Ein Mädchen sitzt mit einer Puppe allein am Boden. (Foto: dpa)

Armut grenzt schon im Kindesalter aus

Caroline Uhl / mit Informationen von Julia Berdin und epd   20.03.2017 | 17:59 Uhr

28 Prozent aller Kinder und Jugendlichen leben in schwierigen Verhältnissen. Das geht aus dem neuen Deutschen Kinder- und Jugendmonitor hervor, der am Montag veröffentlicht wurde. Auch im Saarland leben Familien, denen das Geld für eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fehlt.

Die 22 Millionen Kinder und Jugendlichen in der Bundesrepublik haben viele Chancen, es gibt aber auch einige Risiken, Probleme und Defizite, so das Fazit der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe, die am Montag ihren neuen Kinder- und Jugendmonitor vorstellte. "Die 'Chancen-Ampel' für die Generation unter 27 Jahren steht auf Hellgrün – aber noch längst nicht auf Dunkelgrün", bilanzierte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Karin Böllert.

Laut der Studie bietet Deutschland jungen Menschen beim Aufwachsen einige Chancen. Den Angaben zufolge besucht jedes dritte Kind unter drei Jahren eine Kita. Bei den über Dreijährigen seien es sogar 95 Prozent. Auch das Bildungsniveau der jungen Menschen in Deutschland steigt: 21 Prozent der Schüler machen einen Hauptschulabschluss, dagegen machen 41 Prozent Abitur. Zudem sinkt die Zahl der jungen Menschen ohne Abschluss: 5,7 Prozent verlassen die Schule ohne Hauptschulabschluss.

Millionenfach schwierige Verhältnisse

Video [aktueller bericht, 20.03.2017, Länge: 2:50 Min.]
Studie untersucht Situation von Kinder- und Jugendlichen

Kinder und Jugendliche stehen aber zugleich auch Problemen gegenüber, wie die Studie bilanziert. 3,7 Millionen der Unter-18-Jährigen (28 Prozent) haben demnach schlechte Startchancen, weil sie von einer Risikolage betroffen sind. Dazu zählen Kinder, die von Armut bedroht sind (19 Prozent), deren Eltern arbeitslos sind (zehn Prozent) oder deren Eltern keine abgeschlossene Berufsausbildung haben (elf Prozent).

Auch im Saarland leben Kinder und Jugendliche in schwierigen Verhältnissen. "Das ist überall so. Wir haben das natürlich auch", sagte der Vorsitzende des Landesjugendrings Saar, Tobias Wolfanger, im aktuellen bericht im SR Fernsehen. Zwar sei die Lage in der Region möglicherweise weniger prekär als in großen Ballungsgebieten, "allerdings haben wir hier auch das Problem, dass die Kinder und Jugendlichen, die eben nicht teilhaben können an der Gesellschaft durch diese Armutsgrenze, dass die beispielsweise aus einem bildungsschwachen Elternhaus kommen", erzählte Wolfanger.

Lebensplanung schwer gemacht

Video [aktueller bericht, 20.03.2017, Länge: 3:34 Min.]
Interview mit Tobias Wolfanger, Landesjugendring

Laut der Studie finden zudem nicht alle jungen Menschen einen Ausbildungsplatz: 81.000 Bewerber blieben im vergangenen Jahr ohne Stelle. Zusätzlich befinden sich 270.000 Jugendliche im Übergangssystem, in dem sie Praktika und Kurse absolvieren. Ein weiteres Problem: eine Befristung zum Start ins Berufsleben. Es werde von den jungen Menschen "immer so salopp gefordert", Kinder zu kriegen, sich niederzulassen, beschreibt Wolfanger. Doch die Lage am Arbeitsmarkt mache die Zukunftsplanung schwierig, "weil wir gar nicht wissen, ob der Verdienst in einem Jahr noch da ist".

Hinzu kommt, dass laut Studie gute wie schlechte Start-Chancen ins Leben nach wie vor vererbt werden: So hänge der Berufserfolg noch immer maßgeblich vom Elternhaus ab.

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