Schlagabtausch beim politischen Aschermittwoch: Anke Rehlinger (SPD) und Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Heringe und markige Worte bei SPD und CDU

  01.03.2017 | 21:29 Uhr

Bei ihren traditionellen Aschermittwochstreffen haben sich CDU und SPD auf die heiße Phase des Landtagswahlkampfs eingestimmt. Beide wetterten gegeneinander und gegen gemeinsame politische Gegner. Bei beiden Parteien hatten sich auch Gäste aus der Bundespolitik angekündigt.

Die saarländische CDU hatte nach Schwalbach geladen. Rund 1000 Anhänger waren der Einladung gefolgt. Hauptrednerin des Abends war die Ministerpräsidentin und CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl, Annegret Kramp-Karrenbauer. "Wir haben in diesem Land konsolidiert, gespart", rief sie den Gästen zu. Bei den Bund-Länder-Verhandlungen zur Neuordnung des Finanzausgleichs habe man für das Saarland "klug verhandelt". Nun gehe es darum, Kurs zu halten. Kramp-Karrenbauer warb deshalb für eine Fortführung der Großen Koalition nach der Landtagswahl am 26. März.

Politscher Aschermittwoch bei CDU & SPD

An kritischen Worten kam die SPD am Mittwochabend aber trotzdem nicht vorbei. Im Gegensatz zu den Sozialdemokraten stehe die CDU "zu dem, was wir in den fünf Jahren verantwortet haben", betonte Kramp-Karrenbauer. Die SPD hingegen übe plötzlich Kritik an der Hochschulfinanzierung und der Bildungspolitik, kaum dass die Wahl vor der Tür stehe. Sein Fett weg bekam auch Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine: Anders als der Papst glaube Lafontaine wirklich, er sei unfehlbar, so Kramp-Karrenbauer.

Schwarzer Appell an die Roten

Gastredner bei der Saar-CDU war Chef des Bundeskanzleramts, Peter Altmaier. Auch er warb für eine Weiterführung von Schwarz-Rot im Saarland: "Ich weiß, dass viele Sozialdemokraten im Land genauso denken wie wir: Dass es fünf gute Jahre waren", sagte Altmaier. "Wenn ihr wollt, dass die Große Koalition erneut regiert, dann wählt beherzt die CDU", appellierte er in Richtung des SPD-Lagers.

Ein Gespräch mit Michael Thieser über den politischen Aschermittwoch im Saarland
Audio [SR 2, 02.03.2017, Länge: 5:13 Min.]
Ein Gespräch mit Michael Thieser über den politischen Aschermittwoch im Saarland

Außerdem nahm sich Altmaier AfD und Linkspartei vor. Wenn er sich Vertreter beider Parteien anschaue, "im Saarland genauso wie in Berlin, dann habe ich manchmal den Eindruck, dass diese Vertreter nicht die Sorgen der Menschen lösen wollen, sondern dass sie die Sorgen der Menschen missbrauchen für ihre eigenen parteipolitischen Zwecke", rief Altmaier den Gästen zu. "Das finde ich unanständig, und das müssen wir in diesem Wahlkampf klar und deutlich benennen."

Maas erzählt vom "großartigen" Schulz

Zeitgleich zur CDU kamen SPD-Anhänger in der Niedtalhalle in Siersburg zusammen. Neben der Landtags-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger hielt dort der SPD-Landeschef und Bundesjustizminister Heiko Maas seine Aschermittwochsrede. Er ließ die Zuhörer wissen, wie "großartig" er den Kanzlerkandidaten Martin Schulz findet. "Ich finde es großartig, dass sich viele Menschen die Frage stellen, wie stark wird die SPD bei der Bundestagswahl wirklich?", sagte Maas.

SR 3 - Politischer Aschermittwoch bei CDU und SPD
Audio [SR 3, 02.03.2017, Länge: 3:06 Min.]
SR 3 - Politischer Aschermittwoch bei CDU und SPD

In der Landespolitik beschäftigte er sich mit Grünen-Spitzenkandidat Hubert Ulrich, der unlängst auch eine Wiederauflage einer Regierungskoalition aus CDU, Grünen und FDP im Saarland nicht ausschloss. Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer hatte die Koalition Anfang 2012 wegen desaströser Zustände in der FDP platzen lassen. "Ich kenne niemanden im Saarland, der sich ernsthaft eine Neuauflage dieser Chaos-Kombo im Saarland zurückwünscht!", rief Maas. Auf so eine Idee müsse man erst einmal kommen.

Rehlinger wollte den Aschermittwoch dazu nutzen, um solche Themen aufzugreifen, "wo wir die besseren Ansätze haben, auch im Vergleich mit der Union", sagte sie. Sie zählte dabei die Themen Ausbau der Ganztagsbetreuung, Kita-Ausbau und kostenfreie Kitas auf. "Wir wollen diese Landtagswahl gewinnen, wir spielen nicht auf Platz, wir spielen auf Sieg", betonte sie in ihrer Rede.

Politischer Aschermittwoch bei den Oppositionsparteien
Audio [SR 3, 02.03.2017, Länge: 2:59 Min.]
Politischer Aschermittwoch bei den Oppositionsparteien

Auf eine Koalition wollte sie sich weiter nicht festlegen. "Am 26. März werden im Saarland Parteien gewählt, keine Koalitionen", sagte sie. Sie habe noch nie so viel positive Grundstimmung und Aufbruchstimmung in der Partei erlebt wie jetzt. Seit Jahresbeginn seien rund 220 Menschen neu in die Partei eingetreten – 2016 waren es insgesamt etwa 340 gewesen. Natürlich spiele auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bei dem Aufwind eine Rolle, sagte Rehlinger. Einen Gegner nahmen die Sozialdemokraten in Siersburg besonders ins Visier: die AfD. Auf den Tischen in der Halle hatten die Sozialdemokraten Postkarten verteilt: "Rote Karte für die AfD" war auf den Karten zu lesen.

Streitreden mit Tradition

Jedes Jahr am Aschermittwoch rechnen die Parteien in Deutschland mit ihren politischen Gegnern ab. Die Wurzeln dieser Tradition liegen im niederbayerischen Vilshofen: Im 16. Jahrhundert feilschten Bauern auf dem Hornvieh- und Rossmarkt um Preise und redeten über Gott und die Welt. Ab dem 19. Jahrhundert nahmen sie die königlich-bayerische Politik aufs Korn. 1919 rief der Bauernbund erstmals zur Kundgebung auf und begründete damit den politischen Aschermittwoch. Nach einer Pause in der NS-Zeit nahm die Bayernpartei den Brauch 1948 wieder auf.

Über dieses Thema wurde am 1. März auch in den SR-Hörfunknachrichten berichtet.

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