Ein Mann desinfiziert sich die Hände (Foto: dpa/Armin Weigel)

Verdi-Aktionstag vorzeitig abgebrochen

  12.09.2017 | 14:20 Uhr

Der Aktionstag "Hände-Desinfektion" in den saarländischen Kliniken musste am Dienstag bereits in der Frühschicht vorzeitig beendet werden. Verdi-Sprecher Michael Quetting spricht von einem "traurigen Erfolg" der Aktion.

Mit dem Aktionstag wollte die Gewerkschaft Verdi nach eigenen Angaben bundesweit darauf aufmerksam machen, dass zu wenig Zeit und zu wenig Personal verheerende Folgen haben können. Denn oft komme trotz aller Anstrengung auch das zu kurz, was für eine gute Patientenversorgung unabdingbar sei: Die Einhaltung der Hygienevorschriften. 

Aktionstag: Händedesinfektion
Audio [SR 3, Steffani Balle, 12.09.2017, Länge: 02:57 Min.]
Aktionstag: Händedesinfektion

"Die Personalnot ist sehr schnell deutlich geworden. Unser Vorhaben, für 24 Stunden eine Arbeit nach Vorschrift durchzuführen, musste schon in der Frühschicht aufgegeben werden", so Quetting. Schlag auf Schlag seien in dem Verdi-Aktionszentrum die Meldungen eingegangen, dass die Aktion wegen Personalmangel beendet werden müsse. Bereits um 10.00 Uhr hatten sich von den ursprünglich 78 teilnehmenden Stationen lediglich noch 13 an dem Aktionstag beteiligt.

Der Zeitaufwand für eine vorschriftsmäßige Hände-Desinfektion beträgt nach Angaben der Gewerkschaft rund 30 Sekunden, fällig nach jedem Patienten-Kontakt. Bei einer Acht-Stunden-Schicht bedeutet das einen Zeitaufwand von rund zwei Stunden. Zeit, die die Pflegekräfte im Krankenhaus einfach nicht hätten, sagte Quetting. "Wenn die Kolleginnen und Kollegen die Hygienevorschriften einhalten, müssen sie entscheiden, was sie stattdessen weglassen. Diese Bedrängnis ist unerträglich", so Quetting.

Bis zu 15.000 Todesfälle jährlich

Wie groß das Problem der zu kurz kommenden Desinfektion ist, machen Zahlen des Bundesministeriums für Gesundheit deutlich. Demnach wird die Zahl behandlungsassoziierter Infektionen auf jährlich zwischen 400.000 und 600.000 Fälle geschätzt, die der Todesfälle auf bis zu 15.000 Fälle. Ein Zustand, der laut Verdi durch den Personalmangel versursacht wird. "Die Arbeitgeber sind verpflichtet, die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu schützen. Es muss genug Personal zur Verfügung stehen, damit Patienten gesund und Pflegekräfte nicht selbst krank werden", so Quetting.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 12.09.2017 berichtet.

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