Ein Paar mit Kind  (Foto: Lukas Schulze/dpa)

Geld für ärmere Familien selten abgerufen

Katharina Döppler mit Informationen von Kristin Luckhardt   06.01.2018 | 09:20 Uhr

Einkommensschwache Familien können einen Kinderzuschlag von bis zu 170 Euro pro Kind bekommen. Mehr als zwei Drittel der Berechtigten nehmen die Leistung nach Angaben der Familienkasse jedoch nicht in Anspruch.

Der Leiter der Familienkasse Rheinland-Pfalz-Saarland, Herbert Jordan, sagte SR.de, im vergangenen Jahr hätten im Saarland durchschnittlich 630 Familien pro Monat den Zuschlag beantragt. Das seien aber nur etwa 30 Prozent derjenigen, die grundsätzlich die Voraussetzungen erfüllen. Hauptgrund dafür, dass viele keinen Kinderzuschlag beantragen, sei schlicht Unkenntnis. Viele Familien wüssten nicht, dass es die Leistung gibt. Dabei wurde der Kinderzuschlag bereits 2005 eingeführt.

Als weiteren Grund für die geringe Inanspruchnahme vermutet Jordan eine generelle Scheu vor staatlichen Institutionen und staatlichen Leistungen. Die Familienkasse habe, so Jordan, verschiedene Informationskampagnen gestartet und den Zuschlag aktiv umworben. Sozialverbände wie der VdK würden gezielt angesprochen und gebeten, Familien auf den Kinderzuschlag hinzuweisen. Im Laufe dieses Jahres sollen zusätzlich Beratungen über Skype angeboten werden.

Was ist der Kinderzuschlag?

Mit dem Kinderzuschlag sollen einkommensschwache Familien entlastet werden. Ziel ist es, die Kinderarmut zu bekämpfen und den Kindern Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Reicht das Einkommen der Eltern zwar aus, um ihren eigenen, nicht aber auch den Lebensunterhalt ihrer Kinder zu bezahlen, können sie die Familienleistung beantragen. Allerdings muss die Familie einige Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört:

  • dass die Eltern für ihre Kinder Kindergeld beziehen.

  • dass die Eltern zusammen mindestens 900 Euro im Monat verdienen (Alleinerziehende: 600 Euro).

  • das Einkommen eine Höchsteinkommensgrenze nicht übersteigt.

  • kein Anspruch auf Arbeitslosengeld II besteht.

Einkommensgrenze wird individuell berechnet

Dabei gibt es keine pauschale Höchsteinkommensgrenze. Diese muss vielmehr für jede Familie ausgerechnet werden. Entscheidend sind die individuellen familiären Verhältnisse. Zusammengerechnet wird der elterlichen Bedarf im Sinne der Regelungen zum Arbeitslosengeld II, ein prozentualer Anteil an den Wohnkosten und der Gesamtkinderzuschlag.

Bei einer Familie mit zwei Kindern, die monatlich 600 Euro Miete bezahlt, liegt die höchste Einkommensgrenze beispielsweise bei rund 1500 Euro brutto. Diese Familie erhält also den Kinderzuschlag wenn sie über 900 Euro und unter 1500 Euro verdient.

Informationen zum Kinderzuschlag und seiner Berechnung
Familien mit niedrigem Einkommen können unter bestimmten Voraussetzungen Kinderzuschlag erhalten. Welche Voraussetzungen das sind, erklärt das Bundesfamilienministerium auf seiner Webseite unter anderem auch mit einem Erklärfilm.

Die Familienkassen der Bundesagentur für Arbeit sind neben dem Kindergeld auch für den Kinderzuschlag zuständig. Bei ihnen können sich Familien über die Leistung informieren. Dort können sie den Kinderzuschlag auch beantragen. Die Formulare dafür können Sie auch im Internet herunterladen. Ansprechpartner im Saarland ist die Familienkasse in der Saarbrücker Hafenstraße.

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