Wahlurne mit Stimmzettel und dem Wappen des Saarlandes. (Foto: Heitz/SR/Imago/M. Stein)

Höhere Wahlbeteiligung als 2012

  26.03.2017 | 20:04 Uhr

Rund 800.000 Saarländer waren heute zur Wahl eines neuen Landtags aufgerufen. Die Wahlbeteiligung stieg auf 70,4 Prozent. Wahlforscher hatten zuvor ein spannendes Rennen erwartet. Insbesondere wird sich zeigen, ob sich der "Schulz-Effekt" aus den Umfragen auch an der Wahlurne niederschlägt.

Bei strahlend schönem Sonnenschein waren heute rund 800.000 Menschen im Saarland aufgerufen, in den Wahlkabinen ihr Kreuzchen zu machen. Die Wahllokale sind seit 18.00 Uhr geschlossen. Die Wahlbeteiligung stieg auf 70,4 Prozent, im Jahr 2012 lag sie noch bei 61,6 Prozent.

Wahlforscher hatten zuvor ein spannenden Rennen erwartet. Es ist die erste Landtagswahl seit Bekanntwerden der Kanzlerkandidatur von Martin Schulz. Galt lange eine Fortführung der Großen Koalition im Land als die wahrscheinlichste Option, ist nach den jüngsten Umfragen durch den SPD-Höhenflug auch Rot-Rot möglich. Deshalb verfolgt auch das politische Berlin aufmerksam, wie sich heute der "Schulz-Effekt" an den Wahlurnen im Saarland niederschlägt.

"Wenn sich der Schulz-Effekt heute hier zeigt, dann kann die SPD hoffen, dass er sie zu den nächsten Landtagswahlen trägt und dann vielleicht auch bis zur Bundestagswahl", sagte Parteienforscher Uwe Jun am Sonntag. "Umgekehrt wäre es so, wenn es heute kein sehr überzeugendes Ergebnis für die SPD wäre, dann könnte man sagen, es war nur ein demoskopisches Hoch, aber kein reales Hoch. Das würde für die SPD im Bundestagswahlkampf einen Rückschlag bedeuten."

Kramp-Karrenbauer contra Rehlinger

An der Spitze des kleinsten deutschen Flächenlandes steht aktuell noch Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Die 54-Jährige ist die mit Abstand beliebteste Politikerin. Sie will die Große Koalition im Saarland fortsetzen. Durch die Einigung beim Länderfinanzausgleich kann der strenge Sparkurs des Landes voraussichtlich ab 2020 etwas gelockert werden.

Stimmabgabe zur Landtagswahl 2017

Kramp-Karrenbauers Herausforderin ist ihre bisherige Stellvertreterin Anke Rehlinger. Die 40-jährige SPD-Politikerin will heute stärkste Kraft im Saarland werden. Mögliche Koalitionsoptionen hielt sie sich bisher offen.

Kleine Parteien müssen um Einzug in den Landtag bangen

Parat für eine Koalition steht die Linkspartei um Oskar Lafontaine. Mit Umfragewerten von zwölf bis 13 Prozent gilt der Einzug der Linken ins saarländische Parlament als sicher.

Zittern müssen hingegen die kleineren Parteien. Die FDP hat sich zwar von ihrem Absturz bei der Landtagswahl 2012 erholt, kommt in aktuellen Umfragen aber nur auf drei bis fünf Prozent. Auch für die Grünen könnte es eng werden. Und selbst die AfD, die sich noch im vergangenen Jahr an zweistelligen Umfragewerten erfreute, sank in Umfragen zuletzt zunehmend in die Nähe der Fünf-Prozent-Hürde.

Insgesamt haben im Saarland 16 Parteien und Wählergruppen 370 Kandidaten ins Rennen um die 51 Abgeordnetenplätze geschickt. Damit ist der saarländische Landtag der kleinste in Deutschland.

Zwei Landtagswahlen und die Bundestagswahl folgen

Die Saarland-Wahl wird trotz der geringen Zahl von Wahlberechtigten auch in Berlin aufmerksam registriert. Schließlich ist sie der erste politische Stimmungstest des Wahljahres. Dieses setzt sich am 7. und 14. Mai mit den Wahlen in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen fort und findet seinen Höhepunkt dann in der Bundestagswahl am 24. September.

Alle Infos zur Landtagswahl 2017 im Saarland
Das Saarland hat gewählt: Die CDU ist trotz aller Umfragen die mit Abstand stärkste Partei im Land geworden. Das Saarland wird aller Voraussicht nach auch die kommenden fünf Jahre von einer Großen Koalition aus CDU und SPD regiert. Alle Ergebnisse und Informationen zur Landtagswahl gibt es hier.

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