Gästehaus La Cave aux Coquillages (Foto: SR)

Ferien beim Nachbarn: ein altes Winzerhaus mit Champagner und Muscheln

Patrice Legrand und seine Frau vermieten in ihrem alten Winzerhaus "La Cave aux Coquillages" in Fleury-la-Rivière drei Gästezimmer. Patrice ist Champagner-Winzer in der dritten Generation, hat die Produktion aber inzwischen an seinen Sohn übergeben und gräbt stattdessen mit Inbrunst nach Muscheln und Schnecken. Sein großes Projekt: eine Fossilien-Sammlung, die er in einer großen unterirdischen Galerie ausstellt. Er bietet auch Workshops an.

Patrice Legrand hat eine Passion: die Paläontologie. So oft er Zeit hat, geht er in den Keller und gräbt nach Fossilien. Vor allem die Riesenschnecke „Campanile Giganteum“ hat es ihm angetan. Eigentlich ist er Champagner-Winzer. Mittlerweile bewirtschaftet sein Sohn Thibaut die vier Hektar. Hier bei Fleury-la-Rivière liegen überall Muscheln zwischen den Rebstöcken. Sie waren der Ursprung für Patrices Leidenschaft, erinnert er sich:

„Als ich Kind war, haben wir zwischen den Reben Steine aufgesammelt. Das war eine ziemlich lästige Arbeit, die wir verrichten mussten. Aber dabei entstand meine erste kleine Fossiliensammlung. So ist das einfach gekommen – man kann sagen durch Sklavenarbeit.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 20.11.2017, Länge: 6:01 Min.]
Ferien beim Nachbarn: ein altes Winzerhaus mit Champagner und Muscheln

"Im Geiste mit den Gästen reisen"

Das Haus der Legrands liegt an der Hauptstraße und stammt aus dem 19. Jahrhundert. Vor gut zwanzig Jahren hat die Familie es gekauft und renoviert. Dahinter, unter dem Hügel, liegen die alten Champagner-Keller. Seit gut zehn Jahren beherbergen Patrice und seine Frau Anne auch Übernachtungsgäste. Das Frühstück serviert die Herrin des Hauses in ihrem privaten Wohnzimmer. Dazu gibt es Traubenkonfitüre, die Anne selbst gemacht hat:

„Wir haben uns gedacht, wir eröffnen Gästezimmer – wir hatten genug Platz. Und so kam ich wieder unter Menschen. Weil Patrice ständig buddelte, war ich ein wenig einsam. So kann ich mich mit den Leuten, die zu uns kommen austauschen und im Geiste mit ihnen reisen.“

Führungen durch den privaten Muschelkeller

Patrice ist unterdessen schon wieder im Keller – diesmal mit einer Besuchergruppe. Er führt sie durch sein 2011 eröffnetes Privatmuseum: „La cave aux coquillages“ - den „Muschelkeller“. Dafür hat er 300 Meter Galerien eigenhändig aus der kalkhaltigen Sandschicht gegraben und mit den alten Champagnerkellern verbunden. Sein Ziel: Die Fossilien an ihrem Fundplatz – bis zu 22 Meter unter der Erde – zu präsentieren. 300 verschiedene Muschel- und Schneckenarten hat er hier gefunden. Auch Seeigel und Haifischzähne. Der Star der Sammlung ist jedoch die Seeschnecke „Campanile Giganteum“. Von der es hier erstaunlich viele Exemplare gibt. Patric erklärt, warum die sich hier so gut erhalten haben:

„Über dem sehr homogenen Kalksand liegt eine Schicht aus Ton, die komplett wasserundurchlässig ist. Dadurch veränderte sich der Boden nicht und die Muschelschalen blieben erhalten.“

Patrice hat sogar Rekonstruktionen aus Harz anfertigen lassen – um eine Vorstellung davon zu geben, wie es hier einmal ausgesehen hat – vor 45 Millionen Jahren.

Champagner und Meeresfrüchte

Natürlich sind auch die drei Gästezimmer nach Meeresschnecken benannt. Eine Übernachtung kostet 80 Euro für zwei Personen. Die Zimmer liegen im ersten und zweiten Stock des Gebäudes, das früher Scheune und Heuschober war. Anne erinnert sich noch gut an die Renovierung:

„Wir haben gemauert, gezimmert und gestrichen – all diese handwerklichen Arbeiten haben wir selbst gemacht, um das Haus so umzugestalten, dass wir hier Gäste empfangen können.“

Im Erdgeschoss liegt der Aufenthaltsraum, in dem Anne den Gästen auf Bestellung Champagner bereitstellt. Die dazu passende Zimmerdekoration hat ihre Schwester gemalt.

Einen ganzen Tag lang graben und präparieren

Einige Gäste kommen extra für die Fossilien-Workshops. Ist Patrice gerade mit Führungen beschäftigt, erklärt seine Mitarbeiterin, die Archäologin Frederique, wie die Muscheln aus dem Kalkstein herausgearbeitet werden. Je nach Interesse kann man auch einen ganzen Tag mit Ausgrabungen und Präparation hier verbringen.

Thibault kostet unterdessen den Most. Er hat dieses Jahr ein neues, biologisches Verfahren eingeführt. Um dabei kein zu hohes Risiko einzugehen, hat er nur ein Drittel der Trauben gepresst und die restlichen verkauft.

„Ich liebe die Berge. Das hat mich dazu gebracht, den Weinanbau wieder stärker an die Natur anzulehnen. Wir benutzen jetzt nur noch natürliche Produkte. Keine Chemie, keinen Unkrautvernichter, keine Insektizide. Wir wollen wieder einen lebendigen Boden bearbeiten und den Weinstöcken helfen, eigene Abwehrkräfte zu entwickeln.“

Ihr erster Bio-Champagner wird in drei Jahren fertig sein. Doch bereits jetzt, erklärt Patrice, lässt sich schmecken, auf welchem Boden die Trauben gewachsen sind:

„Die Muscheln haben das Jod des Urmeeres gespeichert. Wenn sie zerfallen, geben sie es an den Boden ab. Dann wird es von der Pflanze aufgenommen und gibt dem Champagner seine Jod-Note.“

Deshalb – sagen die Legrands – passe ihr Champagner besonders gut zu Meeresfrüchten. Davon können sich bei einer Verkostung nicht nur Fossilien-Fans überzeugen.

Adresse:

 La Cave aux Coquillages
Anne und Patrice Legrand
39 rue du Bourg de Vesle
51480 Fleury-la-rivière
Telefon: +33 (0)3 26 58 36 43
Internet: www.geologie-oenologie.fr

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