Weihnachten wie vor 100 Jahren (Foto: SR)

Tour de Kultur: Weihnachten wie vor 100 Jahren - das Écomusée im Elsass

Das größte Freilichtmuseum Frankreichs ist wie ein elsässisches Dorf Anfang des 20. Jahrhunderts aufgebaut. Nicht nur die Häuser sind originalgetreu rekonstruiert worden. Auch den Alltag der Landbevölkerung kann man hier hautnah miterleben. Momentan bereiten sich die Mitarbeiter des Écomusée auf die Winter- und Weihnachtszeit vor. Beim Backen, Töpfern und Werkeln bekommen Besucher hier Einblicke in das Leben von früher.

Das „Écomusée d’Alsace“ hat sein weihnachtliches Gewand angelegt. Jedes Haus - jede Straße ist geschmückt mit Pflanzengirlanden und Lichtern. Mehr als 70 traditionelle Häuser aus dem gesamten Elsass wurden vor dem Abriss gerettet und hier wiederaufgebaut. So entstand ein richtiges kleines Dorf – ein Kulturerbe, das lebt. Genauso hätte es vor 150 Jahren aussehen können. Man hat hier im größten Freilichtmuseum Frankreichs nicht nur die Häuser originalgetreu rekonstruiert, sondern kann auch das Leben der Landbevölkerung miterleben. Zurzeit bereiten sich hier alle auf die Winter- und Weihnachtszeit vor und geben den Besuchern Einblicke in das Leben von früher.

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 11.12.2017, Länge: 5:37 Min.]
Tour de Kultur: Weihnachten wie vor 100 Jahren - das Écomusée im Elsass

In der Backstube duftet es ganz köstlich nach Gewürzen und Plätzchen. Sie ist zurzeit der beliebteste Ort im Écomusée. Jeden Tag finden Workshops statt, in denen Besucher ihre eigenen Lebkuchen, „Winachtsbredele“ oder Hefemännchen backen.

Im Museumsdorf kann man selber backen, töpfern oder basteln

Das Traditionsgebäck im Elsass sind die „Bredele“. Vom Rezept her ganz ähnlich unserem „Ausgestochenen“. Weihnachtsbäckerin Funda Kara erklärt gern, wie die Tradition der Bredele im Elsass entstanden ist.

“Wir haben erste Erwähnungen aus dem 14. Jh. - zu Beginn hat man für die Bredele hauptsächlich Mehl, Eier und ein bisschen Fett verwendet. Als Fett hat man oft Sahne genommen. Zu Beginn hatte man auch keine Ausstechformen. Man hat einfach ein Messer genommen und damit geometrische Figuren gemacht: Dreiecke, Vierecke, sogar Kreise. Die Ausstechformen gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert.“

Das Wort „Bredele“ ist übrigens elsässisch und kommt vom Wortstamm „Brot“ – was sich auf den Teig bezieht. “Das Grundrezept der „Bredele“ lässt sich beliebig erweitern - mit Zimt, Anis oder Kakao – je nach Laune.

Noch bis Ende des Monats gibt es im Écomusée jede Menge Bastelworkshops, Erzählrunden oder Theaterstücke, die sich alle mit dem Thema Weihnachten befassen. Alles sehr einfach und mit natürliche Materialien – ein angenehmer Kontrast zur hektischen Vorweihnachtszeit in den Städten.

In der Töpferei entstehen heute Krippenfiguren aus Ton. Eine ganz schön matschige Angelegenheit, bei der man seiner Fantasie freien Lauf lassen kann.

Der Alltag war damals nicht immer idyllisch

Bei so viel Idyll könnte man meinen, das Leben der Landbevölkerung vor über hundert Jahren war einfach nur schön. Museumsdirektor Eric Jacob rückt dieses Bild zurecht.

“Man könnte meinen, man sieht hier eine schöne Postkarte vom Elsass der damaligen Zeit, wo alles herrlich rosig war. Aber so war es eben nicht. Man sieht es vielleicht nicht auf den ersten Blick, aber wenn man z.B. die Werkstatt des Schmieds besucht, der noch so arbeitet wie früher - wenn man umhüllt ist vom Rauch und vom Lärm, dann bekommt man einen Eindruck davon, wie es früher wirklich war. Vor allem aber haben wir in unserer Museumsbuchhandlung Dokumente, die dieses falsche Bild korrigieren. Wir haben letztes Jahr ein großes Buch mit 11 DVDs herausgebracht mit Filmen, in denen wir zeigen, wie hart das wirkliche Leben auf dem Land zu Beginn des 20 Jh. wirklich war. Es war verdammt hart. Einer unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter erzählt immer die Geschichte seines Großvaters, der eines Morgens im Winter nicht aus dem Bett kam, weil sein Rücken an der Wand des Hauses festgefroren war.“

Raue Zeiten also und kein Postkartenidyll – aber das Écomusée verströmt zurzeit so viel Behaglichkeit, dass man die Reise in die Vergangenheit gerne antritt. In den Abendstunden wird es hier wildromantisch mit den ganzen Lichtern, die über das Museumsdorf verteilt sind, aber es wird auch eiskalt. Ganz egal ob es leckere Plätzchen sind oder aber wie man sein Haus mit natürlichen Materialien schön dekorieren kann. Bei einem Besuch im Ecomusée d’Alsace kann man jede Menge mitnehmen.

Adresse:

Ecomusée d’Alsace
Chemin Grosswald, 68190 Ungersheim
Telefon: +33 (0)3 89 74 44 74
Internet: www.ecomusee.alsace

Öffnungszeiten in der Weihnachtszeit (bis 7. Januar 2018): 10.30 Uhr – 18.30 Uhr

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