Dirk van den Boom (Foto: SR)

"Ich schreibe immer vier bis fünf Romane gleichzeitig"

Das Interview führte Kai Forst   24.04.2017 | 16:30 Uhr

Renommierter Politikwissenschaftler und erfolgreicher Science-Fiction-Autor: Dirk van den Boom bringt seit vielen Jahren zwei Berufe unter einen Hut, die auf den ersten Blick so gar nicht zusammen passen wollen. Nun hat der 50-Jährige den Deutschen Science Fiction Preis gewonnen. SR.de sprach mit ihm über frühes Aufstehen, Erfolg und Rosamunde Pilcher.

SR.de: Herr van den Boom, herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Deutschen Science Fiction Preises. Ist es die erste Auszeichnung für Sie als Autor?

"Ich schreibe immer vier bis fünf Romane gleichzeitig"
Audio [SR 2, Tilla Fuchs, 25.04.2017, Länge: 03:57 Min.]
"Ich schreibe immer vier bis fünf Romane gleichzeitig"

Van den Boom: Ja, es ist der erste Preis. Ich bin zwar schon mehrmals für andere Preise nominiert worden. Hin und wieder war da der zweite Platz. Aber nun ist das erste Mal, das ich ihn tatsächlich bekommen habe.

SR.de: Wir Journalisten kennen Sie vor allem als renommierten Politikwissenschaftler. Was war in Ihrem Leben zuerst da? Die Politik oder Science-Fiction?

Van den Boom: In meinem Leben gab es zuerst die Science-Fiction, weil ich mit elf oder zwölf damit angefangen habe, das Genre für mich zu entdecken und habe seitdem im Grunde nichts anderes mehr gelesen. Seit meinem Studium ist es dann eine parallele Leidenschaft gewesen.


SR.de: Hatten Sie nie im Kopf etwas anderes zu studieren? Literaturwissenschaft etwa?

Van den Boom: Ich bin mir nicht sicher, ob es für einen Schriftsteller hilfreich ist, Literturwisschenschaft zu studieren. Und ich bin mir nicht sicher, ob es für einen Politiker hilfreich ist, Politikwissenschaft zu studieren. Manchmal ist es so, dass wenn man sich allzu sehr theoretisch und fachlich mit etwas auseinandersetzt, dann nachher in der Ausübung desselben nicht besonders gut ist. Ich hatte früher zwar über Germanistik nachgedacht, es war aber nie besonders weit oben auf meiner Liste.

Ich stehe jeden Morgen gegen 4.30 Uhr auf

SR.de: Sie schreiben und veröffentlichen sehr viel - nach eigenen Angaben über 100 Romane. Wie bringen Sie das Schreiben und Ihren Job als Politologe so erfolgreich unter einen Hut?

Van den Boom: Sie müssen früh aufstehen. Ich stehe jeden Morgen gegen 4.30 Uhr auf und schreibe erst einmal eine bis eineinhalb Stunden. Das ist eine sehr konzentrierte Arbeit, bei der ich sehr schnell bin. Dazu nehme ich mir auch Zeit an Wochenenden und im Urlaub. Dann kommt man damit schon gut hin.

SR.de: Jeden Morgen um 4.30 Aufstehen, um vor der Arbeit noch zu schreiben. Das klingt nach jeder Menge Disziplin.

Zur Person

Dirk van den Boom, geb. 1966 in Fürstenau, wuchs an der Nordseeküste in Wilhelmshaven auf. Seit 1998 lebt und arbeitet er in Saarbrücken. Van den Boom ist Professor für Politikwissenschaft. Außerdem arbeitet er als Consultant in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Migrationspolitik und Sozialpolitik. Sein erstes Romanhonorar erhielt er 1998. Für seinen Roman "Die Welten der Skiir 1: Prinzipat" hat er nun den Deutschen Science Fiction Preis erhalten. Der Preis wird im Rahmen des internationalen SF-Konvents "EuroCon" vom 16.-18. Juni 2017 in Dortmund verliehen.

