamente bekommen haben. Die Staatsanwaltschaft Essen bestätigte dem SR, dass ein unterdosiertes Medikament auch an eine saarländische Praxis geliefert worden ist. Daher sind laut Gesundheitsministerium im Saarland möglicherweise auch Patienten betroffen. Aus Patientenschutzgründen könne es aber keine genaueren Angaben geben.

Betroffene sprechen von Tötungsvorsatz

Die Anklage lautet auf Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz, Betrug und versuchte Körperverletzung. Damit drohen dem 47-Jährigen bis zu zehn Jahre Haft und Berufsverbot. Die Anwälte der Betroffenen wollen sich damit aber nicht zufrieden geben. Sie wollen, dass das Verfahren an das Schwurgericht abgegeben wird, um über Mord und Totschlag zu verhandeln. „Im Gegensatz zu der Auffassung der Staatsanwaltschaft ist dem Angeklagten sehr wohl ein Tötungsvorsatz nachzuweisen“, so der Nebenklägeranwalt Siegmund Benecken.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 13.11.2017 berichtet.

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