Universität des Saarlandes (Foto: privat)

Massiver Sanierungsstau an der Saar-Uni

  08.12.2016 | 06:30 Uhr

Teile des Saarbrücker Uni-Campus befinden sich in einem verheerenden Zustand. Es schimmelt und bröckelt, modert und verrottet. Betroffen sind vor allem die Gebäude der Geisteswissenschaften. Insgesamt schätzt die Uni den Sanierungsstau inzwischen auf rund 400 Millionen Euro.

Nicht überall auf dem Campus sehen die Gebäude wie Bauruinen aus. Noch bevor der Besucher den eigentlichen Campus vom Meerwiesertalweg aus betritt, wird er von zahlreichen modernen Bauten wie Starterzentrum und Science Park in Empfang genommen. Auch bei den technisch-modernen Fachbereichen im Bereich des Stuhlsatzenhausweges gibt es viele moderne Gebäude, die zum großen Teil erst in den vergangenen Jahren entstanden sind. Hier liegt einer der Schwerpunkte der Universität.

Aber dazwischen ragt auch viel maroder Beton gen Himmel. In die Jahre gekommene Bauten, die schon vor knapp 20 Jahren nicht mehr State of the Art waren und schon damals unter der Alterslast ächzten. Die Philosophische Fakultät ist ein Paradebeispiel für den verheerenden Zustand der Uni. Es bröckelt – innen wie außen. Studenten der Geisteswissenschaften und Akademiker von morgen lernen zwischen Schimmel und Baufälligkeit. An manchen Stellen genügt ein Blick an die Decke, um schnell das Weite zu suchen. Die Gebäude wieder auf Vordermann zu bringen, wird teuer: Die Uni schätzt den Sanierungsstau auf rund 400 Millionen Euro.

Zurzeit keine Sanierung im Gange

Zurzeit sind aber keine großen Bau- oder Sanierungsarbeiten im Gange. Auf der Dringlichkeitsliste ganz oben stehen nach Angaben der Uni ein neues Rechenzentrum sowie die Sanierung des Gebäudes C52, wo große Teile der Philosophischen Fakultät beheimatet sind. Auch dort gebe es aber noch keine konkreten Planungen. Im Landesbauhaushalt 2016/17 seien bereits die Planungskosten für große Sanierungsarbeiten am Gebäude der Chemie und am Gebäude der Physik eingestellt. Die Umsetzung werde aber sicherlich bis nach 2020 dauern.

Video [aktueller bericht, 08.12.2016, Länge: 3:27 Min.]
Sanierungsnotstand an der Saar-Uni

Gelder werden nicht vollständig abgerufen

Hinzu kommt, dass auch geplante Baumaßnahmen nicht so schnell voranschreiten, wie gewünscht. Die vom Land bereitgestellten Gelder wurden in den vergangenen Jahren nie vollständig abgerufen. Grund sind nach Angaben der Uni die komplizierten Strukturen der Beteiligten untereinander. Auch das Land bestätigte dem SR, dass die Gelder nicht vollständig ausgeschöpft wurden. Die Gründe dafür seien unterschiedlich. So gebe es eine Vielzahl von Unwägbarkeiten, die den Eingang von Rechnungen in der erwarteten Höhe verhindern und zu Verzögerungen führen würden. Es handele sich dabei vor allem um terminliche Verzögerungen in der Planungs-, Ausschreibungs- oder Umsetzungsphase. Auch Insolvenzen von Bauunternehmen, Unterbrechungen wegen Schlechtwetter oder Stillstand nach Streitigkeiten bzgl. Nachträgen oder Nachbesserungen gehörten dazu.

Nicht abgerufene Gelder in Mio.€
Jahr bereitgestellt abgerufen nicht abgerufen
2011 23,57 16,39 7,18
2012 28,23 16,55 11,68
2013 25,00 14,21 10,79
2014 25,25 22,76 2,49
2015 28,02 19,30 8,72

Die von der Saar-Uni nicht abgerufenen Baumittel stehen der Hochschule nach Angaben des Finanzministeriums aber weiter zur Verfügung. Die Gelder seien in ein Sondervermögen überführt worden. Im Haushaltsplan ist ein Teil der Mittel im Sondervermögen "Zukunftsinitiative" aufgelistet (rund 13,9 Millionen Euro). 20,21 Millionen Euro sind unter anderem für kleine Um- und Erweiterungsbauten veranschlagt. Nebenkosten zu großen Baumaßnahmen werden über mehrere weitere Haushaltstitel abgerechnet. Das Ministerium betonte, die Gelder seien "überjährig verfügbar". Sie seien "strikt zweckgebunden".

Uni will eigene Bauverwaltung

Dass die Gelder weiter verfügbar sind, heißt aber nicht, dass sie auch zügig verbaut werden können. Denn das Problem, dass zu viele Stellen involviert sind, besteht weiterhin. Die Saar-Uni wünscht sich daher eine eigene Bauverwaltung. Dann könnte schneller entschieden werden. Die einzelnen Verfahren ließen sich besser aufeinander abstimmen. Auch die Kultusministerkonferenz wirbt für die Übertragung der Bauherreneigenschaft auf die Hochschulen. Beispiele zeigten, dass das zu schlankeren Strukturen und Abläufen führe. Entschieden ist aber noch nichts. Die Studenten werden deshalb wohl noch länger in maroden Gebäuden unterrichtet.

Über dieses Thema haben auch die Nachrichten auf SR 3 Saarlandwelle am 08.12.2016 berichtet.

Dossiers
SR-Thementag: Uni in Not
"Uni in Not" ist der Titel des multimedialen Thementages in den Programmen des Saarländischen Rundfunks. Hier gibt es die Texte, Audios und Videos noch einmal zum Nachlesen -hören und -sehen.

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