Grange aux Coqs (Foto: SR)

Ferien beim Nachbarn: umgebautes Bauernhaus mit tierischem Anschluss im Elsass

Ittenheim ist ein Ort mit typischen Bauernhäusern. Eines davon ist „La Grange aux Coqs“, erbaut um 1800. Letztes Jahr hat Marie Winter, die auch aus dem Ort stammt, das Gebäude gekauft und zum Gästehaus umgebaut. Die Zimmer mit Holzwänden, Parkett und schön restaurierten Möbeln tragen lustige Namen wie „Hühnerhof“, „Hahnenzimmer“ und „Hühnerstange“.

Solange die Bewohner von Ittenheim denken können, heißt dieser Hof „La grange aux Coqs“ - die „Scheune der Hähne“.  200 Jahre ist er nun alt. Vor einem Jahr ist Marie Winter mit ihrem Mann und den beiden kleinen Kindern im Wohnhaus eingezogen und hat die Nebengebäude für Gäste eingerichtet. Marie ist hier im Ort aufgewachsen und kennt den Hof aus ihrer Kindheit. Als sie hörte, dass er zum Verkauf steht, rief sie sofort die damaligen Besitzer an. Ihr war klar – jetzt ist der Moment, um ihr lange gehegtes Gästehaus-Projekt umzusetzen:

„Das ist ein Haus, in dem man sich außerordentlich wohl fühlt. Ich bin von Natur aus etwas ängstlich. Wir haben vorher in einem kleinen Haus in Oberschaeffolsheim gewohnt. Dort hatte ich Angst alleine zu bleiben. Hier bin ich in einem riesigen Hof und fühle mich einfach wohl.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 08.01.2018, Länge: 6:03 Min.]
Ferien beim Nachbarn: umgebautes Bauernhaus mit tierischem Anschluss im Elsass

Frühstücksbuffet für ihre Gäste gibt es im ehemaligen Stall, den schon die Vorbesitzer zu einem Wohnraum umgebaut hatten. Hund Jimmy darf während des Frühstücks nicht mit rein.

Tierische Mitbewohner

Bevor Marie ihr Gästehaus eröffnete, hatte sie 15 Jahre bei einer Bank gearbeitet - und dort regelmäßig Konferenzen in sterilen Räumen organisiert. So kam ihr die Idee, etwas Besseres anzubieten und ihren Frühstücks- und Aufenthaltsraum auch an Unternehmen zu vermieten. Einige Tagungen haben bereits stattgefunden und die gemütliche Atmosphäre scheint gut anzukommen. Marie erinnert sich noch gut an die Anfänge:

„Beim ersten Seminar wusste ich nicht genau, was ich mit meinen Tieren machen sollte. Sie sind Teil meines Lebens und meines Tagesablaufs. Anfangs habe ich zu den Konferenzteilnehmern gesagt: Vorsicht, es könnten Tiere hereinkommen. Und beim letzten Mal lag dann während einer Stunde Fortbildung die Katze unter dem Tisch. Mein Hund lief dort herum, die Hühner klopften ans Fenster – und die Teilnehmerinnen waren begeistert.“

Die drei Gästezimmer befinden sich in dem Haus, in dem früher die Mägde oder Knechte lebten. Jetzt ist es schicker. Dementsprechend kostet ein Doppelzimmer 110 Euro für eine Nacht.

Innerhalb von nur fünf Monaten haben Marie und ihr Mann Martin alles renoviert und dabei die Räume möglichst so belassen, wie sie waren. In der ersten Etage – dort wo früher der Heuboden war – ist nun das Zimmer „Hühnerstange“ für vier Personen. Marie führt durch das Zimmer und erklärt die Details:

„Das ist die alte Leiter, die auf der anderen Seite zum Heuboden hinaufführte. Die Geländer sind die alten Futterkrippen, die noch in der Scheune standen. Wir konnten dieses Zimmer also komplett mit Sachen gestalten, die schon vor Ort waren.“

Auch im „Zimmer des Hahns“, der ehemaligen Stube der Bediensteten, ist vieles selbst gemacht: Die Überdecke haben Maries Mutter und Großmutter gestrickt und im Patchworkstil genäht.

Sebstgestaltete Möbel und Dekoration

Marie hat sich von ihrer Mutter inspirieren lassen und gestaltet, seit sie das Haus gekauft hat, die Möbel selber. Gerade arbeitet sie an einem Buffetschrank für den Konferenzraum.

„Unser Ziel ist es, übermäßigen Konsum zu vermeiden. Wir lieben es nach Antiquitäten zu suchen. Ich schaue mich zum Beispiel auf Trödelmärkten nach Möbeln um, die mir gefallen. Damit möchte ich meinem Haus eine Seele geben.“

Das Haus liegt in einer ruhigen Straße. Schräg gegenüber Maries Elternhaus. Ihre Mutter, Michèle Kauffmann, hat seit ihrer Pensionierung vor gut 18 Jahren Kunst und Dekoration für sich entdeckt. Die frühere Juristin bastelt Objekte aus Draht, recycelt und malt mit Acrylfaben – vor allem Tiere. „Histoire d‘anes et d‘autre“ hat sie ihr Atelier genannt – „Geschichte von Eseln und anderen“. Gearbeitet wird im lichtdurchfluteten Atelierhäuschen im Garten. Im Wohnhaus hat sich Michèle Kauffmann ein kleines Geschäft eingerichtet. Aber in den letzten Monaten war sie hauptsächlich mit Maries großem Projekt beschäftigt:

„Sie hat mir erlaubt die ganze Dekoration mitzugestalten. Auch bei der Ideenfindung. Wir haben zusammen darüber nachgedacht und die Sachen umgesetzt. Wir haben zusammen recycelt, die Balken mit dem Sandstrahler bearbeitet. Wir waren schon immer Komplizinnen, aber das Projekt hat uns noch näher zusammengebracht, insofern das überhaupt möglich ist.“

Marie organisiert für Gäste, die ein Souvenir suchen, gerne einen Besuch bei ihrer Mutter. Und auch sie findet hier immer wieder eine neue Dekoration, für ihren „Grange aux Coqs“.

Adresse:

La Grange aux Coqs
Marie Winter
12 Rue de la Mairie
67117 Ittenheim
Telefon: 0033 (0)6 82 98 75 59
E-Mail: marie@lagrangeauxcoqs.com
Internet: www.lagrangeauxcoqs.com

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