Dr. Stefan Nürnberber führt an seinem Demonstrator die Funktionsweise der Software VatiCAN vor (Foto: Stephanie Bremerich (CISPA).)

Uniforscher kämpfen gegen Auto-Hacker

  08.09.2017 | 09:15 Uhr

Wissenschaftler des Kompetenzzentrums für IT-Sicherheit der Universität des Saarlandes (CISPA) haben eine Technik entwickelt, um Autos vor Hackerangriffen zu schützen. Die Software wird ab kommender Woche auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt präsentiert.

Bei modernen Fahrzeugen geht kaum noch etwas ohne Internet. Viele Autos sind permanent über den Mobilfunk mit dem Web verbunden. Dadurch sind sie auch interessant für Hacker. Ein Alptraum-Szenario: Angreifer verschaffen sich über eine Sicherheitslücke Zugriff auf tausende baugleiche Fahrzeuge und treten bei allen gleichzeitig auf die Bremse. Um dies zu verhindern, haben Forscher der Saar-Uni die Software „vatiCAN“ entwickelt. Das frei verfügbare Programm stellt CISPA auf der IAA in Frankfurt vor.

Software-Simulation am Pkw

Dort werden die Saarbrücker Forscher an einem echten Fahrzeug einen Hackerangriff  simulieren und zeigen, wie sich dieser mit Hilfe der Software abwenden lässt. „Heute haben immer mehr Fahrzeuge eine permanente Internetverbindung. Sie erlaubt es zum Beispiel, aktuelle Stauinformationen in die Routenplanung einzubeziehen oder die Standheizung aus der Ferne zu aktivieren“, so Stefan Nürnberger, Leiter der Forschungsgruppe für Automotive Security. Enthielten solche internetfähigen Steuergeräte aber Sicherheitslücken, könnten Angreifer ihre Befehle an tausende Fahrzeuge schicken.

CISPA will Hackerangriffe aufs Auto erschweren
Audio [SR 3, Karin Mayer, 11.09.2017, Länge: 02:50 Min.]
CISPA will Hackerangriffe aufs Auto erschweren

Mit der Software des CISPA sollen Autokomponenten wie beispielsweise ein Notbremsassistent jederzeit die Echtheit der an sie gerichteten Befehle überprüfen können. „VatiCAN“ sorge dafür, dass nur der echte Sender die notwendigen Authentifizierungscodes an Nachrichten anhängen kann. Diejenigen Steuergeräte, die unsere Software verwenden, können so echte von gefälschten Nachrichten unterscheiden“, erläutert Nürnberger das Prinzip.

Gleiche „Sprache“ notwendig

Problematisch ist zunächst, dass die verschiedenen Autohersteller für ihre Software verschiedene Programmiersprachen und Protokolle verwenden. Aber auch dafür haben die Saarbrücker Forscher eine Lösung. „Die Sprache, die Steuergeräte in einem Auto sprechen, wird durch "vatiCAN" nicht verändert“, sagt Nürnbürger. So lasse sich die Software nachträglich in bereits existierende Fahrzeuge integrieren, um sie gegen Angriffe zu schützen. Nun seien die Hersteller gefragt. Denn diese besäßen die notwendigen Informationen, um die Anti-Hack-Software leicht zu integrieren.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 08.09.2017 berichtet.

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