Foto: Silke Brenner

Sternenkinder: Erinnerungen für die Ewigkeit

Kasia Hummel   06.12.2017 | 09:58 Uhr

Es sind Bilder, die berühren – Bilder von Sternenkindern. Sie kommen entweder tot zur Welt oder sterben kurz nach der Geburt. Eins dieser Sternenkinder ist Moritz. Der Sohn von Alina wurde gerade einmal zwei Wochen alt. Die Erinnerungen an Moritz hat Fotografin Silke Brenner für die Eltern festgehalten. Sie engagiert sich seit 2015 für die Initiative „Dein Sternenkind“.

Moritz kam in der 42. Schwangerschaftswoche zur Welt. Eine Nabelschnurumschlingung führte bei der Geburt zu Komplikationen. Trotz intensivmedizinischer Betreuung war nach zwei Wochen klar, dass er keine Chance hat, zu überleben. Für die Mutter war klar: „Ich kannte die Initiative bereits und wusste sofort, dass ich Erinnerungsbilder haben will.“ Der Kontakt zu Silke Brenner kam über eine Freundin zustande. Die Fotografin aus Saarbrücken engagiert sich für die Initiative „Dein Sternenkind“.

„Jetzt wo wir wieder im ‚normalen Leben‘ angekommen sind, habe ich ganz oft das Gefühl, dass da gar nichts war. Die Bilder zeigen aber was anderes.“ Es sind Fotos, die berühren. Fotos, die Alina und ihre kleine Familie zeigen. Alina mit ihrem Mann und den beiden Kindern Moritz und dem dreijährigen Bastian. Eingefangen wurden Momente einer Familie, die Unvorstellbares durchleben musste.

„Mori, du machst das prima! Gute Reise“

Im Gespräch wird sofort klar, welchen Stellenwert die Bilder in Alinas Leben haben. „Als ich die Fotos endlich in den Händen hielt, war es irgendwie tröstlich. Sie helfen mir bei der Trauer“, erzählt sie. Die Fotos helfen aber auch Bastian. Er wisse, dass er einen Bruder habe, den er auch kennenlernen durfte. „Ich werde nie vergessen, als wir alle zusammen saßen und Bastian zu Moritz sagte: „Mori, du machst das prima. Gute Reise.“ Auch diese Situation wurde in einem Bild festgehalten.

"Dein Sternenkind"

Die Initiative "Dein Sternenkind" wurde 2013 von Kai Gebel ins Leben gerufen und besteht mittlerweile aus rund 600 Fotografen. Sie fotografieren ehrenamtlich Sternenkinder - also Kinder, die entweder tot zur Welt kommen oder kurz nach der Geburt sterben. Das Angebot ist für die Eltern komplett kostenfrei. Am Dienstag wurde die Initiative mit dem Deutschen Engagementpreis 2017 ausgezeichnet.

Das sei auch der Grund, warum Alina anderen Eltern, die in der gleichen Situation sind, immer wieder raten würde, sich an die Initiative „Dein Sternenkind“ zu wenden. Auch wenn man sich die Bilder vielleicht nicht sofort angucken könne oder wolle. Allein die Gelegenheit dazu sei immens wichtig.

„Es wurde gelacht, es wurde geweint."

Diese Erfahrung macht auch Silke Brenner bei ihren Einsätzen. Die Fotografin engagiert sich seit 2015 für die Initiative „Dein Sternenkind“ und hat bereits fünf Sternchen fotografiert. „So emotional jeder Einsatz auch ist. Die Tatsache, dass man den Eltern mit den Bildern helfen kann, überwiegt jedes Mals aufs Neue.“ Ihren ersten Einsatz beschreibt sie heute deshalb als etwas Schönes.

Gerufen wurde sie damals von einer jungen Mama, die in der 23. Schwangerschaftswoche ihr Baby zur Welt bringen musste. „Es war klar, dass das Kind lebend auf die Welt kommen wird, aber nicht überlebensfähig sein wird.“ Die Stimmung in dem Zimmer beschreibt Silke Brenner als eine ganz spezielle. „Es wurde gelacht, es wurde geweint. Dann haben alle gewartet, bis der Kleine eingeschlafen ist.“ Die Eltern seien so unendlich glücklich gewesen, als sie die Bilder bekommen haben.

Silke Brenner (Foto: Silke Brenner)
Silke Brenner

Deshalb hält Silke Brenner die Initiative auch für so wichtig. Ihrer Einschätzung nach ist das größte Problem an der Sache aber, dass die meisten eine völlig verkehrte Vorstellung von den Bildern haben und davon, wie sie entstehen. „Viele denken, dass die Fotografen mit ihrem Köfferchen kommen und ein regelrechtes Shooting veranstalten.“ Tatsächlich laufe alles ganz anders ab. „Ich halte mich im Hintergrund und versuche einfach nur, Situationen und Erinnerungen festzuhalten. „Hier muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Optimal wäre es, wenn alle Krankenhäuser die Initiative kennen und Eltern in Notfällen über die Möglichkeit informieren würden.“

"Der Kontakt zu den Eltern bricht nie ab"

So unterschiedlich jeder Einsatz auch ist, so intensiv ist die Beziehung zwischen ihr als Fotografin und den Eltern. Der Kontakt breche auch nie ab. „Ich glaube, für die Eltern ist es besonders wertvoll, dass es noch jemanden gibt, der ihr Kind auch gekannt hat. Deshalb entsteht da auch eine spezielle Bindung.“

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