Mus-e des Jouets (Spielzeugmuseum) in Colmar (Foto: SR)

Tour de Kultur: Das Spielzeugmuseum in Colmar

Einmal noch Kind sein – das wünscht sich doch jeder Erwachsene irgendwann einmal. In Colmar gibt es einen Ort, an dem man diesem Traum näher kommen kann. Mitten in der Stadt bildet ein alter Kinosaal heute die Kulisse für das Musée du Jouet. In dem Spielzeugmuseum können Besucher ganz in die Welt der Spiele eintauchen.

Unser Reporter Michael Schneider ist ins Elsass gefahren:

„Um schnell mal zwischendurch was zu spielen braucht man heute ja eigentlich nicht mehr als ein Handy und eine Internetverbindung. Aber mal ehrlich: So ganz das Wahre ist das ja eigentlich nicht. Denn es gibt so viel schönes, handgemachtes und liebevoll gestaltetes Spielzeug. Und ein bisschen davon wollen wir uns heute mal anschauen.“

Das Musée du Jouet – das Spielzeugmuseum, residiert mitten in Colmar. Schon die Kulisse ist beeindruckend. Ein altes Kinogebäude mit Leinwand und Rängen. Heute darf im Vorführraum nach Herzenslust gespielt werden. Aber im Musée du Jouet gibt es viel mehr zu bestaunen, als nur Bauklötze.

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 29.01.2018, Länge: 5:24 Min.]
Tour de Kultur: Das Spielzeugmuseum in Colmar

Die allererste Barbie

Auf drei Etagen führt die Ausstellung durch zweihundert Jahre Spielzeuggeschichte. Und zeigt: gespielt wurde schon immer – und überall auf der Welt. Das Museum besitzt viele kostbare alte Einzelstücke, die irgendwann einmal durch Kinderhände zum Leben erweckt wurden. Darunter so einige Raritäten. Zum Beispiel: Die allererste Barbie aus dem Jahre 1959. Ein Lieblingsstück von Ausstellungs-Kuratorin Camille Steinbruck:

„Das war wirklich ein Meilenstein in der Welt der Puppen. Bis dahin haben kleine Mädchen mit Kinderpuppen gespielt, die sie bemuttern konnten. Und nun haben wir hier eine jugendliche, fast erwachsene Puppe mit üppigen Formen. Die für die Frau steht, zu der das Mädchen heranwächst.“

Barbie – das war schon damals das Idealbild für Millionen junger Mädchen.

Zinnsoldaten und Supperhelden

Für die Jungs gab’s stattdessen: Superhelden und harte Abenteurer. Auch beim Spielzeug kommt Gleichberechtigung oft zu kurz. Camille Steinbruck deutet auf eine Vitrine mit Zinnfiguren:

„Kleine Jungen haben immer schon gerne mit Soldatenfiguren gespielt, fühlten sich eher von Kriegern angezogen. Sie sollten selbst zu Soldaten erzogen werden, die ihr Land verteidigen. Vor allem in den Siebziger, Achtziger Jahren gab es dann die Idee, gemischtes Spielzeug herzustellen. Aber das hat sich nicht ganz durchgesetzt, viele finden es wohl immer noch merkwürdig.“

Trotzdem – einiges hat sich schon geändert. Was so alles in ein ordentliches Kinderzimmer gehört – da gibt es schon einen ziemlichen Unterschied zwischen damals und heute.

Gleise und ratternde Züge

Das oberste Stockwerk des Museums ist komplett der Miniatureisenbahn gewidmet. Mit einem großen Schalter setzt Reporter Michael Schneider die Bahnen in Bewegung:

„Spielzeug war natürlich nie nur etwas für Kinder. Und deswegen darf das Erwachsenenspielzeug schlechthin hier natürlich nicht fehlen. Das älteste Ausstellungsstück und quasi das Herzstück dieses Museums.“

Miniaturbahnen in jeder erdenklichen Bauart dürfen hier ihre Runden drehen. Sie schlängeln sich durch typisch elsässische Landschaften. Pressesprecherin Elsa Simon zeigt unserem Reporter die Schmuckstücke, die hier Tag für Tag durch ihre Modellwelt rattern. Hier steckt viel Liebe drin, erklärt Elsa Simon:

„Freunde und Förderer des Museums haben das alles aufgebaut. Und kümmern sich auch um den Betrieb. Natürlich müssen die Bahnen gewartet werden, aber da ist ja auch noch die ganze Modellwelt drumherum. Also, hier arbeiten Sammler und Hobbybastler zusammen.“

Die Bahnen selbst gehören allerdings dem Museum. Für echte Sammlerstücke wäre die tägliche Beanspruchung einfach zu groß.

Spielen mit dem eigenen Abbild

Das Beste kommt zum Schluss. In einem kleinen Nebenraum dreht sich alles um „Figurines“ – Figürchen. Überall Spielzeugmännchen und –weibchen. Hier darf sich jede Figur in jeder Rolle ausprobieren – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. „Figuren als Spielzeug - warum sind die eigentlich so beliebt - und das in allen Epochen?“, fragt unser Reporter Elsa Simon vom Musée du Jouet:

„Ja, Spielzeugfiguren gab es tatsächlich schon in der Antike, im alten Ägypten. Kinder versetzen sich beim Spielen gerne in die Alltagswelt. Sie denken sich Geschichten aus, fantastische Welten. Und man kann die Welten sogar mischen: Cowboys, Indianer - und Astronauten. Es befreit die Fantasie!“

In Erinnerungen schwelgen

In Colmar dürfen leidenschaftliche Sammler mit Hand anlegen. Privatleute bestücken das Museum mit immer neuen, quietschbunten Miniwelten. Der Wert der Figürchen und Steine geht dabei schnell in die Zehntausende. Und so manches hat Wiedererkennungswert. Auch Michael Schneider bleibt lange vor einer Vitrine stehen:

„Das hatte ich als Kind auch und habe damit stundenlang gespielt und immer neue Sachen gebastelt. Das ist das Schöne hier im Spielzeugmuseum in Colmar: Man findet an jeder Ecke Dinge, die Erinnerungen wachrufen. Und man stellt fest, man ist noch gar nicht zu alt zum Spielen.“

Adresse:

Musée du Jouet de Colmar
40 rue Vauban
68000 Colmar
Frankreich
Telefon: 0033 (0)389 41 93 10
E-Mail: info@museejouet.com
Internet: www.museejouet.com

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