Baum mit Misteln (Foto: SR)

Adventsmistel – schön anzuschauen, aber gefährlich für Obstbäume

Auf den Märkten sind sie in der Adventszeit wieder ein beliebtes Mitbringsel: Misteln. Eine Schmarotzerpflanze, die auf Bäumen wächst. Nach einem alten Mythos soll, wer sich unter einem Mistelzweig küsst, ein Leben lang zusammenbleiben. Schöner Brauch, aber ein Leben lang zusammen bleiben leider auch die Mistel und ihre Wirtspflanze, inzwischen eine immer größere Gefahr für Obstbäume.

Wir im Saarland - Service: Adventsmistel
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 05.12.2017, Länge: 04:26 Min.]
Wir im Saarland - Service: Adventsmistel

Rund tausend Apfelbäume bewirtschaftet Wolfgang S. aus Menningen, um Apfelsaft, Viez, Essig und Sekt für den Verkauf zu produzieren. Wie lange das noch gut geht, weiß er nicht. Denn seine Bäume sind von Misteln befallen. Der Schaden sei immens, sagt er, denn so ginge eine große Menge an hochwertigem Obst verloren und stehe der Kelterei nicht mehr zur Verfügung.

Die Mistel befält Bäume

Misteln sind Schmarotzerpflanzen, die sich gerne auf Apfelbäumen und Pappeln niederlassen, Inzwischen aber auch auf Birnen und sogar  auf Birken. Ihre  schleimig-klebrigen Früchte werden von Vögeln übertragen und schlagen dann Wurzeln in der Rinde, erklärt Monika Lambert-Debong von den Obst- und Gartenbauvereinen. Sie können bis zu 50 cm in den Baum hineinwachsen, wird sie nicht entfernt, stirbt der Baum.

Mistlen als Gefahr für Streuobstwiesen

Den Schaden haben aber nicht nur Obstbauern wie Wolfgang S. Die Misteln gefährden auch die Streuobstwiesen mit ihrer einzigartigen Tier und Pflanzenwelt, sagt Rudi Reiter vom Naturschutzbund Deutschland, NABU. Er beobachtet ihre Ausbreitung mit großer Sorge: Angefangen habe es vor einigen Jahrzehnten, die letzten 5 Jahre aber sei es besonders dramatisch, sagt er, Der Befall nehme jetzt  sehr schnell zu, weil ein riesiges Samenpotential an Mistelfrüchten in der Landschaft existiere.

Misteln mit ihren klebrigen Früchten profitieren vor allem davon, dass Streuobstwiesen nicht gepflegt werden. Auch die Legende, Misteln würden unter Naturschutz stehen hat zu ihrer Ausbreitung beigetragen. Bis zu Neunzig Prozent der Apfelbäume seien bereits so stark befallen, dass sie nicht mehr zu retten seien, so der NABU.

Die Obst- und Gartenbauvereine appellieren an Streuobstwiesenbesitzer, ihre Bäume wieder zu pflegen. Größere Äste sollten samt Misteln abgeschnitten, kleiner Mistelkeimlinge mit einem Kerbschnitt entfernt werden und das regelmäßig! Spätestens alle  zwei bis 3 Jahre müsse ein ordentlicher Pflegschnitt erfolgen. Und sollte ein Baum zu stark befallen sein, hilft nur noch Fällen, damit der Infektionsdruck für andere Bäume weg ist.

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