Theater Mirecourt (Foto: Stadt Mirecourt)

Gerettet: Das Theater von Mirecourt wird restauriert

Das Theater ist das älteste Gebäude der Stadt in den Vogesen. 1950 wurde es geschlossen und verfiel zunehmend. Bis eine Spendenaktion ins Leben gerufen wurde. Nun nimmt die Stadt unter Mithilfe der Einwohner die Renovierung des einst prächtigen Theaters in Angriff.

Alter Glanz und rauschende Feste. Unter der dicken Staubschicht kann man sie noch erahnen. 1950 fiel hier der letzte Vorhang. Die Jahrzehnte haben dem Theater ziemlich zugesetzt. Vieles ist marode, Teile des Gebäudes sind einsturzgefährdet. Nun kommt wieder Leben ins Haus. Zunächst allerdings noch außerhalb der Bühne.

Einer, der die Bauarbeiten genau verfolgt, ist Jean Paul Rothiot. Der Historiker aus Mirecourt kennt die Geschichte dieser „Perle“ bis ins letzte Detail:

„Das ist ein Theater im italienischen Stil mit diesen Rundungen, den Logen und all den Verzierungen, die man hier sieht. Unten ein Fries mit Rosen und darüber diese kleinen Medaillons, die mit verschiedenen Figuren geschmückt waren. Leider sind diese kleinen Köpfe nicht mehr erhalten.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 08.01.2018, Länge: 5:51 Min.]
Gerettet: Das Theater von Mirecourt wird restauriert

Erst Kapelle, dann Theater

Das Gebäude war ursprünglich nicht ein Ort des „Amusements“, sondern der Andacht. Bis zur Französischen Revolution war es die Kapelle eines Klosters, erzählt Jean Paul mit leuchtenden Augen:

„Hier auf der Bühne sind wir im Chor der ehemaligen Kapelle, die im 18. Jahrhundert entstanden ist. Man erkennt es an der Malerei am Deckengewölbe. Es ist die einzige, die noch von der religiösen Nutzung zeugt. Das muss unbedingt erhalten bleiben.“

Die Revolution machte die Umnutzung möglich. Das Kloster fiel in Besitz der Stadt und die richtete 1823 das Theater darin ein. Bis zu 550 Zuschauer verfolgten die Aufführungen. Es avancierte zur zweitwichtigsten Bühne in den Vogesen. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg musste es geschlossen werden.

Großes Bauvorhaben mit hohen Kosten

Nach 67 Jahren Stillstand geht es nun ziemlich schnell. Unter einem Schutzdach wurde das Gebäude stabilisiert, der Dachstuhl komplett entkernt. Zur Zeit werden neue Balken eingesetzt. Danièle Chiaravalli, der stellvertretende Bürgermeisterin von Mirecourt, erklärt, warum es doch so lang gebraucht hat, um das Theater zu renovieren:

„Die Stadtverwaltung hat bisher nicht den Willen gezeigt, das Theater erhalten zu wollen. Und dann war es natürlich eine Frage des Geldes. Die Stadt hatte nie die nötigen Mittel, um solch ein kolossales Bauvorhaben zu stemmen. Doch da das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wurde, sind wir nun quasi gezwungen es zumindest vor Wind und Wetter zu schützen.“

Ein neues Dach und geschlossene Fenster sind das Ziel der ersten Bauphase. Finanziert wird sie zum Großteil durch Staat, Region und Department. Ein Fünftel muss von der Stadt und durch Spenden aufgebracht werden.

Eines der ältesten Gebäude der Stadt

Für ganz andere Zahlen interessiert sich Willy Tegel. Der Archäologe aus Freiburg wurde beauftragt, das Alter der Dachbalken festzustellen:

„Der Dachstuhl ist relativ homogen von 1723 aus der Barockzeit. Es gibt aber noch Balken, die unteren Schwellen, die von dem Vorgängerbau sind. Das war mal eine Kirche und das sind die alten Schwellbalken von dem früheren Dachstuhl. Und so konnten wir auch diesen Vorgängerbau bei 1586 datieren.“

…der Beweis, dass das Gebäude zu den ältesten Mirecourts zählt. Für Danièle Chiaravalli ein Grund mehr es zu erhalten:

„Wir hoffen, dass aus dem alten Theater mal ein Konzertsaal wird, in dem kulturelle Veranstaltungen stattfinden können. Wie zum Beispiel unseren internationalen Violinenwettbewerb und das Festival klassischer Musik, die wir alle zwei Jahre veranstalten. Derzeit haben wir keinen geeigneten Ort dafür.“

„Endlich bewegt sich etwas“

Jean Paul Rothiot hat mit einem Verein jahrelang dafür gekämpft, dass Mirecourt mit dem Theater wieder ein kulturelles Zentrum bekommt:

„1988 behauptete die Stadtverwaltung, dass das Theater nicht mehr zu retten sei und abgerissen werden müsse. Stattdessen wollten sie dort einen Parkplatz für die benachbarte Schule bauen. Um das zu verhindern, hat unser Verein Einspruch erhoben. Wir haben eine Petition ins Leben gerufen, die sehr viele Unterschriften erhielt. Wir haben alles in Bewegung gesetzt, um das Theater zu retten.“

Noch sind viele Fragen offen: Wird das Theater wieder im Originalzustand aufgebaut oder modernisiert? Und was wird aus den Überresten der Kapelle? Jean Paul Rothiot weiß darauf noch nicht alle Antworten, aber er ist optimistisch:

„Seit zwanzig Jahren engagiere ich mich nun schon für das Theater. Es ist eine große Freude zu sehen, dass sich jetzt endlich etwas bewegt.“

Bleibt zu hoffen, dass es nicht noch einmal 60 Jahre dauert, bis hier auch wieder applaudiert wird.

Weitere Informationen:

Förderverein des Theaters von Mirecourt
Amis du Vieux-Mirecourt Regain
Jean-Paul Rothiot, Président
167, rue de l’Eglise
88500 Frenelle-La-Grande
E-Mail: jean.paul.rothiot@gmail.com

Internet:
http://avmregain.free.fr
www.fondation-patrimoine.org/les-projets/theatre-de-mirecourt

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