Christian Weirich, Kleingärtner (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

„Das Gemüse wächst nicht im Discounter um die Ecke“

Stefan Eising   16.07.2017 | 08:30 Uhr

Verliert die Kleingärtnerei in Deutschland nach und nach ihr etwas angestaubtes Image? Immer öfter kommt es vor, dass Kleingärtner unter 50 oder auch unter 40 sind. Zum Beispiel Christian Weirich aus Saarbrücken. Der 36-Jährige betreibt zusammen mit Frau und Sohn einen Kleingarten in Dudweiler. Wir haben ihn dort besucht.

„Bei den Kartoffeln steht auch bald schon die Ernte an“, sagt Christian. Wir stehen in der Abendsonne in einem Kleingarten in Saarbrücken-Dudweiler. Eine große, grüne Wiese, einige Apfelbäume, ein Gartenhäuschen und ein stattliches Gemüsebeet. Davor kniet Christian und hält eine stichprobenartig ausgebuddelte Kartoffel in der Hand. „Die sind noch ein bisschen im Wachsen. Aber das ist eh eine relativ kleine Sorte, die wir hier haben“ sagt er und klingt dabei wie ein Kleingarten-Profi. Er sieht nur jünger aus. Dass er, seine Frau Jenny (31) und Sohn Tim (2) heute gemeinsam um ein Gemüsebeet knien statt in einem Sandkasten in der Stadt, ist mehr oder weniger Zufall. Bei einem Spaziergang kamen die Weirichs an dem Grundstück vorbei. Es war gerade neu zu verpachten. Der Übernahmepreis war günstig, da schlugen sie zu.

Tim (2) checkt das Gemüse.  (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Tim (2) checkt das Gemüse

DIE JUNGEN WILDEN MISCHEN DIE KOLONIE AUF

Den Altersdurchschnitt in der Nachbarschaft ziehen die drei ganz gut nach unten. Einen freundliche Empfang gab es trotzdem. Und auch die Bedenken gegenüber den vielen Regularien in einem Kleingartenverein hätten sich schnell zerstreut. Klar, der Garten kümmert sich nicht um sich selbst. Aber nach einer Woche im Büro wird sogar die Arbeit im Kleingarten zur Entspannung, sagt Christian, der hauptberuflich eine Druckerei leitet. Und irgendwann ist auch die Arbeit erledigt: „Es gibt genug Phasen, in denen die Pflanzen in Ruhe wachsen und der Rasen gemäht ist, und in denen man dann einfach mit einem Glas Wein oder Bier auf der Terrasse sitzt und genießt.“ Ich schaue mich um und kann ihn gut verstehen.

„Das Gemüse wächst nicht im Discounter um die Ecke“
Video [SR.de, (c) SR, 13.07.2017, Länge: 01:18 Min.]
„Das Gemüse wächst nicht im Discounter um die Ecke“

WIE AUFWÄNDIG IST EIN KLEINGARTEN?

Trotzdem würde mich der Aufwand eher abschrecken: Kann eine Kleingärtner-Familie überhaupt noch woandershin in den Urlaub? Oder verbringt sie den vorm Gemüsebeet, weil so viel zu tun ist? Und was passiert im Winter? Christian grinst. „Wenn wir denn mal Zeit für Urlaub haben, dann ist das kein Problem“, sagt er. „Das wichtigste ist eigentlich das Gießen, und da gibt es genug liebe Nachbarn, die das übernehmen. Und wenn das Gras dann mal ein bisschen höher wird, dann kann man das auch nach dem Urlaub noch erledigen.“ Im Winter ist natürlich weniger los: Gegen Ende der Saison wird gedüngt, und über den Winter gibt es dann nur routinemäßige Kontrollbesuche.

PARADIES FÜR KINDER

Nach nur einer halben Stunde im Kleingarten habe auch ich Sehnsucht nach einem Wochenende im Grünen. Die Ruhe ist ansteckend. Und gerade für Kinder ist die Umgebung perfekt, sagen auch die Weirichs. „Gerade als junge Familie ist es toll, jederzeit mit dem Kleinen rauskommen zu können, und ihm auch zu zeigen: Das Gemüse wächst nicht im Discounter um die Ecke.“ Der kleine Tim hat das mittlerweile ganz gut verinnerlicht. Er ist mit einer Erbsenschote beschäftigt – und wirkt dabei wesentlich begeisterter als mancher anderer Zweijähriger, der mit frischem Gemüse konfrontiert wird. Zumindest in diesem Kleingarten scheint der ganz junge Nachwuchs offenbar schon gesichert.

Früh übt sich... (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Früh übt sich...

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