Farbpalette in der historischen Farbmühle (Foto: SR)

Tour de Kultur: Zu Besuch in einer traditionellen Farbmühle

In den französischen Ardennen gab es früher viele Mühlen, in denen aus Erde Farben gemacht wurden. Heute ist es nur noch eine einzige, die auf traditionelle Weise Pigmente, also Farbpulver herstellt. In unserer Serie „Tour de Kultur“ erkundet Reporterin Anna Becker die Mühle in Écordal und geht dem Geheimnis der verschiedenen Farbtöne auf den Grund.

Bis in die französischen Ardennen ist man von Saarbrücken fast drei Stunden unterwegs. Die letzte Stunde führt durch bewaldete Hügel, kleine Örtchen und auf schmalen Straßen entlang von Maisfeldern. Jetzt steht Reporterin Anna Becker vor dem Eingang zur Farbmühle von Ecordal: "Eine Welt ganz in schwarz-weiß und Grautönen, das kann sich der Mann, den ich heute treffe, überhaupt nicht vorstellen. Denn sein Leben, das sind die Farben. Und deshalb wird es heute in Tour de Kultur richtig bunt."

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 23.10.2017, Länge: 5:20 Min.]
Tour de Kultur: Zu Besuch in einer traditionellen Farbmühle

Der Mann der Farben ist: Emmanuel Poix. In seinem kleinen Unternehmen stellt er ausschließlich natürliche Farben her, das heißt ohne chemische Zusätze. Der Ausgangsstoff für seine beiden wichtigsten Farbtöne ist ein gelber Erd-Hügel, erklärt er: "Unsere Erde kommt aus den Ardennen: wir nennen sie Siena-Erde der Ardennen. Sie wird etwa 15 Kilometer von hier abgebaut."

Siena deshalb, weil sie so gelb ist wie das berühmte Pigment aus der italienischen Stadt Siena.

Rohstoff aus den französischen Ardennen

Die gelbe Erde kann man direkt verwenden oder eine zweite Farbe daraus machen. Dafür wird kräftig eingeheizt. Im Inneren des Ofens wird sie unter Sauerstoffzufuhr auf 700 Grad Celsius erhitzt. Nach 10 Stunden kann Emmanuel Poix das Ergebnis begutachten. Aus einer Tonne gelber Erde ist das Wasser verdampft und 700 Kilogramm rote  entstanden.

"Was passiert im Inneren, dieser Erde, damit sich das verfärbt?", möchte unsere Tour de Kultur-Reporterin wissen. Emmanuel Poix nimmt einen der roten Brocken aus dem Ofen und zerreibt ihn in den Händen:

"Die gelbe Erde enthält Eisenoxid. Durch das Erhitzen verfärbt sich das Eisenoxid rot. Dank einer chemischen Reaktion im Inneren. So wird die Erde durch das Eisenoxid rot."

Die Maschinen in der Farbmühle sind zwar schon viele Jahrzehnte alt, funktionieren aber noch immer tadellos. Ohne Mundschutz geht hier nichts, denn die Maschinen zerkleinern das Material in winzige Partikel, zu sehr feinem Pulver, dem Pigment.

Familienbetrieb mit wechselvoller Geschichte

Der Grund dafür, warum das Unternehmen "Moulin à couleurs" heißt – Farbmühle ist der kleine Fluss Foivre. Anna Becker entdeckt ihn direkt hinter den Gebäuden:

"Bis etwa 1970 wurden die Maschinen hier mit der Kraft des Wassers betrieben. Aber diese Zeiten sind jetzt vorbei. Und es ist nicht das einzige, was sich hier verändert hat."

1866 begann die Produktion der Farben an der Foivre. Und weit über hundert Jahre lang war die Mühle in der Hand einer einzigen Familie. 1992 aber ging der letzte dieser Familie in Rente und Bernard Poix kaufte den Betrieb, der Vater von Emmanuel:

"Es war schon vorgesehen, dass ich mal im Betrieb meines Vaters arbeite. Zuerst aber wollte ich Erfahrungen in anderen Unternehmen sammeln. Aber dann kam es anders: Mein Vater ist ganz plötzlich an einem Herzinfarkt gestorben, als er eine Farbmühle in Südafrika besuchte. Und von einem Tag auf den anderen habe ich dann entschieden den Betrieb zu übernehmen, damit die Mühle weiterläuft, das alte Handwerk, die besondere Tradition. Ich bin da hineingerutscht. Aber am Ende war es eine bereichernde Erfahrung."

Aus Pulvern werden Farben

Neben der Erde aus der eigenen Grube verarbeitet der Betrieb auch Ocker aus dem Burgund und Schwarzerden aus Deutschland. Die fertigen Pigmente werden häufig bei der Restaurierung alter Gebäude genutzt. Kleine Mengen gehen an Privatleute oder Künstler. Um seinen Kunden aber ein Spektrum von 80 Farbtönen bieten zu können, verkauft Emmanuel Poix auch Pigmente, die er nicht selbst herstellt. In seinem Verkaufsraum kann man sich alle Pigmente in kleinen Gläschen ansehen.

"Wir haben jetzt hier das fertige Pulver. Aber wie macht man denn daraus jetzt Farben, die man tatsächlich benutzen kann, mit denen man malen kann?", möchte unsere Reporterin wissen. Emmanuel Poix lächelt:

"Damit kann man eigentlich alles färben, was man möchte. Einzige Voraussetzung: Man muss ein Bindemittel finden, einen Kleber, um das Pigment auf einen Träger aufzutragen. Man kann das Pigment zum Beispiel mit Ei vermischen, dann bekommt man Ei-Tempera. Oder mit Kalk, so wie hier auf der Wand. Man kann Ölfarben machen oder Acrylfarben. Oder die Pigmente in Zement oder Putz mischen. Eigentlich kann man alles färben, außer Nahrungsmitteln."

Welches Bindemittel man benutzt, hängt davon ab, was genau die Kunden planen. Wer Hilfe braucht, kann sich von Emmanuel Poix beraten lassen. Außerdem bietet er regelmäßig Führungen an, durch die Produktionshallen und den Verkaufsbereich.

Nach einem Tag in der Farbmühle sind die Hände unserer Reporterin an einigen Stellen gelb, rot und schwarz verfärbt. Auch ihre Schuhe haben etwas von den Pigmenten abbekommen: "Ich bin zwar keine Malerin und ich habe auch nicht vor zu Hause die Wohnung zu streichen. Aber der Besuch hier in der Farbmühle in Écordal, der war trotzdem spannend. Und er hinterlässt jede Menge Spuren."

Adresse

Le Moulin à Couleurs
Emmanuel Poix
4, hameau Bonne Fontaine
08130 Ecordal
Frankreich
Telefon: 0033 324 71 22 75
E-Mail: contact@moulincouleurs.fr
Internet: www.moulincouleurs.fr

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