Beispiel einer Partnerschaft (Foto: SR)

Lebendiges Europa: Deutsch-französische Städtepartnerschaften aus dem Saarland

Am 22. Januar feiern Deutschland und Frankreich den 55. Jahrestag der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags. Aus diesem Anlass haben die Bertelsmann-Stiftung und das Deutsch-Französische Institut eine Studie zu deutsch-französischen Städtepartnerschaften veröffentlicht. WimS-Grenzenlos stellt die Ergebnisse vor und zeigt lebendige Beispiele von saarländischen Gemeinden mit teilweise über 50-jähriger Freundschaftsgeschichte.

Den ersten Bericht über eine Städtepartnerschaft im Saarland findet man im SR-Archiv aus dem Jahr 1964: „Als erste Stadt im Saarland hat Dudweiler den Schritt über die Grenze getan. Mitglieder des Stadtrates, der Verwaltung, der Kirchen und Schulen, des Verkehrsvereins und verschiedener anderer Organisationen folgten gemeinsam einer Einladung der Stadt Saint-Avold zu einer offiziellen Partnerschaftsfeier.“

Als in den Sechziger Jahren die ersten deutsch-französischen Städtepartnerschaften ins Leben gerufen werden, steht zunächst die Vergangenheitsbewältigung im Vordergrund. Nach den Weltkriegen bemüht man sich um Aussöhnung und ein friedliches Europa. Beide Seiten wollen verhindern, dass es jemals wieder zum Krieg zwischen den ehemaligen Erzfeinden kommt. Im Bericht heißt es: 

„Bürgermeister Klein von Saint-Avold zeigte sich vor allem durch die Anteilnahme hoher deutscher Politiker überrascht und erfreut. Bundeskanzler Erhard, Ministerpräsident Röder, Dr. Adenauer, Willy Brandt, Erich Mende schickten den neuen Partnerstädten Glückwunschtelegramme.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 22.01.2018, Länge: 4:29 Min.]
Lebendiges Europa: Deutsch-französische Städtepartnerschaften aus dem Saarland

Schüleraustausch

Auch der Jugend soll der Friedensgedanke so früh wie möglich bewusst gemacht werden. Im Jahr 1976 berichtet das SR-Fernsehen beispielsweise über einen Schüleraustausch:

„Zurzeit ist eine sechste Klasse aus Saone zu Besuch in Ommersheim. Nach der Verwaltungsreform ist der Partnerschaftsvertrag auf die Gemeinde Mandelbachtal erweitert worden. Die französischen Kinder besuchen vierzehn Tage lang den Unterricht und lernen Land und Leute kennen.“

Französische Schülerinnen stellen während ihres Aufenthalts in Deutschland fest: „Wir essen viel Schwarzbrot.“ „Und viel Wurst.“ Saarländische Schüler machen beim Besuch in der französischen Gastfamilie folgende Erfahrungen: „Die essen immer am Schluss Käse.“ Und ein Junge erzählt: „Morgens um fünf Uhr steht er auf und geht, bevor er arbeiten geht, jeden Morgen Schnecken suchen.“

Ein bereichernder Blick über den Tellerrand. Denn durch die Besuche in den Gastfamilien wächst das Verständnis für andere Lebensweisen wie von selbst.

Freundschaften entstehen

Auch zu Festen und Sportveranstaltungen kommen die Partnergemeinden  zusammen. Dabei entstehen jahrelange Freundschaften, die sich sogar über mehrere Generationen fortsetzen - auch wenn nicht jeder die Sprache des anderen beherrscht. Denn bei den Gruppenaktivitäten ist immer jemand dabei, der übersetzen kann. Mathilde aus Saarlouis und Nicole aus Saint-Nazaire erinnern sich immer wieder gern an ihr erstes Kennenlernen. „Sie ist da gekommen und ist bisschen gestolpert. Und ich hab nur meine Arme aufgemacht. Und da lag sie mir in den Armen.“, erinnert sich Mathilde Groß. Nicole Boisrobet nickt lächelnd: „Für mich ist die Städtepartnerschaft etwas ganz Besonderes, weil ich hier Freunde gefunden habe. Nicht nur das. Ihre Freunde sind auch meine geworden. Das ist großartig.“

Die über 800 Kilometer Entfernung zwischen ihren Partnerstädten haben der Freundschaft nicht geschadet. Alltägliche Begegnungen sind so aber kaum möglich.

Partnerschaften zwischen dem Saarland und Lothringen

Aus diesem Grund ging man im Saarland dazu über, die Partner kurz hinter der Grenze zu suchen. So zum Beispiel bei Wustweiler und Woustviller in Lothringen. Ein Saarländer aus Wustweiler berichtet: „Viele fahren einfach von Wustweiler hierher nach Woustwiller mal sonntags Kaffeetrinken und unterhalten sich zusammen. Und das Gleiche passiert auch von hier nach Wustweiler im Saarland. Da gibt’s also absolut keine Schranken mehr. Da gibt’s keine Sprachbarrieren. Und das ist einfach sehr schön, das hier mitzuerleben und das mitaufzubauen.“

Ähnlich sieht das ein Lothringer aus Woustviller: „Wir haben dasselbe Platt wie die Saarländer. Da ist für uns das kein Problem, also für die älteren Personen von uns. Die jüngeren, die jetzt erst dreißig werden oder so, für die ist das jetzt schon schwieriger.“

Nachwuchsprobleme

Um mehr junge Leute zu gewinnen, tauschen die Partnerstädte Saarbrücken und Nantes seit zehn Jahren junge Botschafter aus. Claire Bourdon hat in Saarbrücken Austauschprojekte betreut und Studierende beraten. Nach einem Jahr blickt die junge Frau aus Nantes zurück: „Ich hab viele Leute kennengelernt. Sehr schnell. Und jetzt natürlich, ich werde sie vermissen. Und es ist so nah von Frankreich hier. Es war sehr praktisch hier immer sehr schnell in Frankreich zu sein, um meinen Käse zu kaufen.“

Viele Partnerschaften leiden heute unter Nachwuchssorgen. Der Krieg ist lange vorbei, die Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen vielerorts gelungen. Dennoch sind die Partnerschaften zwischen Städten und Gemeinden auch für die Zukunft wichtig, damit der europäische Gedanke weiter gelebt wird.

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