Ein kranker Mann liegt im Bett und misst Fieber (Foto: dpa/Andreas Gebert)

Männerschnupfen – es gibt ihn tatsächlich

Da liegt er in einem Berg von Papiertaschentüchern und schnäuzt laut vor sich hin: der an Schnupfen erkrankte Mann. Dass Männer ganz entsetzlich leiden – jedenfalls bei Schnupfen –  gilt als allgemein bekannt. Es gibt unzählige Witze darüber und Frauen bleibt manchmal gar nichts anderes übrig, als es mit Humor zu nehmen. Aber jetzt gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse, und danach werden Männer tatsächlich etwas schneller krank als Frauen. Stimmt das wirklich? Wir fragen nach.

Hormone beeinflussen Immunsystem

Wenn Krankheitserreger wie Bakterien und Viren in den Körper eindringen, werden sie durch das körpereigene Immunsystem bekämpft. Dafür gibt es zwei Systeme:

  • Das unspezifische Abwehrsystem umfasst die angeborene allgemeine Immunreaktion, die nicht auf bestimmte Erreger optimiert ist.
  • Das spezifische Abwehrsystem richtet sich mit speziellen Abwehrzellen gezielt gegen bestimmte Krankheitserreger. Die Zellen liegen nur in geringer Menge vor und müssen sich bei einer Infektion erst vermehren, bevor sie Erreger wirksam bekämpfen können.

Das weibliche Sexualhormon Östrogen regt die Vermehrung der spezifischen Abwehrzellen an. Das männliche Geschlechtshormon Testosteron wirkt sich gegenteilig aus. Deshalb reagiert das spezifische Immunsystem von Frauen schneller und aggressiver gegen Krankheitserreger als das von Männern. Je höher der Testosteronspiegel, umso mehr Östrogen wird produziert. Weil Männer mit niedrigem Testosteronspiegel auch wenig Östrogen produzieren, sind sie anfälliger für Infektionen.

Männer genetisch im Nachteil

Ein weiterer Nachteil bei der Infektabwehr liegt in den männlichen Genen: Während Frauen zwei  X-Chromosome haben, haben Männer ein X- und ein Y-Chromosom. Doch auf dem X-Chromosom liegen besonders viele Gene, die für Abwehrprozesse im Körper verantwortlich sind.

Frauen sind schmerzempfindlicher

In vielen Studien wurde festgestellt, dass Frauen schmerzempfindlicher sind als Männer. Die Immunreaktion ist bei Frauen heftiger als bei Männern. Das bedeutet Schwerstarbeit für den Körper und kann zu stärkeren Symptomen als bei Männern führen. Allerdings widmen Frauen ihrem "Leiden" oft weniger Aufmerksamkeit, während viele Männer sich bei einer Erkältung stärker auf einzelne Symptome konzentrieren.

Frauen leben gesundheitsbewusster

Häufig verhalten sich Frauen gesundheitsbewusster als Männer: Sie waschen sich zum Beispiel dreimal so oft die Hände - ein gutes Mittel gegen Infektionen. Außerdem achten viele Frauen mehr als Männer auf eine gesunde Ernährung und lassen sich konsequenter impfen.

Ein Beitrag unserer Kollegin Ulrike Heimes vom NDR

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