Zwei Laborantinnen riechen an Geruchsproben. (Foto: dpa)

Wie Düfte unser Leben beeinflussen

Axel Burmeister   17.04.2017 | 08:49 Uhr

Jeder Mensch hat seine persönliche Duftnote. Das kann für die Umgebung angenehm oder extrem störend sein. Was wir mit Düften verbinden, hängt von der Erziehung oder Erlebnissen ab, die unser Gehirn bestimmten Gerüchen zuordnet. SR.de sprach mit dem Zellphysiologen und Duftexperten Professor Hanns Hatt über das Thema.

Düfte können anregend, beruhigend oder abstoßend auf den Menschen wirken. Jeder empfindet anders. So gibt es Menschen, die den Duft von Frühlingsblumen hassen und wiederum andere, denen der Geruch von Fäkalien angenehm ist.


SR.de: Jeder nimmt Gerüche anders wahr. Den Einen stört dieser, den Anderen jener Geruch. Wovon hängt diese unterschiedliche Beurteilung ab?

Prof. Hanns Hatt: Die Bewertung von Düften hängt nach wissenschaftlichen Erkenntnissen davon ab, welche persönlichen Erfahrungen ich mit Düften gemacht habe. Da spielen auch Erziehung und Kulturkreis eine Rolle.

SR.de: Wie kommt es, dass wir mit Düften Menschen oder Situationen verbinden, die schon lange zurückliegen?

Hatt: Unsere Nase gehört zu den ältesten Sinnessystemen. Sie besitzt eine direkte Nervenleitung ins Gedächtnis oder Emotionszentrum. Dorthin werden die Informationen über jeden Duft erstmal geleitet und zusammen mit der Emotion dazu abgespeichert.

Professor Hatt, Ruhr-Universität Bochum (Foto: Pressefoto)
Professor Hatt, Ruhr-Universität Bochum

SR.de: Nicht immer ist es angenehm, wenn jemand im Bus oder im Büro die Umgebung mit seiner ganz persönlichen Duftnote einnebelt. Wovon hängt der Körperduft eines Menschen eigentlich ab?

Hatt: Jeder Mensch hat sein eigenes Parfum – also seinen eigenen Körperduft. Der hängt nicht nur von der Lebensweise ab, also zum Beispiel was derjenige isst. Offensichtlich liegt es auch an den Genen. Und dieser persönliche Körperduft unterliegt auch einer Bewertung durch die Mitmenschen.

SR.de: Gibt es denn auch Düfte, die alle Menschen auf der Welt schlecht oder angenehm finden?

Hatt: Nein. Es gibt keinen Duft auf der Welt, den alle Menschen schlecht finden oder den alle Menschen gut finden.

SR.de: Wenn man mal seiner Phantasie freien Lauf lässt, kann man sich das kaum vorstellen.

Hatt: Selbst Fäkalienduft lieben fünf Prozent der Menschen in Deutschland. Die meisten lieben ihn nur deshalb nicht, weil die Eltern gesagt haben: `Du hast ein Kacka gemacht, das stinkt, das ist eklig` ,oder, `Du stinkst nach Schweiß, jetzt wasch Dich mal!`. Wenn die Eltern das andersherum gesagt hätten, hätten wir eine völlig andere Einstellung dazu.

Wie man hartnäckige Gerüche aus dem Auto bekommt...
Audio [SR 3, Uwe Jäger, 06.04.2017, Länge: 02:17 Min.]
Wie man hartnäckige Gerüche aus dem Auto bekommt...

SR.de: Gibt es in der Wahrnehmung und Bewertung von Gerüchen kulturelle Unterschiede?

Hatt: In Naturvölkern ist Schweißgeruch oder Fäkalien- und Uringeruch etwas Spannendes, Interessantes, weil es etwas über die Gesundheit aussagt. Und weil dadurch auch etwas über Dominanz und Abbauprodukte von Testosteron gesagt wird. Da sind viele Stoffe drin, die für die Kommunikation wichtig sind. Genauso ist es mit anderen Düften: Wenn ich den Frühling mag, dann wird sich natürlich mit dem Duft von Blumen meine Stimmung aufhellen. Wenn ich den Frühling hasse, weil ich dann Heuschnupfen bekomme, dann werden Blütendüfte meine Stimmung eher deprimieren.

SR.de: Hat sich der Geruchssinn der Menschen im Laufe der Zeit verändert – stören oder betören uns Düfte heute anders als vor 20 oder 100 Jahren?

Hatt: Die Vorlieben für Düfte ändern sich permanent. Es gibt Modedüfte – denken Sie 20 Jahre zurück, da war Opiumduft angesagt, vorher eher die harzigen Düfte wie Tabak. Das sind Trends, die zum Beispiel durch die Werbung geprägt werden. Und die Amerikaner lieben andere Düfte als wir – eher diese blumig-süßlichen. Die gehen hier gar nicht. Ganz andere Düfte sind in Asien beliebt – da gibt es kulturelle Unterschiede.

SR.de: Was bewirken denn Düfte in unserem Körper?

Hatt: Düfte können über den Blutweg ins Gehirn gelangen und dort wirken, wie zum Beispiel Citrusdüfte und Bergamotte für Aktivität oder Lavendel für Beruhigung und Schlaf. Das hat aber nichts mit Erinnerungen zu tun, sondern das sind wirklich pharmakologische Wirkungen von Duftstoffen.

SR.de: Wie ist es mit Weihrauch in der Kirche – da spielt doch für viele auch Erinnerung eine Rolle?

Hatt: Da ist es zum einen die Erinnerung. Aber da gibt es auch Inhaltsstoffe - die Bosweliasäure - die über den Blutweg durch die Lunge ins Gehirn kommt und dort Areale aktiviert, die fast halluzinogene Wirkung haben.              

Artikel mit anderen teilen