Gewinner des Max Ophüls Preis 2018 (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Lisa Miller gewinnt Max Ophüls Preis für "Landrauschen"

  27.01.2018 | 22:00 Uhr

Lisa Miller hat den mit 36.000 Euro dotierten Max Ophüls Preis für ihren Debütfilm "Landrauschen" gewonnen. Auch der Fritz-Raff-Drehbuchpreis und der Preis der Ökumenischen Jury gingen an "Landrauschen". Das Publikum vergab seine Stimme an "Cops" von Stefan A. Lukacs.

Mit großer Energie und Tiefe, Mut zum Risiko und sehr viel Liebe zu den Figuren führe "Landrauschen" in eine Welt, "in der wir uns erst einmal genauso zurecht finden müssen wie die Hauptfigur", so die Begründung der Jury. "Landrauschen" erzählt die Geschichte von "Toni", die mitten in einer Selbstfindungsphase ist und von Berlin aufs platte Land gezogen ist. Als sie der lebensfrohen Rosa begegnet, scheint alles noch chaotischer zu werden.

Die Herzen sind vergeben
Video [SR.de, (c) Pasquale D'Angiolillo, Felicitas Fehrer, Lena Meerkötter, 28.01.2018, Länge: 04:00 Min.]
Die Herzen sind vergeben

Auch der Fritz-Raff-Drehbuchpreis ging an "Landrauschen". Als beste Nachwuchsdarstellerinnen wurden Loane Balthasar für ihre Rolle in "Sarah spielt einen Werwolf" und Anna Suk für die Figur in "Cops" ausgezeichnet. Der Publikumspreis für den besten Langfilm ging ebenfalls an "Cops".

Die Gewinner des Abends


Die Preisträger im Überblick


Landrauschen (Foto: Landrauschen-Film)

Landrauschen: "Dekonstruktion des Heimatfilms"
Video [SR.de, (c) SR, 24.01.2018, Länge: 04:51 Min.]
Landrauschen: "Dekonstruktion des Heimatfilms"

Max Ophüls Preis 2018: "Landrauschen"
Regie: Lisa Miller
Deutschland, 2018
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Begründung der Jury: Mit großer Energie und Tiefe, Mut zum Risiko und sehr viel Liebe zu den Figuren führt uns dieser Film in eine Welt, in der wir uns erst einmal genauso zurecht finden müssen wie die Hauptfigur. Das herausragende Schauspielensemble, das größtenteils aus Laien besteht, wird mit einem präzisen Gefühl für Timing und Komik geführt und überzeugt uns mit außergewöhnlicher Authentizität. Die Freude der Macher beim Machen überträgt sich auf das Publikum und öffnet unsere Herzen. Ein Film, der uns mitlachen und mitleiden lässt, und dem wir viele, viele Zuschauer im Kino wünschen.


Landrauschen (Foto: Landrauschen-Film)

Fritz-Raff-Drehbuchpreis: "Landrauschen"
Regie: Lisa Miller
Deutschland, 2018
Zum Talk mit dem Team von "Landrauschen"

Begründung der Jury: Die Dialoge sind rasend komisch. Atemberaubend schlagfertig begegnet der Film alltäglicher Engstirnigkeit. Der kluge Humor ist gefährlich, aber nie verletzend. Wir tauchen ein in einen Figurenkosmos, in dem wir uns total wohl fühlen, obwohl die Geschichte schonungslos mit diesem Kosmos ins Gericht geht. Die Gesellschaft, die hier erzählt wird, ist klüger als die Leute, die sich als ihre Vertreter sehen. Am Beispiel der Provinz erzählt die Geschichte, dass der Wandel unserer Gesellschaft nichts ist, was kommt, sondern was schon lange da ist und wovor man sich nicht zu fürchten braucht. Demokratie ist nicht der eine Wille der Mehrheit, sondern ein Wille zur Vielfalt.


