Szene aus dem Spielfilm "Wann endlich küsst du mich" (Foto: Filmproduktion)

Wann endlich küsst du mich?

Eine Rezension von Anne Schubert   25.01.2017 | 20:00 Uhr

Doris ist Mitte 40 und froh, wenn ihre beiden Töchter endlich auf eigenen Beinen stehen. Doch dann wird sie ungeplant schwanger – und sie ist nicht die einzige in der Familie. Das Chaos ist perfekt. Ein kurzweiliger Film über Familie und den ganz normalen Wahnsinn, den man Leben nennt.

Bewertung: Zwei von drei Herzen

Wann endlich küsst du mich: Eigentlich ein Arbeitstitel
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Wann endlich küsst du mich: Eigentlich ein Arbeitstitel

Der ganz normale Familienwahnsinn könnte man meinen: Täglich ist Feuer unterm Dach von Familie Rosemeyer, wenn Mutter Doris (Olivia Grigolli) wieder versucht, über das Leben ihrer beiden Töchter zu bestimmen. Doch vom einen auf den anderen Tag gleiten der Mutter die Zügel aus der Hand. Statt von der Frauenärztin Medikamente für die vermeintlich anstehenden Wechseljahre verschrieben zu bekommen, erfährt sie, dass sie schwanger ist – mit Mitte 40. Das passt ihr so gar nicht in die Lebensplanung, wo sie sich doch schon auf die Zeit freut, wenn sie endlich keine Verantwortung mehr tragen muss.

Man kann sich seine Mutti eben nicht aussuchen.

Doch als wäre das nicht schon genug, halten ihre Töchter sie auch mächtig auf Trab. Denn nicht nur Doris wird ungeplant schwanger, sondern auch ihre 16-jährige Tochter Viola (Luise von Finckh) erwartet ein Kind. Sie ist davon überzeugt, dass sich ihre Pläne auch mit Kind umsetzen lassen. Währenddessen schlägt sich Tochter Mascha (Marie Rosa Tietjen) mit ihrer Masterarbeit rum und hat auch noch Liebeskummer, als sie sich von ihrem Freund trennt. Wie soll man bei dem ganzen Chaos noch die Nerven behalten?

Authentische Figuren

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Autorin und Regisseurin Julia Ziesche schafft es bei ihrem Debütfilm, unverfälscht zu zeigen, wie wechselhaft und spannungsvoll ein Mutter-Tochter-Verhältnis sein kann. Oft fehlt das Verständis für den jeweils anderen. Doch gerade die beiden ungeplanten Schwangerschaften zwingen die Frauen dazu, eine neue Perspektive für die Entscheidungen der anderen einzunehmen. Denn so unterschiedlich die Lebensentwürfe der drei Frauen auch sein mögen, sie sind immer noch eine Familie.

Auch wenn der Zuschauer manchmal das Gefühl hat, dass Ziesche nicht allen Figuren immer gerecht werden kann, so lebt der Film doch vor allem von den unterschiedlichen Rollenprofilen. Ziesche hat ganz ungleiche Figuren geschaffen, die aber in ihrer Art alle authentisch sind und von den Schauspielern überzeugend verkörpert werden.

Regie: Julia Ziesche
Deutschland 2016

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