Mädchen trinken Alkohol (Foto: imago/emil umdorf)

"Alkohol für Mädchen viel gefährlicher als für Jungs"

Katrin König   07.12.2017 | 16:48 Uhr

Im vergangenen Jahr sind wieder mehr Jugendliche wegen Alkoholexszessen in Kliniken behandelt worden als im Jahr davor. Besonders alarmierend: Vor allem bei Mädchen zeigt sich dabei nach Angaben des Statistischen Landesamts ein deutlicher Aufwärtstrend. Eine Entwicklung mit Folgen - sagt Suchtexperte Wolfgang Bensel.

Video [aktueller bericht , 07.12.2017, Länge: 2:11 Min.]
Viele Mädchen mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus

Insgesamt - das ist die gute Nachricht - trinken Kinder und Jugendliche weniger Alkohol. Allerdings sind im vergangenen Jahr wieder mehr Menschen im Alter zwischen zehn und 20 Jahren aufgrund akuter Alkoholvergiftungen stationär in einem Krankenhaus behandelt worden. Saarlandweit wurden 389 Fälle registriert. 2015 waren es 22 weniger. Während sich bei den Jungs ein leichter Rückgang zeigt, ist die Zahl der behandelten Mädchen um fast 21 Prozent gestiegen.

"Ein Grund für den Anstieg kann sein, dass Jugendliche mittlerweile weniger Bier oder Wein trinken, sondern häufig harten Alkohol wie Wodka konsumieren, den sie mit süßen Säften oder Limonade mischen. So schmeckt man den Alkohol nicht und wird zudem auch schneller betrunken", erklärt Suchtexperte Wolfgang Bensel von der Median Klinik Münchwies. Vorglühen und das gezielte Betrinken gehöre für viele Jugendliche heute zum Feiern dazu. "Das Herbeiführen einer gezielten Zustandsveränderung, wie es beim Binchdrinking beziehungsweise Komasaufen der Fall ist, sollte einem zu Denken geben", so Bensel.

Gefährliche Auswirkungen für Mädchen

Dass es bei den wegen akuter Alkoholvergiftung in Kliniken behandelten Fällen immer mehr zu einer Angleichung der Geschlechter kommt, spiegele auch aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wider. "Ich gehe davon aus, dass je mehr wir das Genderthema in die Schulen und in die Gesellschaft hineintragen, die Grenzen umso mehr verwischen. Und da gibt es eben nicht nur positive Auswirkungen, sondern auch negative, wie man es beim Alkoholkonsum erkennen kann", bewertet der Suchtexperte die Situation.

Dabei sei Alkohol für Mädchen um ein Vielfaches gefährlicher als für Jungen. "Und zwar aus zwei Gründen. Erstens ist der weibliche Organismus deutlich verletzbarer für die toxikoligische Wirkung von Alkohol. Die Gefahr einer schwerwiegenden Leberschädigung ist für Frauen also sehr viel höher als für Männer", betont Bensel. Die Empfehlungsgrenze der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besage daher, dass Frauen maximal halb so viel Alkohol trinken sollten wie Männer. Zudem, so Bensel, seien Mädchen im betrunkenen Zustand deutlich gefährdeter, Opfer sexueller Übergriffe zu werden und in prekäre Situationen zu geraten.

Über dieses Thema wird auch im aktuellen bericht am 7.12.2017 berichtet.

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