Blue My Mind (Foto: Telefilm)

Blue my mind: "Realistisch, aber dennoch sinnlich"
Video [SR.de, (c) SR, 24.01.2018, Länge: 03:41 Min.]
Blue my mind: "Realistisch, aber dennoch sinnlich"

Preis  der Saarländischen Ministerpräsidentin: "Blue my mind"
Regie: Lisa Brühlmann
Schweiz, 2017
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Begründung der Jury: Für eine Zeit im Umbruch, eine Zeit der Verwandlung findet die Regisseurin erstaunliche Bilder. Sie macht Emotionen körperlich spürbar und schaut dort hin, wo es unangenehm ist, wo es weh tut. Uns Zuschauer trifft sie damit genau in die Magengrube - und ins Herz. Wir sind nicht nur dabei, sondern, ob wir es wollen oder nicht, mittendrin.


Cops (Foto: Golden Girls Filmproduktion)

Publikumspreis Langfilm: "Cops"
Regie: Stefan A. Lukacs
Deutschland, 2017
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Zum Talk mit dem Team in der SR Lounge


Loane Balthasar (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Preis für den besten Schauspielnachwuchs in einer Hauptrolle: Loane Balthasar für ihre Rolle in "Sarah spielt einen Werwolf"
Regie: Katharina Wyss
Deutschland, Schweiz 2017
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Begründung der Jury: Die Schauspielerin entführt uns in die Welt eines einsamen, sehnsuchtsvollen Teenagers, der uns berührt, überfordert - manchmal verstört. Sie spielt ihre Figur mit großer Intensität und Radikalität, und es ist ihr dabei egal, ob das Publikum sie liebt oder hasst. Genau genommen spielt sie mehrere Rollen in diesem faszinierenden Film. Wenn sie auf der Theaterbühne steht, stockt uns der Atem. Denn dann verwandelt sich der zurückhaltende Teenager in explosive Figuren voller Leidenschaft, Abgrund und Schmerz, und wir werden atemlos Zeuge, wie sich die Ebenen zwischen Realität und Spiel mehr und mehr vermischen. Eine Gratwanderung, die die Schauspielerin mit großer Genauigkeit und ohne jeden Kitsch sensationell bewältigt.


Anna Suk (rechts) (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Preis für den besten Schauspielnachwuchs in einer Nebenrolle: Anna Suk für ihre Rolle in "Cops"
Regie: Stefan A. Lukacs
Deutschland, 2017
"Zum Talk mit dem Team von Cops"

Begründung der Jury: Um ihr emotional zu folgen, brauchen wir nur in ihre Augen zu schauen. Ohne falsche Dramatik und ohne im Spiel den emotionalen Zustand ihrer Figur zu kommentieren, hat eine junge Darstellerin mit beachtenswerter emotionaler Intelligenz und großer schauspielerischer Reife einer Nebenrolle wunderbare Präsenz verliehen. Durch ihre Spielentscheidungen bereichert sie den Film um eine wichtige und warme Farbe.


Cops (Foto: Golden Girls Filmproduktion)

Cops: "Mikrokosmos mit Potenzial"
Video [SR.de, (c) SR, 26.01.2018, Länge: 06:11 Min.]
Cops: "Mikrokosmos mit Potenzial"

Preis für den gesellschaftlich relevanten Film: "Cops"
Stefan A. Lukacs
Deutschland, 2017
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Begründung der Jury: Glaubhaft und nahezu physisch spürbar verschafft uns dieser Film Einblick in die hermetische Welt der Menschen, die in unserer Gesellschaft für Recht und Ordnung sorgen wollen. Mit großartig geführten Szenen und einer gekonnten Dramaturgie erzählt der Regisseur das Dilemma seines Protagonisten, der, getrieben von der Idee, das Gute zu tun, genau das Gegenteil erreicht. Dabei gelingt ihm der Balanceakt, vielschichtig zu bleiben. Mit großer Wucht entlarvt er die schiere Unmöglichkeit, immer das Richtige zu tun und unbefleckt zu bleiben in dem Beruf als Polizist. Gleichzeitig ringt er einem Respekt und echte Dankbarkeit für die Bereitschaft derjenigen ab, ohne die unsere Gesellschaft in ihrer jetzigen Form nicht bestehen könnte.


