Der umgekehrte Adventskalender von Pasquale D'Angiolillo (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Der umgekehrte Adventskalender

Katrin König   01.12.2017 | 15:10 Uhr

Beim Thema Adventskalender kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Ob selbst füllen oder gar selbst basteln - alles ist möglich. In diesem Jahr scheint aber ein Trend aus den sozialen Netzwerken zum Umdenken und Nachahmen anzuregen: Der umgekehrte Adventskalender - der am Ende der Adventszeit Hilfsbedürftigen zugute kommt.

24 Türchen, gefüllt mit Süßigkeiten, Spielzeug, anderen kleinen Aufmerksamkeiten oder aber - etwas ausgefallener und für Erwachsene - auch mal mit unterschiedlichen Biersorten oder feiner Unterwäsche. So kennt man den Adventskalender, der klassischerweise die Wartezeit bis zum Weihnachtsfest verkürzen und die Vorfreude steigern soll.

Video [aktueller bericht am Samstag, 23.12.2017, Länge: 3:31 Min.]
Der umgekehrte Adventskalender

Geben statt Nehmen

Eine österreichische Agentur, die normalerweise Aktivitäten im öffentlichen Raum organisiert, hat in diesem Jahr einen Trend gesetzt, der sich grade wie ein Lauffeuer durch die sozialen Netzwerke verbreitet. Die Idee dahinter: Geben statt nehmen. Anstatt also selbst jeden Tag etwas aus einem Kalender zu entnehmen, legt man Tag für Tag etwas hinein und übergibt die gefüllte Kiste am Ende der Adventszeit entweder einer gemeinnützigen Organisation oder einem bedürftigen Menschen in seinem Umfeld.

Screenshot des Facebook-Postings von Street Life Wien (Foto: Street Life Wien/Facebook)

"Ich habe schon vor einigen Jahren mal einen Rückwärts-Adventskalender befüllt. Damals war ich noch Student und habe das mit meiner WG zusammen gemacht", erzählt Daniel Böhm von Street Life Wien im Gespräch mit SR.de. In diesem Jahr wollte er die Idee noch einmal aufgreifen und hat sie am 17. November auf der Facebookseite der Agentur per Bild und einem einfachen Text angekündigt. Mit beeindruckender Resonanz: Über 19.000 Mal haben User das Ausgangsposting bisher geteilt, unzählige Kommentare finden sich darunter. Viele wollen sich beteiligen, fragen nach Abgabestellen oder geben Tipps, was alles eingepackt werden kann.

Von Österreich über Luxemburg ins Saarland

Mittlerweile ist die Aktion in England, Frankreich, Luxemburg und auch dem Saarland angekommen. Am 30. November postete der Fotograf Pasquale D'Angiolillo ebenfalls auf Facebook:

Dieses Jahr gibt es bei uns einen umgekehrten Adventskalender. Anstatt jeden Tag etwas aus dem Adventskalender raus zu nehmen, kommt jeden Tag etwas rein. Wie gehabt 24 Teile. Das Paket bekommt ein besonderer Mensch von der Saarländischen Armutskonferenz. Einfach um eventuell das Fest etwas zu versüßen. Nur haltbares Essen und Hygieneartikel. Vielleicht kennt ihr ja auch jemanden persönlich oder eben eine Hilfsorganisation, die ein Paket weitervermitteln kann.

Die Idee habe er aus Luxemburg übernommen. Gemeinsam mit seiner Familie legt er ab jetzt bis zum 24. Dezember jeden Tag etwas in den Adventskalender. Den Anfang macht eine Dose Obstsalat, denn: " Wenn schon umgekehrt, dann fange ich auch umkehrt an - also mit dem Nachtisch", so D'Angiolillo. Auch unter seinem Posting finden sich etliche Nutzer, die ankündigen, sich an der Aktion zu beteiligen.

Was darf rein?

Ideen für Adventskalender
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Ideen für Adventskalender

Alles, was man dafür braucht, ist ein einfacher Pappkarton, eine Kiste, ein Korb oder ein ähnliches Behältnis. Wer möchte, kann das Ganze noch weihnachtlich verzieren. In den umgekehrten Adventskalender sollten nur haltbare Lebensmittel - also beispielsweise Konserven, Nudeln, Reis, Müsli, Brotaufstriche oder Süßigkeiten. Auch Zahnpasta, Duschgel oder andere Hygieneartikel machen sich gut darin. Wenn schon feststeht, wer den Adventskalender bekommen soll, können auch Socken oder beispielsweise ein Schal hineingelegt werden.

"Die ganze Aktion hat für mich einen stark symbolischen Charakter: Der umgekehrte Adventskalender soll Hilfsbedürftigen auch eine soziale Teilhabe ermöglichen. Deswegen werden wir neben Lebensmitteln auch Busfahrkarten oder beispielsweise Kinotickets oder ähnliches in die Kiste legen", erklärt D'Angiolillo.

Die fertigen Adventskalender können entweder privat verteilt oder aber an eine Hilfsorganisation übergeben werden. Außerdem können sie mittwochs zwischen 17.00 und 19.00 Uhr und freitags zwischen 18.00 und 21.00 Uhr beim THW Neunkirchen abgegeben werden.

Wer an keinem der Termine keine Zeit hat, kann sich auch per E-Mail bei Umgekehrt_2017@gmx.de melden. Über diese Adresse können eigene Abgabetermine abgesprochen werden.

Von dem eigenen Überfluss ein wenig abgeben, Nächstenliebe leben - der Grundgedanke der Weihnachtszeit, dargestellt in einem Kalender.

Video [aktueller bericht, 01.12.2017, Länge: 2:35 Min.]
Der umgekehrte Adventskalender

Über diese Thema wurde auch im aktuellen bericht am 1. Dezember berichtet.

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