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Das schreiben Zeitungen der Großregion zum Wahlausgang

  25.09.2017 | 03:03 Uhr

Herbe Verluste für Union und SPD, ein Jamaika-Bündnis als quasi einzig realistische Regierungsoption und die AfD dritte Kraft: Es gibt viel zu bereden nach der Bundestagswahl vom Sonntag. So haben Zeitungen der Großregion den Wahlausgang bewertet.

"Nach Jahrzehnten der politischen Stabilität in Deutschland wird die Regierungsbildung nun zum ersten Mal außerordentlich schwierig", findet die Saarbrücker Zeitung. "Gut, dass die SPD so schnell entschieden hat, in die Opposition zu gehen. Das war auch eine Frage der Selbstachtung, denn es gibt eine andere Mehrheit – die Viererkoalition zwischen CSU, CDU, Grünen und FDP. Das ist eine enorme politische Spannweite.

Ein solches Bündnis, erstmals im Saarland ausprobiert, wird eine höchst wackelige Angelegenheit. Und es besteht die große Gefahr, dass wichtige Zukunftsthemen von ihm ausgeklammert werden, um den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden. Und doch muss dieser Weg wenigstens versucht werden."

"Eine schwere Hypothek"

Die Rheinpfalz aus Ludwigshafen blickt auf die bevorstehenden Herausforderungen für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): "Ihre vierte Kanzlerschaft wird für Angela Merkel die schwierigste werden. Sie muss eine Jamaika-Koalition zu Wege bringen, sonst drohen Neuwahlen. Und sie wird ab morgen mit beständigen Fragen nach ihrer eigenen Zukunft konfrontiert werden: Wie lange bleibt sie noch CDU-Parteivorsitzende und hält sie die ganze Legislaturperiode durch als Kanzlerin? Über acht Prozent Verlust für die Union sind eine schwere Hypothek", heißt es in der Zeitung.

Und weiter: "Andererseits: Merkel hat die Flüchtlingskrise und alle brutalen Anfeindungen deswegen überstanden. Immer noch will eine klare Mehrheit der Deutschen sie als Kanzlerin in so unruhig gewordener Welt."

"Gefahr für die Demokratie?"

Der Trierische Volksfreund geht dem Erstarken der AfD auf den Grund. "Diese Anti-Stimmung, gegen die Groko, gegen Merkel, gegen Schulz, nutzte die AfD fulminant aus. Sie ist größte der kleinen Parteien, zieht mit mehr als 13 Prozent in den Bundestag ein", heißt es dort und der Autor stellt die Frage: "Ist das eine Gefahr für unsere Demokratie?"

Seine Antwort: "Vor allem ist es ein Zeichen, dass der Wahlkampf mit Provokationen, mit Schmähungen, mit der Konzentration auf das Thema Flüchtlinge und Innere Sicherheit erfolgreich war. Die Alternative für Deutschland zog Protestwähler an, sie brachte aber zudem zahlreiche Wähler zurück an die Urne. Die AfD hat Konservativen ein Angebot gemacht. Ob sie wirklich eine Alternative wird? Das werden die AfD-Vertreter im Bundestag beweisen müssen."

Ein Land im Schockzustand

Der Républicain Lorraine aus dem benachbarten Lothringen befasst sich ebenfalls mit dem Einzug der AfD in den Bundestag. Der Wahlsieg der CDU "wird überschattet vom Resultat der Alternativen für Deutschland, einer Anti-Zuwanderungspartei, die laut Umfragen mit rund 13 Prozent drittstärkste Kraft wird und das Land in Schock versetzt", heißt es dort.

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