Die Bundestagswahl 2017 in den sozialen Medien (Screenshot) (Foto: SR)

Soziale Medien können Wahlen entscheiden

Niklas Folz   18.08.2017 | 14:13 Uhr

Soziale Medien gewinnen einen immer größeren Einfluss auf die Politik. Bei den vergangenen Wahlen in den USA und in Frankreich waren Facebook und Co. so präsent wie nie zuvor. Auch bei der anstehenden Bundestagswahl könnten soziale Medien „wahlentscheidend sein“, wenn es knapp wird, meint Netzjournalist Markus Beckedahl.

Markus Beckedahl im Sommerinterview 2017 (Foto: Pasquale D'Angiolillo/SR)
Markus Beckedahl im Sommerinterview 2017

Eigentlich sei die Situation der sozialen Medien im Wahlkampf absurd, sagt Markus Beckedahl. „Viele Parteien, die die ganze Zeit gegen Facebook wettern, stecken einen Großteil ihres Werbebudgets in Facebook rein“, erklärt der Chefredakteur von Netzpolitik.org im Sommerinterview mit dem SR. Wegzudenken scheint diese Art von Wahlkampf allerdings nicht mehr zu sein. Für sogenanntes „Mikrotargeting“, also „zielgruppengenaue Werbung“, seien die sozialen Medien schlicht „die besten Möglichkeiten“.

Mit Mikrotargeting zum Erfolg

Mit verstärktem Mikrotargeting startet für Beckedahl die heiße Phase des Wahlkampfs. Dank der sozialen Medien könnten so in den letzten drei Wochen vor der Wahl einzelne Zielgruppen, z.B. alleinerziehende Mütter zwischen 30 und 50 Jahren aus dem Saarland, online direkt angesprochen werden. „Aus Wahlkämpfen der letzten ein, zwei Jahre wissen wir, dass das eine große Auswirkung haben kann“, sagt Beckedahl. Auch hier in Deutschland setzten die Parteien ihre Wahlkampfbudgets stark in Richtung Mikrotargeting, ist er sich sicher.

Wahlentscheidung online?

Die Bundestagswahl sei der erste deutsche Wahlkampf, in dem die Parteien sehr professionell mit sozialen Medien umgingen, stellt Beckedahl fest. Frühere Experimentierphasen mit „den neuen Werkzeugen“ seien abgeschlossen. Dennoch denkt der Netzaktivist nicht, dass soziale Medien die Wahl alleine entscheiden können.

„Dafür ist der Durchschnitt der Wähler zu alt“, meint Beckedahl. Aber: In den Wahlkreisen, wo die Ergebnisse knapper ausfallen oder auch bei dem Kampf um Platz drei, könnten soziale Medien schon bei dieser Wahl eine massive Rolle spielen. Wie sich die Auswirkungen der Online-Strategien entwickeln, werde eine der spannendsten Fragen im Wahljahr sein.

SR-Sommerinterview
"Digitale Bildung fällt nicht vom Himmel"
Online-Wahlkampf, Netzpolitik und Regulierung im Internet - für das letzte SR Sommerinterview haben Yvonne Schleinhege und Michael Schneider den Chefredakteur von Netzpolitik.org, Markus Beckedahl, aus Berlin eingeladen. Was als kleiner Blog eines Netzaktivisten begann, ist heute einer der bekanntesten deutschsprachigen Blogs und wurde vor drei Jahren mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 18.08.2017 berichtet.

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