Foto: Pasquale D'Angiolillo

Vom kleinen Saarland raus ins große Filmgeschäft

Anne Schubert   19.05.2017 | 13:20 Uhr

Günter Rohrbach gilt als einer der wagemutigsten und einflussreichsten deutschen Film- und Fernsehproduzenten. Am Donnerstagabend war er im Rahmen der Frühjahrstagung der Historischen Kommission der ARD als Zeitzeuge auf dem Halberg eingeladen. Im Gespräch hat er Einblick in sein aufregendes Leben und in die Entwicklung des Films gegeben.

Für Günter Rohrbach war früh im Leben klar, dass er das Saarland verlassen muss. Direkt nach dem Abitur ging es für den gebürtigen Neunkircher für ein Studium nach Bonn. Die Entscheidung wegzuziehen habe auch viel mit der Sprache zu tun gehabt. "Ich fühlte mich in der saarländischen Sprache gefangen. Ich konnte eigentlich kein Hochdeutsch. Es war ein Abschied von der Schule, ein Abschied von dem Land, ein Abschied von der Sprache und in gewisser Weise von der Mentalität", erzählte Rohrbach.

Nach dem Studium und einem Volontariat beim Bonner "Generalanzeiger" hat er 1961 als Fernsehspielchef beim WDR angefangen – der Startschuss für seine erfolgreiche Karriere als Filmproduzent. "Ich war ja eigentlich Journalist. In den Beruf des Filmproduzenten bin ich vielmehr nur reingeraten. Doch das war mein großes Lebensglück", sagte der 88-Jährige rückblickend. Es folgte die Erfindung des "Tatort" und Produktionen wie die Welterfolge "Das Boot" und "Die unendliche Geschichte".

Filmproduzent Günter Rohrbach zu Gast beim SR

Aufregende Pionierzeiten

Seine Filme gelten als Meilensteine der Filmgeschichte und haben neue Maßstäbe gesetzt. Rohrbach ist froh, nicht wie heutige Filmproduzenten arbeiten zu müssen: "Ich betrachte es als Glück, in einer Pionierzeit gearbeitet zu haben. Pionierzeiten sind einfach aufregend und haben einen ganz besonderen Reiz", erklärte Rohrbach.

Er beneide die heutigen Produzenten nicht. "Sie haben einen schwierigen Job, müssen sich in sehr harten Konkurrenzsituation bewähren und stehen unter einer permanenten Erfolgserwartung. Das ist nicht einfach."

Zahlreiche Preise

Günter Rohrbach wurde mit zahlreichen Preisen gewürdigt. Zu seinen Auszeichnungen zählen unter anderem die "Goldene Kamera", der "Grimme-Preis" und der "Deutsche Filmpreis". Außerdem war er für "Das Boot" für den "Oscar" nominiert.

Bei seinen Meisterwerken sind auch viele Filme dabei, die fürs Fernsehen gemacht wurden. Doch Rohrbach gesteht, dass er selbst ungern Filme im Fernsehen schaue. "Ich gehe für Filme immer noch gerne ins Kino. Im Fernsehen sehe ich mir nur die Nachrichten oder mal eine Talkshow an, damit ist mein Bedürfnis an Fernsehen bereits gestillt", erzählte Rohrbach. Vor allem sei er auch ein Leser und verbringe mit Büchern sehr gerne seine Abende.

Heute zählt der Blick aufs Publikum

Doch auch wenn er selbst nicht mehr viel Fernsehen schaue, bekomme er doch die Entwicklung mit. "Man muss nicht jeden Abend vor der Glotze sitzen, um zu verfolgen, was mit dem Medium passiert. Man kann auch so sehr viel mitbekommen und ich habe viele Freunde, die fürs Fernsehen arbeiten und mir davon berichten", sagte Rohrbach.

Er habe erlebt, wie das Fernsehen sich immer mehr von einem Redakteursmedium zu einem Kundenmedium entwickelt hat. "In der Zeit, bei der ich noch beim WDR war, haben wir Redakteure mit einem vielleicht unverschämten Selbstbewusstsein gesagt, dass Fernsehen so aussehen muss, wie wir meinen, dass es aussehen soll." Heute schaue man sehr viel genauer und bewusster auf die Seite der Konsumenten und erspüre, was erwünscht ist und wie man das Publikum erfreuen kann.

"Allein das Wort Kunde kannten wir nicht. Kunde haben wir immer mit einer Marktwirtschaft verbunden. Wir haben aber nicht in marktwirtschaftlichen Kategorien gedacht, sondern in gesellschaftlichen", meinte der Filmproduzent. Er kritisiere das aber heute nicht, die Welt habe sich verändert. Und man müsse mit Veränderungen leben. "Man muss akzeptieren, dass die Menschen an dieses Medium Ansprüche haben, dass sie in 90 Minuten gut unterhalten werden wollen – und nichts anderes. Und das ist auch völlig legitim."

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung aktueller bericht vom 19.05.2017 berichtet.

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