Matthias Maurer (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Aus dem Saarland ins All

Axel Burmeister   06.04.2017 | 15:35 Uhr

Matthias Maurer will hoch hinaus: Zwischen 2020 und 2022 soll der Saarländer ins All geschossen werden. Ende Februar war bekannt geworden, dass der Oberthaler in das Astronauten-Team der europäischen Raumfahrtorganisation (ESA) aufgenommen wird. SR.de hat mit ihm über seine Vorbereitungen auf den Start gesprochen.

Dem 46-jährigen Matthias Maurer werden gute Chancen eingeräumt, dass es auch wirklich klappt mit dem Flug ins All. Bis dahin sind aber noch reichlich Trainingseinheiten unter Wasser sowie zwischen Himmel und Erde geplant.


SR.de: Herr Maurer, Sie werden möglicherweise 2020 oder 2022 ins All starten. Wie fühlt sich das an? Sind Sie aufgeregt?

Maurer: Also, aufgeregt bin ich noch lange nicht, aber es fühlt sich gut an. Ich trainiere seit zwei Jahren und bevor es los geht muss ich mindestens noch weitere zwei Jahre trainieren.

SR.de: Wie sehen denn die härtesten Prüfungen aus, die Sie absolvieren müssen?

Interview: "Der Raumanzug ist ein eigenes kleines Raumschiff"
Audio [SR 3, Interview: Karin Mayer, 06.04.2017, Länge: 03:52 Min.]
Interview: "Der Raumanzug ist ein eigenes kleines Raumschiff"

Maurer: Wir üben Schwerelosigkeit in einem Tauchbecken und arbeiten in Schwerelosigkeit auf Parabelflügen. Das Flugzeug, das wir dafür verwenden ist übrigens das alte Kanzler-Flugzeug von Angela Merkel.

SR.de: Könnte man auch als Haltbarkeitstest für die Maschine sehen.

Maurer: Das Flugzeug stürzt so schnell Richtung Boden, dass alle Leute darin für 22 Sekunden schwerelos sind. Damit man aber nicht unten aufschlägt, muss der Pilot den Knüppel wieder hochziehen – und dann ist man doppelt so schwer. Das Ganze wird dann 30 Mal wiederholt.

Matthias Maurer (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Matthias Maurer im Interview bei SR.de

SR.de: Ist Astronaut ein Kindheitstraum von Ihnen gewesen?

Maurer: Als Kind habe ich mich dafür begeistert, wie Ulf Merbold in den Weltraum geflogen ist. Aber ich dachte nicht, dass das für mich ein Beruf sein könnte.

SR.de: Und wann kam dann bei Ihnen der Durchbruch, als Sie beschlossen Astronaut werden zu wollen?

Maurer: Der Durchbruch kam mit der Tagesschau 2008. Da habe ich gesehen, dass die Esa neue Astronauten sucht. Und das war für mich klar, da bewerbe ich mich.

SR.de: Welche Sprachen muss man für den Job sprechen?

Maurer: Ich habe in Frankreich, England und Spanien studiert. Diese Sprachen spreche ich ganz ordentlich. Für die Raumfahrt braucht man aber andere Sprachen.

Video [aktueller bericht, 06.04.2017, Länge: 5:28 Min.]
Interview mit Astronaut Matthias Maurer

SR.de: Welche zum Beispiel?

Maurer: Russisch, falls man mit den russischen Kollegen fliegen möchte und, wenn man mit einer chinesischen Kapsel fliegen will, muss man chinesisch lernen. Alle Anleitungen sind nämlich in den jeweiligen Sprachen verfasst.

SR de: Was machen Sie in der Zeit bis zum Abflug?

Maurer: Ich lerne sehr viel, zum Beispiel wie eine Raumstation funktioniert oder wie Raketen funktionieren. Und was Astronauten da oben tun müssen – sie beschäftigen sich nämlich sehr viel mit Wissenschaft. Aber ich trainiere auch Extremsituationen wie eine Notlandung im Wasser.

SR.de: Dann drücken wir Ihnen die Daumen, dass es 2020/22 klappt.    

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