Foto: Franziska Müller

Saarländerin gehört zur Informatik-Elite

Anne Schubert   24.05.2017 | 13:30 Uhr

Franziska Müller gehört auf dem Gebiet der Informatik zu den Besten. Mit mehreren Preisen wurde sie bereits ausgezeichnet – zuletzt mit einem Stipendium von Google. Die 23-Jährige hat den Weg in die Forschung gefunden. Doch sie ist sich sicher, dass sich in den Köpfen der Menschen noch einiges ändern muss, bis es keine Zweifel mehr gegenüber jungen Frauen in der Wissenschaft gibt.

Video [aktueller bericht, 24.05.2017, Länge: 3:01 Min.]
Saarländische Studentin bekommt Doktorandenstipendium von Google

Mädchen können nicht rechnen? Naturwissenschaften und Mädchen, das passt nicht zusammen? Franziska Müller beweist das Gegenteil. Bereits in der Schule war Mathe ihr Lieblingsfach. Auch für die anderen naturwissenschaftlichen Fächer konnte sie sich begeistern. Nach dem Abitur war schnell klar, dass ein Studium in diesem Bereich das Richtige ist.

Reine Mathematik war ihr allerdings ein bisschen zu trocken. Deswegen hatte sie sich für ein Informatikstudium an der Universität in Saarbrücken entschieden. "Mich fasziniert es, dass man bei der Informatik nicht nur rechnet, sondern auch kreativ wird und Dinge kreiert und erschafft", sagt die gebürtige Ludweilerin. Bei so viel Spaß am Fach wundert es einen nicht, dass sie für den Bachelor nur fünf Semester brauchte und ihren Studienabschluss Master of Science in nur einem Jahr erreichte.

Forschen mit Unterstützung von Google

 (Foto: Franziska Mueller)
Franziska Müller will mit einer Kamera Handbewegungen in Echtzeit erfassen.

Seit März 2016 arbeitet sie nun am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken und schreibt dort für etwa vier Jahre an ihrer Doktorarbeit. Das Ziel ist die Erfassung von Handbewegungen in Echtzeit und mit nur einer Kamera. "Es geht um die komplette Bewegung. Nicht nur, wo die Hand ist, sondern auch, was sie tut und was jedes Gelenk in der Hand macht", erklärt Müller. Dies könne später in vielen Bereichen nützlich sein. Unter anderem bei der Steuerung von Computern, in virtueller und erweiterter Realität oder beim Zusammenspiel mit Robotern. Bislang ist die Erfassung von Handbewegungen noch nicht so präzise und schnell möglich.

Die Tragweite dieses Forschungsthemas hat auch Google erkannt. Franziska Müller wurde mit einem "Google PhD Fellowship" ausgezeichnet. Gerade einmal 33 dieser Stipendien wurden für den Raum Nordamerika, Europa und Mittlerer Osten vergeben, davon nur dieses eine nach Deutschland. "Ich freue mich riesig über diese Auszeichnung. Ich habe nicht wirklich damit gerechnet, dass ich ausgewählt werde. Ein bisschen habe ich natürlich gehofft, aber man will ja auch nicht zu viel hoffen", sagt die 23-Jährige.

Stipendium von Google

Das "Google PhD Fellowship" wird seit 2009 vergeben. Mit diesem Preis werden junge Wissenschaftler unterstützt, von denen Google erwartet, Teil der globalen Elite im Fach zu werden. Unter anderem werden die Stipendiaten für drei Jahre finanziell unterstützt.

Ihr Doktorvater Christian Theobalt hatte das Potenzial ihrer Forschungsarbeit erkannt und sie für das Stipendium vorgeschlagen. "Es ist eine große Ehre für Franziska. Sie ist eine sehr ehrgeizige Person und hat gute Ideen und Spaß an ihrer Arbeit", sagt Theobalt. Zudem sei der Preis auch eine Auszeichnung für die Forschung am Institut.

Mädchen früher unterstützen

Auch andere Unternehmen wurden bereits aufmerksam auf die Arbeit von Franziska Müller. Anfang des Jahres wurde sie mit dem "Frauen-MINT-Award" der Deutschen Telekom ausgezeichnet. Dabei wurde ihre Masterarbeit deutschlandweit als beste im Wachstumsfeld "Industrie 4.0" bewertet.

Dass bisher alles so gut gelaufen ist, verdankt sie auch ihrem direkten Umfeld. "Ich habe da relativ viel Glück. Ich wurde bei meinem Wunsch, Informatik zu studieren, immer von meiner Familie unterstützt und auch mein Mathelehrer hat mich schon früh darin bestärkt, diesen Weg zu gehen", sagt die Preisträgerin. Sie weiß aber auch, dass das nicht bei allen Mädchen der Fall ist. "Ich kenne viele, die gerne in die MINT-Richtung gehen würden, aber auch von zu Hause aus Zweifel mitbekommen. Am Ende machen sie dann doch was anderes, was echt schade ist."

Um mehr junge Frauen zu ermutigen, muss es nach Müller mehr Programme geben, die schon früher einsetzen. "Es gibt viele Programme, die auf Schülerinnen abzielen, die schon ein bisschen weiter sind in der Schule. Doch das ist meines Erachtens ein bisschen zu spät", erklärt die Doktorandin. Viel wichtiger sei es, dass sich in den Köpfen der Menschen was ändert – besonders auch bei den Eltern.

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