Eine Szene aus dem Film "Einmal bitte alles" - Wettbewerbsfilm beim Max Ophüls Preis. (Foto: Pressefoto)

Einmal bitte alles

Eine Rezension von Carla Sommer   24.01.2017 | 20:00 Uhr

Isi ist ein klassisches "Kind der Generation Praktikum". Mit ihrem Diplom als Illustratorin in der einen und einem Drink in der anderen Hand, versucht sie, ihren Platz im Leben zu finden. "Einmal bitte alles" ist eine einfühlsame Geschichte über die Sorgen und Hoffnungen junger Menschen, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben und sich doch nur nach Geborgenheit und Sicherheit sehnen.

Bewertung: Zwei von drei Herzen

Isi ist 27, lebt in München zusammen mit ihrer besten Freundin Lotte und hat gerade ihren Abschluss als Illustratorin gemacht. Mit der Hoffnung auf eine Anstellung, absolviert sie ein Praktikum bei einer großen Verlagsgesellschaft. Anstelle des erhofften Karrieresprungbretts findet sie sich aber in der Rolle der kaffeekochenden Praktikantin wieder, die von ihrer Chefin gedemütigt wird.

"Ich mag, dass die Menschen vor 100 Jahren genau dieselben Probleme hatten wie wir auch jetzt: Dass man was gut kann, aber keine Chance bekommt."

Existenzkrise und Frustration

Während Isi von einem Unglück ins nächste schlittert, bekommen um sie herum so langsam alle ihr Leben auf die Reihe. Das stellt Isi mehr und mehr vor eine Existenzkrise. Als dann auch noch Lotte einen Job und einen neuen Freund findet und nur noch veganen Wein statt den vom Discounter trinkt, ist für Isi kein Platz mehr.

Frustriert zieht sie deshalb in die Chaos-WG des Ur-Münchners Klausi – grandios gespielt von Maxi Schaffroth – und des hypochondrischen Medizinstudenten Daniel. Dort, in all dem Chaos wird Isi bewusst, dass es Zeit wird, ihr Leben in geordnete Bahnen zu bringen.

Das Leben als Kunstwerk

Einmal bitte alles im Publikumscheck
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Einmal bitte alles im Publikumscheck

Regisseurin Helena Hufnagel stellt Isis chaotisches Leben wie ein Kunstwerk dar. Das gelingt vor allem durch tolle Kameraeinstellungen und stilistische Effekte. Einblicke in Isis komplexe Gefühlswelt erhält der Zuschauer durch eine Hörbuch-Erzählerstimme – gesprochen von Jessica Schwarz. Das gibt Isis zum Teil skurrilen Gefühlsausbrüchen den nötigen Ernst und zeigt sie als die starke, moderne Frau, die sie ist. Die Angst vorm Erwachsenwerden nimmt man Schauspielerin Luise Heyer sehr gut ab.

Die Stimmung in "Einmal bitte alles" wechselt sich ab zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Was dem Film fehlt, ist eine klar erkennbare Spannungskurve. Dennoch sehenswert, da lustig, traurig und über weite Strecken einfach empathisch schön.

Max Ophüls Preis 2017
Spielfilme im Wettbewerb
16 Produktionen konkurrieren bei der 38. Ausgabe des Max Ophüls Preises in der Kategorie "Spielfilm" miteinander. Bei dem Großteil der Werke, die sich hauptsächlich um gesellschaftliche und politische Themen drehen, haben Frauen Regie geführt.

Regie: Helena Hufnagel
Deutschland 2017

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