Pressekonferenz Max-Ophüls-Filmpreis (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Auffallend viele Frauenfiguren bei Ophüls 2017

Katrin König   11.01.2017 | 14:22 Uhr

Gesellschaftlich und politisch relevante Themen, aber auch der Umgang mit familiären Konflikten und vor allem viele differenziert erzählte Frauenfiguren sind Schwerpunkte des Festivaljahrgangs 2017. Auf der Pressekonferenz des 38. Filmfestivals Max Ophüls Preis stellten Svenja Böttger und Oliver Baumgarten nicht nur die nominierten Nachwuchsschauspieler vor, sondern präsentierten auch innovative Formate und den neuen Festivalclub „Lolas Bistro“.

Geschäftsführer Thomas Brück, Festivalleiterin Svenja Böttger und Programmkurator Oliver Baumgarten leiteten die Pressekonferenz der 38. Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis im Saarbrücker E-Werk. „Alle wesentlichen Sponsoren aus den Vorjahren“ habe man auch für dieses Jahr wieder gewinnen können. Das sei ein großer Vertrauensbeweis in die neue Festivalleitung und man bedanke sich bei den Unterstützern, ließ Brück wissen. Außerdem hätten sowohl der Bund als auch das Land ihr finanzielles Engagement für das Festival auf jeweils 50.000 Euro erhöht. Insgesamt rechnet Brück mit einem ähnlichen Gesamtbudget wie im Vorjahr (eine Million Euro). Alleine in die Preisgelder flössen in diesem Jahr 111.500 Euro.

Video [aktueller bericht, 11.01.2017, Länge: 3:30 Min.]
Max-Ophüls-Team stellt das diesjährige Programm vor
Starke Frauenfiguren, familiäre Konflikte, Flucht und Migration und die Suche nach der eigenen Identität sind die Hauptthemen des diesjährigen Filmfestivals Max Ophüls Preis. Was die Besucher außerdem noch erwartet, präsentierte die Festivalleitung bei der Pressekonferenz.

Flucht und Migration

Im Anschluss an Brücks einleitende Worte stellten Böttger und Baumgarten die Schwerpunkte des Festivals vor und nannten dabei vor allem vier Themengebiete. Das Finden, Ausleben und der Umgang mit der eigenen Freiheit, alternative Lebensweisen und die Suche nach dem Platz in der Gesellschaft spielten in den Filmen „Die Liebhaberin“, „Rakete Perelman“,  „Gaza Surf Club“ und „Einmal bitte alles“ eine Rollle. In „Er sie ich“, Der Körper der Astronauten“ und „Bilder vom Flo“ würden vor allem Konflikte und Kommunikationsprobleme innerhalb von Familien thematisiert.

Pressekonferenz zum Filmfestival Max Ophüls Preis 2017

Mit Flucht und Migration beschäftigten sich unter anderem “Als Paul über das Meer kam“ und „Club Europa“. „Dieser Themenkomplex war schon im vergangenen Jahr eines der zentralen Themen des Festivals“, erklärte Baumgarten. Der Blickwinkel habe sich allerdings verändert: Während die Filme 2016 vor allem aus der Perspektive der Geflüchteten erzählt hätten, erzählten sie meist nun aus der Sicht derer, die sich sozial für sie engagieren. „Sie stellen die Fragen: Wie ernst nimmt man sein soziales Engagement und wie weit geht es, wenn man vor Probleme gestellt wird“, so der Programmkurator. Er freue sich, dass das Thema mittlerweile nicht nur im Dokumentarfilm behandelt werde, sondern auch im Spielfilm angekommen sei.

Frauen an die Macht

Auffallend sind laut Baumgarten in diesem Jahrgang außerdem die vielen „sehr differenziert erzählten“ Frauenfiguren (unter anderem "Königin von Niendorf", "Vanatoare"), die sich im Leben durchsetzen und bestehen. „Wir müssen uns von den harten Jungs verabschieden. Ich glaube, die Zeit ist vorbei“, resümierte er schmunzelnd. Elf von 16 Spielfilmen haben eine oder mehrere weibliche Hauptfiguren, bei 17 von 28 Spiel- und Dokumentarfilmen haben Frauen Regie geführt. „Damit haben wir eine Frauenquote von 60 Prozent in den Langfilmen, was in dieser Häufung eine Seltenheit ist“, erklärte er abschließend.

Rund um Ophüls 2017
Vom 23. bis zum 29. Januar 2017 findet die 38. Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis statt. Die konkurrierenden Wettbewerbsfilme stehen fest, die Festivalmacher in den Startlöchern. Vor, während und nach dem Festival halten wir Sie hier auf dem Laufenden.

Auch in den unterschiedlichen Jurys haben Frauen in diesem Jahr wieder ihren festen Platz. Unter anderem die Schauspielerinnen Anna Thalbach (Kurzfilm und mittellanger Film) und Andrea Sawatzki (Spielfilm) sowie die Filmeditorin Karina Ressler (Spielfilm) werden die Preise in den verschiedenen Kategorien vergeben. Dazu gehören auch die Auszeichnungen der besten Nachwuchsdarsteller und –darstellerinnen. Die Jury hat dabei die Wahl zwischen Gordon Kämmerer, Leonard Kunz, Dennis Mojen und Sammy Scheuritzel auf der männlichen Seite. Als beste Nachwuchsdarstellerinnen sind Liliane Amuat, Zita Aretz, Luise Heyer und Elisabeth Wabitsch nominiert.

Lolas Bistro im Kaufhaus

Böttger stellte außerdem die neuen Räumlichkeiten für „Lolas Bistro“ vor: „Mit dem ehemaligen C&A-Gebäude in der Saarbrücker Innenstadt haben wir eine unglaublich spannende Kulisse gefunden, die viel Platz und Raum für einen Festivalclub bietet.“ Bei der Suche sei ihr vor allem die Barrierearmut wichtig gewesen. „Jetzt müssen wir herausfinden: Wie funktioniert ein Festivalclub in einem alten Kaufhaus?“, fragte Böttger augenzwinkernd.

Insgesamt werden während der 38. Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis 155 Filme über Saarbrücker Kinoleinwände flimmern. Den Auftakt macht am 23. Januar die Produktion „Die Nacht der 1000 Stunden“. Das Festival geht vom 23. bis zum 29. Januar 2017.

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