Mario Adorf (Foto: picture alliance/dpa/Alexandra Wey)

Mario Adorf wird Ophüls-Ehrengast

  09.01.2018 | 11:49 Uhr

Der Schauspieler Mario Adorf wird Ehrengast des diesjährigen Filmfestivals Max Ophüls Preis. Vier seiner Filme werden im Laufe der Festival-Woche in den Kinos gezeigt. In einem Werkstattgespräch wird er außerdem Einblicke in sein Schaffen geben.

Ob als Bösewicht im ersten Teil von "Winnetou", als Oskar Matzeraths Vater in der "Blechtrommel" oder als schmieriger Provinzindustrieller in der kultigen Dietl-Serie "Kir Royal": "Mario Adorf schuf in seinen bislang über 200 Rollen nicht nur populäre, sondern ikonische Figuren, die bleiben. Mit seiner markanten Physis und unbändigen Spiellust wurde er zu einem der bedeutendsten Schauspieler des deutschen Nachkriegskinos und zum international gefeierten Star", so eine Begründung des Festivals, Mario Adorf zum diesjährigen Ehrengast zu ernennen.

Diese Filme werden in der Festivalwoche gezeigt

"Deadlock" (Regie: Roland Klick, BRD 1970)
"Der letzte Mentsch" (Regie: Pierre-Henry Salfati, D,F,CH 2014)
"Lola" (Regie: Rainer Werner Fassbender, BRD 1981)
"Nachts, wenn der Teufel kam" (Regie: Robert Siodmak, BRD 1957)

Im Anschluss an "Der letzte Mentsch" wird Adorf am Freitag, 26. Januar, um 19.30 Uhr für ein Werkstattgespräch zur Verfügung stehen.

Vita

Rund um Ophüls 2018
Die 39. Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis steht vor der Tür. Vom 22. bis zum 28. Januar dreht sich in Saarbrücken wieder alles um den deutschsprachigen Nachwuchsfilm. Alle Infos zum Festival gibt's hier.

Geboren 1930 in Zürich, aufgewachsen in der Eifel, wurde Adorf in eine harte und spannungsreiche Kindheit und Jugend geworfen. Nach dem Krieg lernte er Boxen und – an der Otto-Falckenberg-Schule in München – Schauspielen. Bereits mit seiner ersten großen Filmrolle gelang ihm der Durchbruch. In "Nachts, wenn der Teufel kam" (1957) spielte er einen psychopathischen Frauenmörder mit der ihm schon damals eigenen feinsinnigen und hintergründigen Vehemenz. Adorf erhielt für seine Rolle des "Bruno Lüdke" damals das Filmband in Gold für den besten Nachwuchsdarsteller. Im Laufe der Jahre folgten etliche weitere Preise für seine darstellerischen Leistungen wie beispielsweise der Bundesfilmpreis, Bambis, Goldene Kameras und das Große Verdienstkreuz.

Die Liste der renommierten Regisseure, mit denen Adorf zusammenarbeitete, ist lang: Sergio Corbucci und Dario Argento in Italien, Billy Wilder und Sam Peckinpah in den USA, Wolfgang Staudte, Rainer Werner Fassbinder, Volker Schlöndorff, Helmut Dietl oder auch Lola Randl in Deutschland. "Jede Geste, jeder Blick, jede Intonation, jede Pause und Pointe mussten sitzen wie die Handgriffe eines Trapezkünstlers", beschrieb Schlöndorff einmal Adorfs fast bildhauerisches Arbeiten an seinen Charakteren, denen man die Arbeit nie anmerkt, so aus dem Leben sind sie.

Das Böse in uns

Sein Image als Bösewicht betrachtet Adorf selbst nicht als Makel, sondern als eine menschliche Normalität. "Oft wird gesagt, dass das Böse unmenschlich ist", sagte er einmal. "Man macht es sich also einfach, indem man sagt: 'Das ist so negativ, das hat mit uns Menschen nichts zu tun, das grenzen wir aus', anstatt zu sagen: 'Das ist das Böse in uns allen.'", so Adorf.

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