Vorläufiges Wahlergebnis der Bundestagswahl 2017 (Foto: Bundeswahlleiter)

Union trotz Verlusten vorne, AfD stark

  25.09.2017 | 06:07 Uhr

Die Union ist stärkste Kraft bei der Bundestagswahl geworden, muss allerdings herbe Verluste einstecken. Dahinter folgt die SPD, ebenfalls mit vergleichsweise miserablem Ergebnis, wie das vorläufige amtliche Endergebnis ergab. Die Alternative für Deutschland bekam die drittmeisten Stimmen, auch FDP, Grüne und Linke ziehen ins Parlament ein. Das neue Parlament wird so groß wie nie zuvor.

Die Union um Kanzlerin Angela Merkel ist zwar Wahlsieger - hat aber im Vergleich zur Wahl 2013 ordentlich verloren. Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis haben 32,9 Prozent der Wähler ihre Stimme an CDU oder CSU gegeben (2013: 41,5 Prozent). Bundeskanzlerin und Unionsspitzenkandidatin Angela Merkel reagierte zurückhaltend auf die Stimmenverluste. Man habe zwar auf ein besseres Ergebnis gehofft, aber dennoch den Auftrag, eine Regierung zu bilden.

SPD will in die Opposition

Die SPD verliert ebenfalls deutlich und rutscht auf 20,5 Prozent - das ist das schlechteste Ergebnis der Partei nach dem Zweiten Weltkrieg (2013: 25,7 Prozent). Die Partei konnte also die anfängliche Hochstimmung nach der Kür von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten nicht bis zum Wahltag halten. Der Parteivorstand will wegen des Ergebnisses Konsequenzen ziehen: Martin Schulz sagte in der Berliner Parteizentrale, er werde die Sozialdemokraten in die Opposition führen.

Auf den Wahlpartys von Union und SPD sah man nach Bekanntgabe der Zahlen einige lange Gesichter, bei der Alternative für Deutschland dagegen Jubel: Die Auszählungen sehen die AfD bei 12,6 Prozent, damit zöge die Partei gleich als drittstärkste Kraft in den Bundestag ein, nachdem sie vor vier Jahren noch an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war (2013: 4,7 Prozent). Spitzenkandidat Alexander Gauland kündigte starken Druck an. Er sagte, die künftige Bundesregierung müsse sich "warm anziehen".

FDP gewinnt stark, Grüne und Linke leicht

Auch die FDP hat mit ihrer auf Spitzenkandidat Christian Lindner ausgerichteten Kampagne offenbar ihre Wähler mobilisieren können. 10,7 Prozent der Wähler stimmten für die Liberalen - die FDP ist also mit einem zweistelligen Ergebnis zurück im Parlament (2013: 4,8 Prozent). Die Freien Demokraten bezeichneten sich wegen des starken Comebacks selbst als "Wahlgewinner". Lindner sagte, die vergangene Legislaturperiode solle "die letzte ohne liberale Stimme im Bundestag" gewesen sein.

Grüne und Linke sind ebenfalls im kommenden Bundestag vertreten: Beide Parteien landeten im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 leicht im Plus, bei 8,9 (Grüne) und 9,2 Prozent (Linke) (2013: Grüne 8,4 Prozent / Linke 8,6 Prozent).

Die Linke hätte sich nach Ansicht von Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht im Wahlkampf mehr der Flüchtlingsthematik widmen müssen. Man habe "dort auch vielleicht bestimmte Probleme ausgeklammert, in der Sorge, dass man damit Ressentiments schürt", sagte Wagenknecht in Berlin.

Warten aufs Endergebnis

Das vorläufige Ergebnis des Bundeswahlleiters ließ bis zum Montagmorgen auf sich warten. 709 Abgeordnete werden dem neuen Bundestag angehören. Das ist der größte Bundestag in der Geschichte der Bundesrepublik. Zuletzt waren es 631 Abgeordnete gewesen.

Die Zahl der Abgeordneten erhöht sich durch Überhang- und Ausgleichsmandate. Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei in einem Bundesland mehr Direktmandate erringt als ihr nach ihrem Zweitstimmen-Anteil eigentlich zustehen. Diese ungleiche Chancenverteilung wird durch Ausgleichsmandate kompensiert.

Welche Koalitionen sind möglich?

Den Zahlen zufolge könnten Union und SPD die Große Koalition auf Bundesebene fortsetzen - wenn die Parteiführung der Sozialdemokraten dem nicht bereits eine Absage erteilt hätte. Die Union könnte außerdem mit FDP und Grünen eine so genannte Jamaika-Koalition bilden.

Vor der Wahl hatte sich keine Partei konkret zu möglichen Regierungsbündnissen geäußert. Grünen-Bundeschef Cem Özdemir sagte am Sonntagabend in Berlin, man werde nicht "regieren um des Regierens Willen". Es komme in eventuellen Koalitionsverhandlungen auf Inhalte an.

Höhere Wahlbeteiligung

Zur Bundestagswahl waren insgesamt rund 61,5 Millionen Bundesbürger aufgerufen, darunter etwa 800.000 Saarländer. Die Wahlbeteiligung liegt laut infratest dimap bundesweit deutlich höher als vor vier Jahren: Etwa 75,9 Prozent der Wahlberechtigten gaben demnach ihre Stimme ab (2013: 71,5 Prozent). Im Saarland waren es laut Landeswahlleitung 76,6 Prozent.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten des SR vom 24.09.2017 berichtet.

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