Hans Bollinger  (Foto: Ryszard Puchyr)

"50 Gramm Wodka, bitte!"

Kasia Hummel   07.01.2017 | 08:30 Uhr

"Unterwegs in Polen" – so heißt das Buch von Hans Bollinger. In vielen kleinen Geschichten berichtet der Saarländer von seinen zahlreichen Reisen in das Nachbarland und erzählt von den unterschiedlichsten Begegnungen, die ihm in Erinnerung geblieben sind. Beeindruckt hat ihn dabei vor allem das einfache Leben.

Seit Jahren engagiert sich Hans Bollinger für einen partnerschaftflichen Austausch mit Polen. Er ist eigentlich Pädagoge und unterrichtete an der Gesamtschule Gersheim, wo er von 1999 bis 2008 Schulleiter war. Von dort wechselte er auf die Stelle des Leiters von Spohns Haus, einem ökologischen Bildungszentrum mit Schullandheim in Gersheim.


SR.de: Herr Bollinger, wie kam es zu der Idee das Buch „Unterwegs in Polen“ zu schreiben?

Bollinger: Ich vereise ja bereits seit 40 Jahren nach Polen. Zuerst war es nur privat und seit 20 Jahren zum Teil dienstlich. Wenn man so lange durch Polen reist, zu so unterschiedlichen Zeiten, erlebt man sehr viel und trifft viele Menschen. Es entstehen Geschichten. Immer, wenn ich die so erzählt habe, sagten Freunde: „Schreib das doch mal auf, das ist doch nicht so alltäglich.“ Vor zwei Jahren habe ich dann angefangen, in unserem Ferienhaus an der slowakischen Grenze in Polen einzelne Geschichten aufzuschreiben. Dann habe ich auch einen Verlag gefunden und habe es weiter verfolgt. Es hat mir Spaß gemacht und so ist das Buch entstanden.  

SR.de: Sie schreiben, Polen besser zu kennen als Ihre Deutsche Heimat. Was genau fasziniert Sie so an diesem Land?

Bollinger: Mich hat immer das einfache Leben der Menschen, die Natur, die Naturbelassenheit und, so wie es Marion Gräfin Dönhoff in ihren Büchern sagt, „ein von den Jahreszeiten bestimmte Leben“ fasziniert. Ich war lange Zeit ein Wandervogel und hatte immer den Trieb, rauszufahren, möglichst an Stellen, wo kein Tourismus ist und wo noch Ursprünglichkeit zu erleben ist. Das können Sie in Polen selbst heute noch sehr gut erleben. Aber auch die Gastfreundschaft, die ganze Geschichte sowie Städte wie Krakau oder Danzig haben mich immer fasziniert.  

Unterwegs in Polen

Das Buch "Unterwegs in Polen: Begegnungen mit Menschen, ihrer Geschichte und Heimat" ist im Geistkirch-Verlag erschienen. Es hat 176 Seiten und kostet 19,80 Euro.

SR.de: In Ihrem Buch erzählen Sie von vielfältigen Begegnungen mit Menschen. Welche ist Ihnen ganz besonders in Erinnerung geblieben?

Bollinger: Da gab es Begegnungen mit ganz einfachen Menschen, die aber ganz viel zu erzählen haben. Ich erinnere mich an eine Begegnung mit Köhlern. Meine Frau war dabei und hat mir das dann übersetzt, was sie über ihr Leben erzählt hatten. Dieses einfache Leben hat mich unheimlich fasziniert. Es waren aber auch große Persönlichkeiten, die ich getroffen habe, so zum Beispiel den Schriftsteller Andrzej Stasiuk, der ganz einfach auf dem Land an der slowakischen Grenze lebt. Es waren also sehr viele Begegnungen mit zahlreichen Menschen.

SR.de: Sie schwärmen in einigen Geschichten von den Masuren. Dennoch heißt es an einer Stelle: „Die masurische Romantik hat Risse und Brüche bekommen.“ Was meinen Sie damit?

Bollinger: Masuren lebt durch das Dorfbild und die Landschaft. Früher sind die jungen Bauern weggezogen. Man sah nur die alten Häuser, die alten Dörfer. Jetzt bleiben die jungen Bauern da. Durch die EU finanziert, bekommen sie Kredite, kaufen sich auch moderne Maschinen. Da geht aber so eine gewisse Romantik verloren. Man sieht auch weniger Störche. Deshalb rate ich auch jedem, der nach Masuren fahren will, um Masuren in der Urspünglichkeit zu erleben, das möglichst bald zu tun. Es wäre fatal und es wäre für Masuren ganz schlimm, wenn da Autobahnen gebaut werden würden.

SR.de: Sie sind mit einer Polin verheiratet. Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten zwischen Saarländern und Polen?

Bollinger: In der Lust zusammenzukommen, Feste zu feiern und gute Gastgeber zu sein.

SR.de: Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie in Polen sind?

Bollinger: Ich freue mich auf die wunderbare Natur, auf die Landschaften und auf Freunde, die ich dort treffen kann. Ja, so eine gewisse Eigenart: Man kommt an und bestellt erstmal 50 Gramm Wodka.

SR.de.: Wurde das Buch in Polen veröffentlicht?

Bollinger: Nein, aber ich bin auf der Suche nach einem Verlag. Mein Übersetzer hat schon angefangen, zu übersetzen. Im April mache ich eine Lesereise. Sie fängt in Hirschberg an und geht nach Görlitz bis an die ukrainische Grenze. Dort, wo ich lese, gibt es viele, die Deutsch verstehen. Bis dorthin sind aber zwei, drei Kapitel übersetzt und dann wird entweder meine Frau oder die Übersetzerin an den Stellen kleine Teile, die ich auf Deutsch lese, auch in Polnisch lesen. Geplant ist aber eine vollständige Veröffentlichung auf Polnisch.     

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