Radio im Stil der 50er (Foto: SR)

Ausgefallen: Ein Leben für die 50er Jahre

Coralie liebt die 50er Jahre und ist Fan des Retro-Stils. Deshalb zieht sie privat fast ausschließlich Kleider mit viel Glitzer und Schleifen an. Beruflich tritt Coralie alias „Coco Das Vegas“ zusammen mit der von ihr gegründeten Gruppe „Pin'up d'Alsace“ als sogenannte Burlesk-Stripperin auf. Bei dieser ziemlich jugendfreien Form des Striptease stehen künstlerischer Ausdruck und originelle Kostüme im Vordergrund.

Coralie lebt zwar nicht in den 50er Jahren, doch das wäre ihr Traum. Sie ist Fan des Retrostils und versucht, diese Epoche nachzuleben. Zumindest was die Mode betrifft. „Ich besitze fast nur Kleider.“, gesteht Coralie und nimmt eines aus ihrem Schrank. „Dieses hier ist mein Lieblingsstück. Es ist einem Kleid aus den Fünfzigern nachempfunden. Ich finde es sehr elegant, es bringt die weiblichen Formen gut zur Geltung, betont die Taille und hebt das Decolleté hervor. In einer Jeans käme ich mir verkleidet vor. Also manchmal trage ich eine, aber ich fühle mich nicht wohl darin.“

Die Liebe zu den 50ern findet sich auch in ihrer Wohnung wieder. Coralie sammelt Accessoires aus dieser Zeit, manche davon sind Erbstücke. Coralie deutet ins Wohnzimmerregal: „Das ist das Radiogerät meiner Oma. Während des Krieges hat sie damit die Reden De Gaulles gehört. Es ist ein Langwellengerät, damit kann man auch englische Sender empfangen. Und es funktioniert immer noch.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 08.01.2018, Länge: 5:32 Min.]
Ausgefallen: Ein Leben für die 50er Jahre

Ihr Style kommt an

Coralies größter Fan ist ihre Tochter Agathe. Sie liebt die ausgefallenen Kleider ihrer Mutter. „Da sind Diamanten, Schleifchen und Pailletten.“, schwärmt die Kleine. „Es ist schön, wenn sie sich damit bewegt.“ Und wenn Agathe mal groß ist, wie will sie sich dann anziehen? „So wie sie.“

Inmitten des aktuellen, lässig-bequemen Looks gibt Coralie auf der Straße ein ungewöhnliches Bild ab. „Oft sind es die Großmütter, die zu mir kommen und mir Komplimente machen.“, erzählt Coralie. „Sie finden, dass ich gut gekleidet bin, dass ich hübsche Schuhe trage. Also meistens reagieren die Leute positiv.“

Auf der Arbeit – ohne Kleider

In ihrem Beruf zieht sie sich jedoch anders an oder besser gesagt aus. Denn Coralie, alias Coco Das Vegas, ist Burlesk-Stripperin. Bei dieser ziemlich jugendfreien Form des Striptease stehen künstlerischer Ausdruck und originelle Kostüme im Vordergrund. Amerikanische Chearleaderin, Elsässerin oder Pariserin der 20er Jahre: Das sind nur ein paar ihrer Lieblingsrollen. Für ein Basiskostüm muss sie mindestens 300 Euro hinlegen. Coco kauft sie meistens im Internet und peppt sie dann an ihrem Nähtisch auf. „Wenn du jeden einzigen Strassstein einzeln aufnähen oder -kleben musst, dauert das eine Ewigkeit.“, weiß Coralie aus Erfahrung. „Ich habe mal ein ganzes Paar Schuhe damit beklebt. Dann ziehst du sie an und alles fällt ab!“

Jedes Detail hat seinen Preis, für 200 winzige Swarowski-Kristalle beispielsweise zahlt Coralie rund 50 Euro.

Nicht alle Hüllen fallen

Ein anderes wichtiges Accessoire sind Nippies, erklärt Coralie: „Nippies“ sind ein Schmuck,  mit dem man die Brustwarzen bedeckt. Wenn sie gut halten, kann man sie im Kreis drehen. Es ist nicht leicht, sich vor Leuten auszuziehen. Wenn das Publikum richtig gut ist, mitmacht und dich anfeuert, dann macht es Spaß. Aber wenn die Leute nur untereinander reden und dich nicht mal ansehen, fühlst du dich allein und schmutzig.“

Coralie ist keine Exhibitionistin, sondern eher schüchtern. Im Rampenlicht, mit Musik und Inszenierung, ist Ausziehen für sie Teil der Show. Im Alltag dagegen, zum Beispiel im Schwimmbad, mag sie es nicht, nackte Haut zu zeigen: „Ohne Strumpfhose und hohe Absätze kann ich nicht den Po rausstrecken, um eine gute Figur zu machen. Dann bin einfach nackt wie jeder andere und fühle mich sehr unwohl dabei.“

Burlesk-Striptease will bezaubern

Eine Bar in Straßburg, hier findet heute Abend Cocos Show statt. Doch sie tritt nicht allein auf, sie hat ihre eigene Burlesk-Striptease-Gruppe gegründet: die Pin'ups d'Alsace. Eine der Tänzerinnen stellt klar: „Mit unserer Show erzählen wir immer eine Geschichte. Wenn wir auf die Bühne gehen, stellen wir nicht einfach nur eine Nummer vor, sondern es gibt immer einen roten Faden.“ „Burlesk-Striptease will den Zuschauer nicht erregen, sondern bezaubern.“, ergänzt ihre Kollegin.

Von Eifersucht keine Spur

Noch ein bisschen Glitzer und ab geht's auf die Bühne. Aus den Kulissen beobachtet sie dabei voller Stolz Ehemann Vincent, der auch eine Nummer in der Show hat: „Mir gefällt es, dass sie den Blick der Männer auf sich zieht, und dass sie ihnen auch gefällt. Das schockiert mich nicht, und eifersüchtig bin ich auch nicht, im Gegenteil. Ich finde, dass der Burlesk-Striptease eine neue, weibliche Seite an ihr hervorgebracht hat. So etwas hätte sie sich früher nicht getraut. Das alles hat ihr mehr Selbstvertrauen gegeben.“

Was für Coralie vor einigen Jahren als Hobby begann, wird langsam zu einer erfolgreichen Karriere. Noch sind die „Pin'ups d’Alsace“ vor allem im Elsass bekannt, doch sie hoffen auch auf Zuschauer aus Deutschland.

Kontakt:

E-Mail: contact@pinupdalsace.com oder cocodasvegas@gmail.com
Internet: www.pinupdalsace.net

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