Van den Boom. Wenn man die Schriftstellerei professionell betreibt, ist das genauso eine Frage von Arbeitsdisziplin und einer gewissen Pflichterfüllung wie bei jeder anderen beruflichen Tätigkeit. Wenn man das ernst nimmt, dann muss man sich auch entsprechend zeitlich engagieren.

SR.de: Wenn man sich die Erscheinungsdaten Ihrer Bücher anschaut, hat man das Gefühl, Sie schreiben immer mehrere Romane gleichzeitig.

Van den Boom: Ich schreibe immer vier bis fünf Romane gleichzeitig.

Ich langweile mich sehr schnell beim Schreiben

SR.de: Das heißt Aufstehen um halb fünf und dann eine Seite für diesen Roman, eine für jenen und noch eine Seite für einen anderen?

Van den Boom: Genauso ist das. Ich langweile mich sehr schnell beim Schreiben. Ich habe dann schnell gemerkt, dass meine Texte schlechter werden, wenn ich mich langweile und dadurch ein großer Überarbeitungsbedarf entstand. Die Lösung waren mehrere Manuskripte gleichzeitig, wodurch ich mein Interesse selber am Leben erhalte.

SR.de: Würden Sie sich selbst als einen erfolgreichen SF-Autoren bezeichnen.

Van den Boom: Es geht natürlich immer noch erfolgreicher. Nehmen wir jetzt mal Andreas Brandhorst oder Andreas Eschbach. Die sind bei noch größeren Verlagen und von deren Werken werden mit Sicherheit noch deutlich mehr verkauft werden. Ich würde mich als sogenannten „Mid-List-Autor“ bezeichnen. Also jemand, der nicht mehr ganz unten ist bei den Verkaufszahlen, aber auch noch nicht in die Bestseller-Regionen vorgedrungen ist.

SR.de: Vor allem der Fantasy-Bereich boomt seit zum Beispiel dem Herrn der Ringe seit Jahren. Spüren Sie diesen Fantasy-Run an den Verkaufszahlen Ihrer SF-Bücher?

Van den Boom: Nein. Das Publikum, das den Fantasy-Boom trägt oder getragen hat, das sind Leute, die oft auch nur Fantasy konsumieren. Es gibt natürlich manchmal Überschneidungen. Aber die Fantasy-Fans sind schon eine recht distinkte Käufergruppe, die wenig nach links und rechts schaut oder liest.

SR.de: Geht Ihnen das ähnlich? Lesen Sie ausschließlich Science-Fiction oder führen Sie sich auch mal einen Krimi oder Rosamunde Pilcher-Romane zur Gemüte?

Van den Boom: (lacht) Rosamunde Pilcher weniger. Aber es gibt schon zwei, drei Krimiautoren, die ich gerne lese.

SR.de: Sie haben auch einige historische Romane geschrieben.

Van den Boom: Das ist Alternative History, ein Unter-Genre der Science-Fiction. Ein Genre, das auf der Zeitreise-Idee beruht, das heißt irgendjemand wird in die Vergangenheit geschlagen und versucht die Geschichte zu verändern. In den Deutschland steckt das Genre noch in den Kinderschuhen, in den USA ist das sehr populär.

SR.de: In Ihren Romanen geht es mitunter auch um politische Systeme und das Handeln von Staaten. Können Sie sich aus dem aktuellen Politik-Geschäft Anregungen für Ihre SF-Romane holen?

Van den Boom: Ganz bestimmt. Auch der Roman, für den ich jetzt ausgezeichnet wurde, ist ein politischer Roman. Generell geht es sehr oft um das Handeln politischer Institutionen. Das heißt es, es hilft mir sehr, dass ich mit Politikwissenschaft auseinandersetze. Und es gelingt mir dadurch natürlich auch politische Prozesse nachvollziehbar darzustellen und in die Handlung einzubauen.

SR.de: Wann erscheint ihr nächster Roman?

Van den Boom: Der dritte Band der Skiir-Trilogie kommt im September. Damit ist die Geschichte abgeschlossen. In diesem Jahr kommen außerdem noch zwei oder drei neue Werke.

SR.de: Herr van den Boom, weiterhin viel Erfolg und danke für das Gespräch.

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