Gästehaus Chez Jeanmyvonne (La Bresse) (Foto: SR)

Ferien beim Nachbarn: Farbenfrohes Gästehaus mitten in den Vogesen

Erick Perrin verbinden viele schöne Kindheitserlebnisse mit seinem Gästehaus, denn es hat früher seinen Großeltern gehört. In Erinnerung an die beiden hat er es nach ihnen benannt: „Chez Jeanmyvonne“ - bei Jean und Yvonne. Zusammen mit seiner Frau Chloé vermietet Erick fünf Zimmer. Nur zwei Minuten vom Haus entfernt beginnt eine Langlaufloipe. Auch die Abfahrtspisten sind nicht sehr weit - und falls kein Schnee liegt, kann man im nahen Naturschutzgebiet „Tourbière de Lispach“ zwischen Moor und Fichtenwald wandern.

Erick Perrin ist passionierter Trailläufer. Täglich legt er mit Husky Inschu rund 20 Kilometer zurück. Direkt von der Haustür aus - dem ehemaligen Bauernhof seiner Großeltern.

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 05.02.2018, Länge: 5:59 Min.]
Ferien beim Nachbarn: Farbenfrohes Gästehaus mitten in den Vogesen

„Oma liebte es, wenn wir sie oft besuchten“, erinnert sich Erick. „Mit allen meinen Cousins waren wir fast jedes Wochenende 15 bis 20 Leute hier – verbrachten Zeit im Garten und auf der Terrasse. Und als ich die Möglichkeit bekam, dieses Haus zu übernehmen, habe ich mir gesagt: Hier will ich wohnen und mein Leben aufbauen.“ Ein Leben mit seiner Frau Chloé. Vor acht Jahren haben sie hier ihr Gästehaus „Chez Jeanmyvonne“ eröffnet. Benannt nach Ericks verstorbenem Großvater Jean-Marie und seiner Großmutter Yvonne.

Holz und knallige Farben

Es gibt zwei Aufenthaltsräume und fünf Zimmer. Das Haus ist riesig: 450 Quadratmeter - allein für die Gäste. Die wohnen unter anderem dort, wo früher der Heuboden war. Chloé führt durch die Zimmer. Jedes ist in einer anderen leuchtenden Farbe gestrichen: „Erick war es wichtig, Material aus der Umgebung zu verwenden. Deshalb haben wir Tannenholz für die Wandverkleidung genommen. Darauf hat er Öl gestrichen, um es älter wirken zu lassen. Und damit es nicht zu holzlastig wird, hat er es durch Farben aufgelockert. Deshalb haben wir sehr bunte Zimmer: gelb, rot, blau, grün. Es war uns wichtig, etwas Authentisches zu gestalten, aber gleichzeitig auch modern. Schließlich sind wir jung und wir wollten Leben in dieses Haus bringen, in dem es auch früher schon immer so lebendig war.“

Barrierefreies Zimmer

Im großen Familienzimmer können vier Leute übernachten. Der Preis: 135 Euro inklusive Frühstück – ein Doppelzimmer ist für 80 Euro zu haben. Im Erdgeschoss hat Erick ein barrierefreies Zimmer eingerichtet. Das lag ihm am Herzen, weil er als Sonderpädagoge mit behinderten Jugendlichen gearbeitet hat, bis er Mitte zwanzig war: „Ich wollte damals nicht mehr weitermachen, weil das Budget sehr eingeschränkt war. In diesen Strukturen habe ich meinen Platz als Pädagoge nicht mehr gefunden. An allen Enden wurde gespart, so dass man kaum mehr etwas unternehmen konnte. Und ich habe mir gesagt: Mit einem barrierefreien Zimmer kann ich den Leuten ermöglichen davon zu profitieren, was unsere Umgebung hier zu bieten hat. Das fand ich interessant.“

Leidenschaft für‘s Kochen liegt in der Familie

Ericks Großmutter ist mittlerweile 83 Jahre alt und lebt in einer Wohnung in La Bresse. Jetzt ist sie es, die gerne zu Besuch kommt. Dann erzählt sie den Gästen gerne, wie er früher im Haus aussah: „Hier war der kleine Speicher. Gegenüber ist noch die Tür, durch die das Heu und das Holz für den Winter eingebracht wurde.“

Vom Haus ist es nicht weit zum Naturschutzgebiet „Tourbière de Lispach“. Ein Rundweg führt um den Gletscher-See, der umgeben ist von Fichtenwald und Moor. Erick geht unterdessen zur „Ferme du Saichy“ und kauft Berg- und Münsterkäse von Vogesenrindern fürs Abendessen. Die meiste Zeit des Tages ist er in der Küche zu finden. Die Rezepte und vor allem die Liebe zum Kochen hat er von seiner Großmutter Yvonne. Sie war früher Köchin in einem Altersheim. Auch heute noch zieht es sie in die Küche, wenn sie zu Besuch ist. Vor der Eröffnung des Gästehauses hat Erick extra eine staatliche Ausbildung zum Koch gemacht – mit dem Spezialgebiet regionale Küche: „Unsere Eltern sind immer früh aufgestanden, um zu kochen und alles vorzubereiten. Wir haben noch nie etwas aus der Dose gegessen, immer nur frische Produkte. Wenn man dann erwachsen wird, kann man gar nichts anderes mehr essen als diese guten Sachen. Man hat einfach Lust, Zeit in der Küche zu verbringen. Das wurde in der Familie immer so weitergegeben.“

Familiäre, humorvolle Atmosphäre

Für den Aperitif hat Erick mit selbstgebackenem Brot und dem Käse vom Bauernhof ein deftiges „amuse gueule“ zubereitet. Gegessen wird gemeinsam an den großen Tischen, die früher in der Textilindustrie zum Stoff-Schneiden verwendet wurden. Heute gibt es mit Schinken und Käse gefülltes Filet, Süßkartoffelpüree und Rosenkohl. Die Stimmung ist familiär. Während des Essens gibt Erick noch eine Annekdote zum Besten: „Hier war früher das Schlafzimmer meiner Großeltern. Das erzählen wir unseren Gästen häufig. Sie lachen dann, wenn wir sagen, dass genau hier sechs Kinder gezeugt wurden.“

Die Geschichte des Hauses ist eben allgegenwärtig – auch beim Essen.

Adresse:

Chez Jeanmyvonne
Erick et Chloé Perrin
7 che des Champis
88250 La Bresse
Frankreich
Telefon: 0033 (0)6 33 87 92 95
E-Mail: contact@jeanmyvonne.com
Internet: www.jeanmyvonne.com

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