Erzieherin Marie Savarino spielt mit Kindern in der Bilingualen Kita Püttlingen (Foto: Anne Schubert/SR)

Deutsch trifft Französisch

Anne Schubert   13.08.2017 | 08:34 Uhr

Zweisprachige Kitas werden im Saarland immer populärer. In einigen Einrichtungen gibt es mittlerweile Sprachangebote, um schon die Kleinsten mit einer weiteren Sprache früh vertraut zu machen. Die Bilinguale Kindertagesstätte in Püttlingen verfolgt dieses Modell nun schon seit fast 20 Jahren und hat dabei ihr ganz eigenes Konzept.

"C'est à toi" – du bist dran, sagt Marie Savarino zu Lennard. Zusammen mit ihm und drei weiteren Kindern sitzt die Erzieherin an einem Tisch in der Hexenhausgruppe. Lennard schaut auf, nimmt sich den Würfel und würfelt die Farbe blau. "Le ciel est bleu", sagt die gebürtige Französin und zeigt auf den Himmel, der auf dem Spielbrett abgebildet ist. Ganz spielerisch bringt Marie Savarino den Kindern ihre Muttersprache näher.

Seit 13 Jahren arbeitet sie in der Bilingualen Kita in Püttlingen. Gegründet vor 30 Jahren, trägt die Einrichtung seit 2008 die Zweisprachigkeit auch in ihrem Namen. Gestartet ist das Ganze 1998 mit zunächst zwei Fachkräften aus Frankreich, mittlerweile sind fünf französische Erzieherinnen in der Einrichtung. "Jede von uns ist fest in einer Gruppe. So bekommen die Kinder die Sprache nicht nur durch Sonderangebote, sondern auch im alltäglichen Geschehen mit", erklärt Savarino.

Eine Person – eine Sprache

Von Beginn an gilt dabei eine Regel – eine Person, eine Sprache. Das heißt, die deutschen Kollegen sprechen nur deutsch mit den Kindern und die französischen Erzieherinnen bemühen sich, nur Französisch zu reden. "Vor allem bei Alltagsdingen, wie beim Schuhe holen, beim Zähne putzen oder wenn wir basteln oder ein Puzzle machen, achte ich darauf, wirklich nur Französisch zu sprechen", sagt Savarino. "Wenn ich merke, dass die Kinder nicht verstehen, was ich meine, nenne ich ein prägnantes Wort auf Deutsch. Die Kinder wissen dann sofort, was los ist und ich spreche dann wieder auf Französisch weiter."

Meike Weiland, Marie Savarino und Jennifer Wierszen von der Bilingualen Kita Püttlingen (Foto: Anne Schubert/SR)
Die Erzieherinnen Meike Weiland, Marie Savarino und Jennifer Wierszen (v.l.)

Meike Weiland, seit 1989 in der Kita, sieht, dass das Konzept aufgeht. "Man merkt es auch an den Ergebnissen der Kinder. Wir haben festgestellt, dass in den Gruppen, wo die Kollegen konstant Französisch sprechen, auch am meisten passiert. Dort bleibt bei den Kindern etwas hängen", sagt die Dienstälteste.

An erster Stelle stehe dabei, dass die Kinder lernen, die Sprache zu verstehen und nicht, dass sie selbst Französisch sprechen können, erklärt Savarino. "Wir zwingen die Kinder nicht, Französisch zu reden. Wir testen die Kinder auch nicht. Wir gucken, dass sich das Kind mit der Sprache entwickelt und dass es versucht, Französisch zu verstehen. Der Spaß soll nicht verloren gehen, deswegen erfolgt der Spracherwerb auch immer spielerisch", betont die gebürtige Französin.

Gezielte Angebote als Zugabe

Die spielerische Komponente wird unterstützt durch ein zusätzliches Angebot, um die Sprache mit den Kindern intensiver zu erarbeiten – einmal in der Woche, 30 Minuten lang und für Kinder ab drei Jahren. "In der halben Stunde wird ein Grundvokabular zu Farben, Tieren oder Zahlen spielerisch erlernt", erklärt Savarino. "Und das Ganze funktioniert, die Kinder kommen gerne."

Jennifer Wierszen kennt die Übungsaufgaben noch von früher. Sie hat selbst als Kind die Kita in Püttlingen besucht. Mittlerweile arbeitet sie als Erzieherin in der Einrichtung. "Die Zeit hier als Kind hat mich schon geprägt. So typisch französische Wörter habe ich bis heute nicht vergessen", erzählt Wierszen, die vergangenes Jahr in der Kita auch ihr Anerkennungsjahr gemacht hat. "Ich habe mich bewusst auch wegen der Zweisprachigkeit für diese Einrichtung entschieden. In anderen Kindergärten ist es ja eher so, dass so etwas nur durch spezielle Angebote praktiziert wird. Hier ist das Alltag."

In der Denkweise hat sich viel geändert

Die Tür zur Küche in der Bilingualen Kita Püttlingen (Foto: Anne Schubert/SR)
Über jeder Tür steht immer auch die französische Übersetzung.

Bis das so auch in den Köpfen der Erzieherinnen war, hat es aber ein bisschen gebraucht. "Anfänglich war das schon eine Riesen-Hürde. Viele hatten gedacht 'Oh je, jetzt muss ich Französisch reden. Wie soll das gehen?' Da schließe ich mich auch nicht aus", erinnert sich Meike Weiland. "Mit den Jahren wurden das Konzept sowohl von den Erzieherinnen als auch von den Eltern aber immer mehr anerkannt. Es ist zur Normalität geworden, dass hier zweisprachig gesprochen wird."

Auch Savarino freut sich über den entstandenen Zusammenhalt. "Es ist schön zu merken, wie die Kita hinter dem Konzept steht und wie die Kollegen uns französische Erzieherinnen im Alltag unterstützen. Ich fühle mich hier nicht als Fremde", betont Savarino.

Und Weiland ist sich sicher, dass der eingeschlagene Weg die richtige Entscheidung war: "Heute ist es undenkbar ohne Französisch. Wir bereichern uns gegenseitig."

Artikel mit anderen teilen