Eine Roulette-Kugel wird von einem Croupier über den sogenannten Kessel gehalten. (Foto: dpa)

Untreueverdacht in Saarbrücker Spielbank

Thomas Gerber   05.04.2017 | 15:56 Uhr

An den Roulette-Tischen der Spielbank Saarbrücken soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Gegen einen bundesweit aktiven Berufsspieler und gegen Verantwortliche der Spielbank läuft derzeit ein Ermittlungsverfahren, wie die Staatsanwaltschaft dem SR bestätigte. Es geht um den Verdacht der Untreue.

Der 80 Jahre alte Berufsspieler soll mit Spielbankmitarbeitern gemeinsame Sache gemacht haben. Auslöser für die Ermittlungen war eine Strafanzeige eines langjährigen Spielbankgastes von Anfang März gewesen: Der Berufsspieler, der in Zockerkreisen nur "Dok" genannt wird, verfüge über eine außergewöhnliche Gabe – das so genannte Kesselgucken. Drehe sich der Kessel relativ langsam, könne er voraussagen, wohin die Kugel fällt.

Absprachen mit den Mitarbeitern?

In der Strafanzeige wird die Spielbank am Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken nach SR-Informationen als "Verbrechercasino" bezeichnet. Denn der gebürtige Serbe "Dok" soll mit den Croupiers gemeinsame Sache machen: Die Mitarbeiter sollen den Kessel offenbar langsamer drehen und dafür ein großzügigeres Trinkgeld erhalten. Laut Staatsanwaltschaft gab es vor 20 Jahren schon einmal ähnliche Vorwürfe, die damals aber im Sande verlaufen seien. Die neuerlichen Ermittlungen stünden noch ganz am Anfang. Nach Angaben der Saarbrücker Spielbank war "Dok" in Saarbrücken, wie in anderen Spielbanken auch, zwar schon gesperrt gewesen, das aber komme immer wieder mal vor.

Spielbank will mit Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten

Saartoto- und Spielbank-Chef Peter Jacoby kündigte an, die Spielbank werde bei den Ermittlungen eng mit der Staatsanwaltschaft kooperieren. Jacoby sagte dem SR, die Abläufe würden zunächst intern aufgearbeitet. Da in der Strafanzeige auch Mitarbeiter der Spielbank bis hin zur Geschäftsführung beschuldigt würden, werde er einen Rechtsanwalt einschalten.

Wie der SR inzwischen erfahren hat, wurde die Strafanzeige Anfang März von einem langjährigen Gast der Spielbank erstattet, der kurz zuvor Hausverbot bekommen hatte. Dem SR sagte er, bei der Strafanzeige handele es sich keineswegs um einen Rachefeldzug. Es gebe bereits seit Jahrzehnten Unregelmäßigkeiten bei der Saarbrücker Spielbank.

Über dieses Thema wurde am 5. April auch in der Rundschau auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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