Samen vor ihrer Verarbeitung (Foto: SR)

Natürlicher Schmuck: Ketten und Ohrringe aus Samen

Der lothringische Designer Maxime Garbin stellt in seinem Atelier bei Nancy farbenfrohe Ketten, Ohrringe und Armbänder her – aus den Samen von tropischen Früchten und Bäumen. Die sammelt er im Urlaub bei seinem Vater auf Guadeloupe oder in den Parkanlagen von Nancy.

Karibische Lebensfreude made in Lothringen. 75 Arten von Samen hat Maxime Garbin in seinem Atelier gesammelt – denn die Natur setzt seiner Kreativität kaum Grenzen. Stolz führt der Künstler durch sein kleines Reich:

„Das ist mein Atelier, in dem ich meine Vorräte an Samen bunkere - wirklich alle möglichen Arten. Sie sind sehr unterschiedlich - es gibt sie in verschiedenen Farben, Texturen und Formen.“

Die Samen bringt Maxime meistens aus dem Urlaub auf Guadeloupe mit, der Heimat seines Vaters. Darunter zum Beispiel Schoten so dick wie ein Arm und gut einen halben Meter lang:

„Das ist eine Schote der Großen Wawa oder Affenleiter. Im Vergleich dazu: die kleine – da sieht man schon einen Unterschied. Das sind Lianen, die mehrere Kilometer lang sind und im Regenwald wachsen, also in tropischem Klima.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 22.01.2018, Länge: 3:46 Min.]
Natürlicher Schmuck: Ketten und Ohrringe aus Samen

Alle Samen selbst gesammelt

Aber auch in weniger exotischen Gefilden findet Maxime reichlich Inspiration – zum Beispiel an einem Lederhülsenbaum mitten in Nancy. Maxime sammelt die Bohnenähnlichen Schoten vom Boden auf und drückt die Samen aus ihrer pelzigen Hülle in seine Hand:

„Da kommen sie … ich würde sagen, hier sind so ungefähr zehn bis 30 Samen. Einmal habe ich sechs Müllsäcke voll geerntet – ich habe zwei Tage gebraucht, um alle Samen aus den Schoten zu lösen. Am Ende hatte ich drei Kilo Samen. Der Lederhülsenbaum kommt eigentlich aus den Tropen – und wir sind mitten in Lothringen.“

Dann ist Fingerspitzengefühl gefragt: Löcher bohren, polieren, schön machen. Hier entsteht – Schmuck. Auch, wenn das Geräusch des Bohrers ein bisschen an den Zahnarzt erinnert.

„Ja, das sagt meine Freundin auch – deshalb mache ich auch die Tür zu, – das klingt echt wie ein kleiner Zahnarzt-Bohrer.“

Danach werden die Samen zu Ketten, Armbändern oder Ohrringen zusammengesetzt. Jede von Maximes Kreationen ist ein Einzelstück – zu kaufen gibt es sie auf Internet-Portalen und über seine Facebook-Seite oder auf Messen – wie hier in St. Hélène bei Épinal.

Einen Erdkunde-Kurs gibt es gratis dazu

Doch der junge Designer will mehr, als nur schöne Dinge zeigen – für einen kleinen Erdkunde-Exkurs ist deshalb bei seinen Ausstellungen immer Zeit:

„Ich erkläre immer, was hinter meiner Arbeit steht - wo die Samen herkommen, denn das weiß ich, ich ernte sie ja selbst. Deshalb gebe ich gern das Wissen über die verschiedenen Arten weiter. Und die Leute fragen auch: Was sind das für Samen, wie heißt diese Pflanze, oh, das fühlt sich ganz weich an, oder auch wo ist überhaupt Guadeloupe?!“

Deshalb hat Maxim auf den Messen auch immer eine Landkarte dabei, damit er seine Kundinnen und Kunden besser informieren kann:

„Guadeloupe ist nicht sehr groß – es liegt genau hier. Das ist eine Insel, die aussieht wie ein Schmetterling. Dort, bei meinem Papa, ernte ich die Samen. Danach mache ich sie sauber, bohre Löcher hinein, sortiere sie. Wie lange ich an einer Kette arbeite, kann ich dir deshalb nicht genau sagen – aber ich brauche viel Zeit dafür. Das hier sieht aus wie Reis – ist aber viel härter. Das kannst du nicht essen.“

Halb so schlimm – denn als farbenfroher Schmuck kommen die Samen ohnehin besser zur Geltung.

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