Draußen in meinem Kopf (Foto: Eibe Marleen Krebs Junafilm)

Draußen in meinem Kopf: "Wie eine Achterbahn"
Video [SR.de, (c) SR, 27.01.2018, Länge: 10:42 Min.]
Draußen in meinem Kopf: "Wie eine Achterbahn"

Preis der Jugendjury: "Draußen in meinem Kopf"
Regie: Eibe Maleen Krebs
Deutschland, 2018
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Begründung der Jury: Ein Film, der uns nicht nur berührt, sondern auch anhaltend beschäftigt. Die Protagonisten, die sich scheinbar deutlich voneinander unterscheiden, sind dennoch in ähnlichen Problemen gefangen und streben nach der freien Auslebung ihres Willens. Diese Differenzen, gepaart mit der thematisierten jugendlichen Orientierungslosigkeit, sind uns bekannt. Tief beeindruckt waren wir ebenfalls von dem intimen Zusammenspiel der beiden Darsteller und zollen hiermit unseren Respekt. In unseren Diskussionen sind wir wieder und wieder auf die zunächst introvertierten Charaktere zurückgekommen, die sich im Laufe der Handlung einander immer offener zeigen. Zusammen mit einem schlüssigen Farbkonzept und einer persönlichen, aber nicht aufdringlichen Kameraführung, erleben wir mit den beiden Protagonisten eine Geschichte des Wachstums – Wachstum einer Freundschaft, des Charakters, des Respekts und Vertrauens. Wir danken dem gesamten Filmteam für einen Film, der uns in vielerlei Hinsicht bewegt.


Landrauschen (Foto: Landrauschen-Film)

Landrauschen: "Dekonstruktion des Heimatfilms"
Video [SR.de, (c) SR, 24.01.2018, Länge: 04:51 Min.]
Landrauschen: "Dekonstruktion des Heimatfilms"

Preis der Ökumenischen Jury: "Landrauschen"
Regie: Lisa Miller
Deutschland, 2018
Zum Talk mit dem Team von "Landrauschen"

Begründung der Jury: Die Menschen sind verschieden. Anpassung ist nötig. „An Dich oder an mich?“ Ein dynamischer Rhythmus und viel Humor schaffen ein liebevolles Kaleidoskop aller nur möglichen Gegensätze, Stadt und Land, Mann und Frau, alt und jung, Tradition und Moderne, Einheimische und Fremde, Konvention und Mut, vielfältige Formen der Liebe – und all das in Bubenhausen! „Heimat ist da, wo Du Dich selbst findest“, sagt uns Lisa Miller in LANDRAUSCHEN.


Global Family (Foto: MADE IN GERMANY Filmproduktion)

Preis für den besten Dokumentarfilm: "Global family"
Regie: Andreas Köhler und Melanie Andernach
Deutschland, 2018

Begründung der Jury: Wenn ein Dokumentarfilm ein gesellschaftlich hochrelevantes Thema behandelt, das er über seine Protagonisten so entwickelt, dass den Zuschauern ein Ausbrechen aus einer Empathie unmöglich macht, dann ist den Filmemachern etwas gelungen, was man allgemeinhin von einem guten Spielfilm erwartet. In der erzählerischen Konzentration auf eine Familie entwickelt der Preisträger-Film eine ungewöhnliche Präsenz, die das Drama von Migration spürbar macht und uns gleichzeitig unsere eigenen Erfahrungen mit Familie spiegelt. Darüber hinaus konfrontiert der Film uns auf fesselnde Art mit dem Thema des Fremdseins auf doppelte Weise: wenn die Geflüchteten zu Fremden in der eigenen Heimat werden. Das Ausmaß der Veränderung der Welt wird unmittelbar konkret.


