Eine Tierheilpraktikerin wendet Akupunktur bei einem Hund an. (Foto: Imago/SteffenSchellhorn)

Nadeln gegen die Schmerzen: Akupunktur für den Hund

Felicitas Fehrer   10.10.2017 | 14:21 Uhr

Wenn der geliebte Vierbeiner leidet, bleibt kaum etwas anderes übrig, als zum Tierarzt zu gehen. Neben schulmedizinischen Methoden gibt es dabei auch die Möglichkeit, zur alternativen Medizin zu greifen: Viele Tierärzte schwören auf Akupunktur beim Hund.

Rückenschmerzen, Entzündungen oder Verspannungen - bei chronischen Beschwerden setzt so mancher seine letzte Hoffnung auf die Akupunktur. Dass die nicht nur beim Menschen helfen soll, ist inzwischen auch in einigen Tierarztpraxen des Saarlandes angekommen. Hier werden Hunden feine Nadeln gesetzt, damit sie wieder schmerzfrei und unbeschwert die Welt erobern können.

Das Verfahren der Akupunktur kommt aus der traditionellen chinesischen Medizin und wurde bereits im zweiten Jahrhundert vor Christus angewendet. Seit einiger Zeit wird die Akupunktur auch in Europa immer beliebter.

So funktioniert es

Eine, die diese Methode regelmäßig bei Vierbeinern anwendet, ist Christina Liurno, Tierheilpraktikerin aus Homburg. Dazu benutzt sie jeweils acht sehr feine Kupfernadeln, die sie nach erstmaligem Abtasten mit der Hand an ganz bestimmte Körperstellen des Tieres ansetzt.  Welche das genau sind, hängt von der Lokalität und der Art des Schmerzes ab.

„Es gibt zwölf sogenannte Hauptmeridiane, die unseren ganzen Körper durchziehen“, sagt Liurno. Diese Hauptmeridiane nennt man auch „Leitbahnen“. Das sind Kanäle, durch die die Lebensenergie fließen soll. Jeder Hauptmeridian steht mit einem bestimmten Organ in Verbindung.

„Auf diesen Meridianen liegen verschiedene Knotenpunkte, sogenannte Nervenzentren. Wenn innerhalb dieser Nervenzentren Irritationen herrschen, kann sich das in Form von Verspannungen oder Entzündungen äußern", sagt Tierärztin Marion Magdeburg aus Sulzbach. Auch sie bietet in ihrer Praxis Akupunktur für Hunde an. Um in den irritierten Nervenzentren das Gleichgewicht wiederherzustellen, wird mit der Akupunkturnadel genau in die betroffenen Stellen gestochen – als ausgleichende Reizung. "Wenn bei dem Tier eine innere Entzündung vorliegt, saugt der Körper die Akupunkturnadel förmlich auf. Ansonsten fällt sie einfach wieder raus", sagt Liurno.

Im Normalfall keine Schmerzen

Die akupunkturelle Behandlung ist in der Regel schmerzfrei – wenn sie korrekt durchgeführt wird. Denn die Nadeln sind extrem fein und werden auch nicht besonders tief in die Haut gestochen. „Beim Hund geht man hier vom Zehenumfang aus“, sagt Liurno. „Die Hälfte des Umfangs entspricht der Tiefe des Einstichs. Das sind in der Regel wenige Millimeter.“ Beim Menschen richtet man sich nach dem Durchmesser der Daumenkuppe.

Liurno ist eine der wenigen im Saarland, die Akupunktur auch bei Katzen anwendet. Denn Katzen sind meist empfindlicher als Hunde. Außerdem kann es durch ihr ausgeprägtes Leckverhalten schnell passieren, dass versehentlich eine Nadel mit der Zunge aufgenommen und dann verschluckt wird – das ist gefährlich. Damit das nicht passiert, empfiehlt Magdeburg, die Tiere während der Behandlung mit Futter oder Streicheleinheiten abzulenken.

Behandlungsdauer variiert

Akupunktur braucht ihre Zeit. In der Regel dauert eine Therapie bei Liurno vier Wochen. Zweimal pro Woche behandelt sie das betroffene Tier je 30 Minuten lang mit Nadeln. Je nach Entwicklung des Gesundheitszustandes werden die Behandlungen dann immer seltener.

„Meist signalisiert das Tier ziemlich deutlich, wann die Therapie beendet werden soll“, sagt Magdeburg. Beginnt der Vierbeiner, sich zu wehren oder verhält sich plötzlich aggressiv, sollte man die Behandlung abbrechen. Eine Ursache für dieses Verhalten kann sein, dass die falschen Akupunkturpunkte ausgewählt wurden. Oder aber die Therapie schlägt nicht an.

Laut Magdeburg reagiert jedes Tier unterschiedlich auf die Behandlung. Deswegen sei es besonders wichtig, auf das Tier einzugehen und die Reaktionen zu beobachten.

Auf seriöses Zertifikat achten

Bei der Auswahl eines geeigneten Tierarztes oder Tierheilpraktikers, der Akupunktur praktiziert, sollte man darauf achten, dass ein seriöses Zertifikat vorliegt. Dieses kann man entweder auf der Homepage einsehen, oder aber man lässt es sich in der Praxis zeigen.

„Wenn man so will, darf quasi jeder Akupunkturnadeln setzen. Da gibt es die verrücktesten Fake-Zertifikate“, warnt Liurno. Deshalb sollte man sich an Ärzte oder Heilpraktiker halten, die eine seriöse Zusatzaubildung im Bereich Akupunktur gemacht haben.

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