Schiffshebewerk (Foto: SR)

Imposant und praktisch: Eine „Tour de Kultur“ zum Schiffshebewerk in Arzviller

Ein riesiger Fahrstuhl für Schiffe – und einzigartig in Frankreich. Durch das Schiffshebewerk  spart man auf dem Rhein-Marne-Kanal von Straßburg nach Paris 17 Schleusen und damit einen ganzen Tag Fahrzeit. Unsere Tour de Kultur-Reporterin Julia Leiendecker ist in den Schrägaufzug gestiegen und hat sich genau erklären lassen, wie dieses „Wunderwerk der Technik“ funktioniert.

Jetzt im April hat das Schiffshebewerk seine Winterpause beendet - die Ausflugsschiffe tuckern wieder auf dem Kanal. Und unsere Tour de Kultur-Reporterin Julia Leiendecker darf sogar ans Steuerrad. „Immer den Kurs halten“, gibt Kapitän und Fremdenführer Michel Carabin zu bedenken. Dann nickt er zufrieden und meint zur Reporterin: „So, aber ich kann Urlaub nehmen…“ Seine Kapitäns-Schülerin grinst und erklärt: „Michel ist in der Sommersaison fast täglich auf dem Rhein-Marne Kanal mit seinem Schiff unterwegs und bringt Touristen zum Schiffshebewerk. Und ich muss sagen, wenn man so wie wir aus dem „Valée de la Zorn“ kommt und sich annähert, das ist wirklich total imposant, denn das geht jetzt gleich 45 Meter in die Höhe.“

Mit dem Aufzug in die Höhe

Die Einfahrt ins Schiffshebewerk erfordert exaktes Manövrieren. Wenn die Ampel grünes Licht zeigt und die Tore oben sind, darf Michel in den mit Wasser gefüllten Trog einfahren. Julia Leiendecker beobachtet interessiert Michels Lenkbewegungen:

„Ist das jetzt eigentlich schwieriger, als wenn man in eine normale Schleuse einfährt, muss man auf etwas Besonders achten jetzt hier mit dem Kahn?“ Der Kapitän schüttelt den Kopf: „Also schwieriger nicht, die ganzen Schleusen auf dem Kanal haben exakt die gleichen Maße. 5,50 m breit und 41,50 m lang. Das Boot ist also so breit wie ein Frachtschiff, also passt ganz knapp rein.“ Kanaltor und Dichtungsrahmen vom Trog schließen sich - die Bergfahrt kann beginnen.

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 16.04.2018, Länge: Min.]
Imposant und praktisch: Eine „Tour de Kultur“ zum Schiffshebewerk in Arzviller

Energiesparend und effizient

Das Ganze basiert auf dem Prinzip Gewicht und Gegengewicht und braucht fast keine Energie. „Michel, wenn man das jetzt so zum ersten Mal sieht – ich find das total beeindruckend, aber Du siehst das ja eigentlich jeden Tag, ist das für Dich noch was Besonderes oder ist das so ganz normal wie Schleuse durchfahren?“,fragt Julia Leiendecker. „Nein, also diesen Beruf kann man nicht machen, wenn man in eine Routine fällt“, findet Michel Carabin. „Man spricht mit Leuten, man sieht etwas, was ganz speziell ist. Dieses Werk ist heute noch sehr eindrucksvoll, dann kann ich nicht herkommen und wie ein Automat. Das ist ganz eindrucksvoll, für mich auch noch, jeden Tag.“ Der mit Wasser gefüllte Trog wiegt etwa 900 Tonnen. Bergauf lässt man etwas Wasser ab, damit er leichter ist als die Gegengewichte. Bergab muss er etwas schwerer sein.

Der Aufzug spart 17 Schleusen

Oben angekommen, öffnen sich abermals Kanaltor und Dichtungsrahmen und das nach einer Bergfahrt, die gerade mal 4 Minuten gedauert hat. Zuvor ließ sich der enorme Höhenunterschied vom Zorntal zum höchstgelegenen Teil des Kanals in den Vogesen nur mit Hilfe einer Schleusentreppe bewältigen. 17 Schleusen musste man dafür passieren – das dauerte einen ganzen Tag. Mit dem Bau des Schiffshebewerks konnte man die Fahrtzeit immens verkürzen und zudem Personal einsparen. „Warum war denn das Schiffshebewerk damals, 1969, so was Besonderes“, möchte unsere Reporterin wissen. „Gab’s so was vorher noch nicht?“ „Also das Werk war einmalig und ist immer noch einmalig“, erklärt ihr Fremdenführer Michel. „Und gerade hier hinter uns sind die Motoren, die das Werk funktionieren machen. Das sind zwei Gleichstrommotoren, die also jeder eine Stärke hat von 125 PS, das sind also ganz kleine Motoren. Die geben die Impuls, dass wir natürlich zusammen langsam losfahren und dann die Bremsen, die regulieren die Geschwindigkeit – mehr nicht.“

Wiedereröffnung 2015

Ursprünglich war sogar ein zweiter Trog vorgesehen, um bis zu 40 Frachtkähne am Tag befördern zu können. Doch schon bald verlagerte sich der Transport von Gütern zunehmend auf Straßen und Schienen, so dass eine Vergrößerung der Anlage nicht mehr rentabel war. Heute sind auf dem Rhein-Marne-Kanal hauptsächlich Freizeitschiffer unterwegs. Für sie ist das Schiffshebewerk vor allem eine willkommene Abwechslung auf der Strecke. „Und hat das immer einwandfrei so funktioniert oder gab’s auch mal Pannen?“, ist Reporterin Julia interessiert. Michel stellt deutlich fest: „Es ist eine Maschine, eine Maschine kann niemals so 50 Jahre funktionieren, also wir hatten eine Panne vor 4 Jahren jetzt.“

Damals setzte der Trog zur Talfahrt an, als die Schleusentore noch offen waren. Das Ausflugsschiff Paris verkeilte sich und gut 70 000 Kubikmeter Wasser strömten ungebremst ins Tal. Fast 2 Jahre lang blieb das Schiffshebewerk geschlossen. Man tauschte zahlreiche Teile aus und erneuerte den Antrieb. Seit 2015 läuft der Betrieb wieder rund.

Rundwanderweg durchs Tal der Schleuser

Den Weg von oben zurück zum Ausgangspunkt legt Julia Leiendecker zu Fuß zurück: „Zum Abschluss haben wir noch einen echten Geheimtipp für sie. Die 17 Schleusen, die durch das Schiffshebewerk ersetzt wurden, die sind zwar inzwischen stillgelegt, aber es gibt einen wunderschönen Wanderweg, der führt direkt durch das „Vallée des éclusiers“ – durch das Tal der Schleusenwärter und da geht es immer am Kanal entlang zu den ehemaligen Schleusenhäuschen, die inzwischen Cafés sind oder Gites und das alles durch eine wunderschöne Landschaft.“ Wer mit dem Schiff hochgefahren ist, kann auf diesem Weg zum Ausgangspunkt zurücklaufen – ganz bequem immer bergab.

Adresse:

Société Touristique de la Vallée de la Zorn et du Teigelbach
Route du Plan Incliné
57820 Saint-Louis-Arzviller
Telefon: +33.3.87.25.30.69
Fax: +33.3.87.25.41.82
Internet: www.plan-incline.com/de

Ab ersten April täglich geöffnet von 10-17 Uhr.

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