Germania (Foto: Dino Osmanovic)

"Germania" sorgt für kontroverse Diskussionen im Publikum
Video [SR.de, (c) SR, 23.01.2018, Länge: 06:12 Min.]
"Germania" sorgt für kontroverse Diskussionen im Publikum

Preis für die beste Filmmusik Dokumentarfilm: "Germania"
Regie: Lion Bischof
Musik: Matthias Lindermayr
Deutschland, 2018
Zum Talk mit Lion Bischof

Begründung der Jury: Die Musik beginnt mit einer leisen Dissonanz, die im Laufe des Films nach und nach eingelöst wird: Zischende, geräuschhafte Klänge aus angedeuteten Blechblasinstrumenten, die ein unbehagliches Gefühl auslösen. Eine Filmmusik, die statt einer bloßen Gefühlsbestätigung die Rolle eines Regiekommentars übernimmt und dem Zuschauer dennoch einen Interpretationsraum lässt. Die Musik greift die Thematik des Films auf und übersetzt sie originär in eine in sich geschlossene, konsequente, reduzierte Klangwelt.


Bester Mann (Foto: FunFairsFilms)

Bester Mann: "Perfide Freundschaft"
Video [SR.de, (c) SR, 25.01.2018, Länge: 05:55 Min.]
Bester Mann: "Perfide Freundschaft"

Bester mittellanger Film: "Bester Mann"
Regie: Florian Forsch
Deutschland, Österreich 2018
Zum Talk mit dem Team von "Bester Mann"

Begründung der Jury: Ein Junge auf der Suche nach Zugehörigkeit. Wenn er glaubt, einen Freund zu finden, ist uns schnell klar, dass dieser sein Bedürfnis nach Nähe ausnutzen wird, und wir schauen dabei zu, wie sich der Junge auf einen traumatischen Einschnitt in seinem Leben zubewegt. Diesen Weg erzählt der Film mit zwei unglaublich starken Darstellern, ambivalent, und mit einem Ende, das so mutig und kraftvoll ist, dass es den Zuschauer zur Auseinandersetzung zwingt.


Endling (Foto: Donndorffilm)

Publikumspreis für den besten mittellangen Film: "Endling"
Regie: Alex Schaad.
Deutschland 2018
Zum Talk mit dem Team von "Endling"


Sacrilge (Foto: Box Berguglia)

Preis für den besten Kurzfilm: "Sacrilège"
Regie: Christophe M. Saber
Schweiz, 2017

Begründung der Jury: Dieser Film zeichnet sich durch eine unglaublich pulsierende Energie aus. Seine Protagonisten tanzen geradezu durch das Bild, der Film mutet in Teilen fast an wie ein Musical, ohne dabei auch nur eine Spur ins offensichtlich Inszenierte zu verfallen. Saoud ist der König von Saint-Étienne. Um sich schneeweiße Sneakers zu kaufen, klaut er Geld aus der Moscheekasse. Anstatt in Klischees zu verfallen, erzählt der Film seine Geschichte lebensnah, mit Wucht, und mit überragender Schauspielführung.


entschuldigung ich suche (Foto: Filmakademie Wien)

Publikumspreis für den besten Kurzfilm: "Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin"
Regie: Bernhard Wenger.
Österreich, Deutschland, Schweden 2018
Zum Talk mit dem Team von "Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin"


Rund um Ophüls 2018
Die großen Abräumer der 39. Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis: "Landrauschen" und "Cops", die jeweils mit drei der begehrten Trophäen ausgezeichnet wurden. Alle Infos zum Festival gibt's hier.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 28.01.2017 berichtet.

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