Eine Motorsäge liegt auf dem Boden  (Foto: SR)

Tour de Kultur: Das Motorsägenmuseum in Lauterecken

Der gut sortierte Hausmann hat gern immer das richtige Werkzeug zur Hand. Wer Bäume, Hecken oder Brennholz bearbeiten muss, der hat sicher auch eine Säge im Keller. Mathias Lukas besitzt nicht eine, sondern gleich 500. Viele von ihnen hat der gelernte Werkzeugmacher selbst wieder zum Laufen gebracht und führt sie Besuchern gern vor.

Unsere Reporterin Anna Becker ist zu Besuch bei Mathias Lukas in Lauterecken, der begeistert eine seiner Motorsägen startet. Der Sound des knatternden Motors erinnert ihn noch immer an seine geliebte Harley Davidson. Motorräder und Motorsägen - beide verbindet dieser ganz besondere Sound. „War das auch der Grund, warum Sie angefangen haben, diese Motorsägen zu sammeln?“, möchte Anna Becker von Mathias Lukas wissen.

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 15.01.2018, Länge: 5:38 Min.]
Tour de Kultur: Das Motorsägenmuseum in Lauterecken

„Ja, der Sound der Harley ist ja unübertrefflich. Und ich hab ja einige Jahre später, nachdem ich aufgehört habe zu fahren, das war im Jahr 2002, habe ich von einem Freund eine Motorsäge geschenkt bekommen. Eine alte Stilmotorsäge, die dem Ganzen entsprochen hat. Und durch diesen Zufall hab ich dann auch inseriert und bekam weiterhin sehr viele alte, schwere Motorsägen.“

Sie stehen mittlerweile in seinem eigenen Museum. Am Eingang noch immer die Harley – als Erinnerung daran, wie seine Sammelleidenschaft begann.

Die ersten Motorsägen wogen 100 Kilogramm

Das Herzstück seiner Ausstellung ist eine Motorsäge der Firma Sector. Gebaut 1917 oder 1918 und nach Aussage von Mathias Lukas bewiesenermaßen die älteste, noch existierende Heeressäge der Welt:

„Das ist eine Viermannsäge. Ein Mann, der hat hier am Motor gestanden, hat den Motor bedient. Die anderen, die konnten dann hier den Sägebogen halten: Zwei Mann haben gehalten und der dritte Mann hat den Sägebogen dann in den Baum hinein geschoben und hat dann gesägt. Und der Mann hier am Motor, der konnte dann mittels dem Hebel, da konnte der den Gashebel, sag ich mal, betätigen.“

Vier Mann braucht man auch, um die Säge zum nächsten Baum zu tragen, denn sie wiegt etwa 100 Kilogramm.

Bedienung nur mit Motorsägenführerschein

Deshalb führt Mathias Lukas lieber eine etwas leichtere Zwei-Mann-Kettensäge vor - gemeinsam mit seiner Frau Christine. Sie hat ihrem Gatten zuliebe den Motorsägenführerschein gemacht.

Reporterin:„Ihr Mann hat mir erzählt, dass er die Motorsägen am Angang sogar im Schlafzimmer gelagert hat. Wie war das?“

Christine Baldauf-Lukas: „Schlafzimmer, Wohnzimmer, auf dem Balkon, sie waren überall die Sägen. Und er hat auch mitten im Wohnzimmer hat er gesessen und dran rum geschraubt. Ich hatte kaum noch Platz, um in die Küche zu gehen. Und das war nicht so gut.“

Viele Stunden Bastelarbeit

Mathias Lukas wirft eine Bogensäge aus den USA an, 70er Jahre, ein Zylinder, 6 PS. Um solche alten Maschinen wieder zum Laufen zu bringen, bastelt der gelernte Werkzeugmacher oft mehrere Wochen.

Reporterin: „Ist das für Sie auch dieser Reiz oder das was Spaß macht: Das Tüfteln an den Maschinen?“

Mathias Lukas: „Ja, der Reiz daran ist ja, so eine alte Maschine wieder zum Leben zu erwecken. Das reizt mich unwahrscheinlich. Gerade wenn sie sehr runtergekommen ist und dann nochmal so eine richtige, funktionsfähige Maschine daraus herauszuarbeiten.“

Über 500 Motorsägen in der Sammlung

Die Ausstellung von Mathias Lukas ist auf zwei Stockwerke verteilt. Anna Becker macht sich auf Erkundungstour durch den Wald aus Motorsägen:

„Hier drin lässt Herr Lukas natürlich keine Motorsägen laufen. Aber die funktionieren ja fast alle noch und deshalb riecht es hier trotzdem überall nach den Maschinen, nach diesem Öl. Der Raum da, der hat mich schwer beeindruckt. Aber das ist noch lange nicht alles, denn Herr Lukas besitzt über 500 von diesen Motorsägen.“

Er kauft sie im Internet oder auf Urlaubsreisen, tauscht mit anderen Sammlern. Darunter sind Sägen mit Elektroantrieb, mit Benzin- und mit Dieselmotor. Seine neueste Errungenschaft funktioniert mit Hydraulik.

Trotz seiner Begeisterung für die Kettensäge sieht Mathias Lukas auch die negativen Folgen ihrer Erfindung: Die schnellere Abholzung der Wälder. „Tun Sie irgendetwas aktiv dafür, damit wieder Wald nachwächst.“, fragt Anna Becker nach. Mathias Lukas nickt:

„Ja, also ich habe mir zur Aufgabe gestellt, dass ich den Wald so wie ich kann, aufforste. Ich bekomme von meinem Förster Jungbäume, die ich dann im Frühjahr setze, damit auch die nächsten Generationen was vom Wald haben.“

Sammler aus Leidenschaft

Und dann schlägt auch für unsere Reporterin die Stunde der … Säge. Da sie weder Schutzkleidung noch Motorsägenführerschein besitzt, muss sie von Hand ran. Während Anna Becker sich mit einer ganz gewöhnlichen Säge abmüht einige Zentimeter tief mit dem Sägeblatt in den Baumstamm vorzudringen, sägt Mathias Lukas mit Leichtigkeit eine Baumscheibe nach der anderen ab. Nach dreißig Sekunden Säge-Wettbewerb steht der Sieger fest.

Reporterin: „Also hier sieht man ganz genau: Vielleicht vier fünf Zentimeter hab ich geschafft, aber die Motorsäge, die hat mich ganz klar geschlagen. Und zum Abschluss, sägen wir jetzt noch zusammen. Mit was für einer Säge?“

Mathias Lukas: „Das ist eine alte Drumsäge. Das ist eigentlich das Vorgängermodell, der modernen Zwei-Mann-Kettensäge.“

Mit der ist das Von-Hand-Sägen einfacher und zu zweit macht es auch mehr Spaß. Die Begeisterung und Energie, mit der Mathias Lukas seit Jahren sein Museum betreibt, davon möchte man sich gerne eine Scheibe abschneiden.

 Adresse:

Motorsägenmuseum
Christine Baldauf-Lukas & Mathias Lukas
Saarbrücker Straße 10
67742 Lauterecken
Telefon: 06382 – 63 55
E-Mail: mcbl@acor.de
Internet: www.motorsaegenmuseum-lauterecken.de
Besichtigungstermine nach Vereinbarung

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