Symbolbild / Schutzhelm / Bauarbeiterhelm (Foto: dpa)

Chef von Baufirma wegen Menschenhandels angeklagt

  18.04.2017 | 13:01 Uhr

Wegen schweren Menschenhandels zum Zwecke der Ausbeutung seiner Arbeiter hat die Saarbrücker Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Chef einer Baufirma erhoben. Der 52-Jährige aus Schiffweiler soll Arbeiter aus dem Ausland ins Saarland gelockt und sie hier zu Hungerlöhnen beschäftigt haben. Der Mann ist den Behörden bereits einschlägig bekannt.

Es ist ein ganzes Bündel an Vergehen, das die Saarbrücker Staatsanwaltschaft dem 52-Jährigen vorwirft: Es geht um schweren Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft, um besonders schweren Betrug und um das Vorenthalten und Veruntreuen von Gehalt.

Video [aktueller bericht, 18.04.2017, Länge: 2:27 Min.]
Anklage wegen Menschenhandels

Zwischen 2013 und Mitte 2016 soll der Mann aus Schiffweiler faktisch als Geschäftsführer einer Baufirma tätig gewesen sein. Als solcher habe er Arbeiter vorwiegend aus Bulgarien und Rumänien angeworben. Die Männer habe er auf seinen Baustellen regelrecht "ausgebeutet", so die Einschätzung der Staatsanwaltschaft.

Verdreckte Behausung

Den überwiegend mittellosen und vom deutschen Rechtssystem ahnungslosen Männern habe er versprochen, pauschal 450 Euro zu zahlen. Für dieses Salär hätten diese quasi zeitlich unbegrenzt auf Baustellen arbeiten müssen. Sie hätten auf diese Weise deutlich weniger verdient als den gesetzlichen Mindestlohn am Bau von rund 14 Euro pro Stunde.

So hätten die Arbeiter außerdem zu Unrecht als "Aufstocker" gegolten und das Jobcenter Miete und Sozialleistungen für sie gezahlt. Wohngeld vom Jobcenter habe der Angeschuldigte selbst eingestrichen – und dafür seine Arbeiter in eigenen, teils von Ungeziefer befallenen Wohnungen untergebracht.

Einschlägig bekannt

Unternehmer wegen Menschenhandels angeklagt
Audio [SR 3, Ute Mühlbauer, 18.04.2017, Länge: 00:42 Min.]
Unternehmer wegen Menschenhandels angeklagt

Der Angeschuldigte war bereits 2006 wegen des Vorwurfs der illegalen Beschäftigung zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Mit aufwändigen, zum Teil verdeckten Ermittlungen kamen die Behörden dem Mann erneut auf die Schliche. Anfang November wurde er festgenommen, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Zahlreiche Zeugen hätten das "auf Ausbeutung angelegte System" des 52-Jährigen übereinstimmend beschrieben, teilte die Ermittlungsbehörde mit. Der Angeschuldigte selbst äußerte sich laut Staatsanwaltschaft bisher nicht. Gegen vier Mitbeschuldigte, darunter die Ehefrau des 52 Jährigen, laufen die Ermittlungen noch.

In den jetzt angeklagten fünf Fällen beziffert die Staatsanwaltschaft den Schaden für einen Zeitraum von einem knappen halben Jahr bereits auf fast 50.000 Euro. In einem abgetrennten Verfahren taxieren die Ermittler den Schaden, der allein der Rentenversicherung entstanden sein soll, aber auf mehr als 300.000 Euro.

Über dieses Thema wurde auch in der Rundschau vom 18.04.2017 berichtet.

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