Bier Nationalmuseum Luxemburg (Foto: SR Fernsehen)

Tour de Kultur: das luxemburgische Biermuseum in Wiltz

Luxemburg hat eine überraschend vielseitige Brautradition. Schon 1300 haben Benediktinermönche auf dem Altmünster-Plateau Bier produziert. Im Nationalen Braukunstmuseum in Wiltz kann man sich nicht nur die luxemburgische Bier-Geschichte anschauen, sondern auch Bier kosten und - unter Anleitung - selbst brauen.

Reporter Michael Schneider steht mit einer Schaufel ausgerüstet neben einem bronzefarbenen Braukessel:

„Diese Folge von Tour de Kultur wird garantiert nicht alkoholfrei. Ich braue heute mein eigenes Bier. Und dabei hilft mir Fabien. Er ist Braumeister im Nationalen Biermuseum in Luxemburg. Und erklärt mir, was wir jetzt zuerst machen müssen.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 09.10.2017, Länge: 5:04 Min.]
Tour de Kultur: das luxemburgische Biermuseum in Wiltz

Fabien Claude zeigt auf einen Bottich mit Getreide:

„Du schüttest jetzt erstmal das zermahlene Malz ins heiße Wasser. Diese Phase nennen wir einmaischen. Wenn du das alles da reingekippt hast, haben wir 10 Kilo Getreide auf achtunddreißig Liter Wasser.“

Bierbrauen mit Pfeffer oder Pflaumen

Rund 45 Liter Bier wollen die beiden damit heute ansetzen – Alkoholgehalt so um die 5 bis 6 Prozent. Temperatur und Einmaischzeit werden genau dokumentiert – jedes Bier aus der Mikrobrauerei bekommt so seinen ganz eigenen Steckbrief. Während Fabien Claude die Werte in eine Tabelle einträgt, fragt Michael Schneider:

„Sind hier alle Biere gleich, oder kann ich hier so ein bisschen mein Wunschbier herstellen?“

„Nun ja, wir sind ja nur eine ganz kleine Brauerei. Wir machen maximal 50 Liter Bier auf einmal. Da können wir uns erlauben, bei den Rezepten ein bisschen auszuprobieren. Wenn also jemand gerne Pfeffer beimischen will, weil er Pfeffer gerne mag – dann kann er das tun. Wenn jemand Pflaume beimischen will – dann kann er das auch. Es gab hier schon Gruppen aus Kartoffelregionen, die haben dann eben Bier mit Kartoffeln gemacht.“

Unserem Reporter reicht heute ein ganz normales Vollbier – das ist schon Arbeit genug. Die beiden beobachten die Filtration, messen den Zuckergehalt, müssen ab und zu die Temperatur nachjustieren. Fabien kennt sich schon lange aus mit Bier – obwohl er erst seit kurzem als Braumeister im Museum arbeitet. Die Stelle ist für ihn ein Glücksfall:

„Ich habe begonnen, mich für Bier zu interessieren, seitdem ich es selbst trinke. Also mit zwölf. Damals hatte ich eine Kronkorken-Sammlung. Später habe ich dann viele Spezialbiere probiert. Dann habe ich zunächst ein Studium als Bio-Ingenieur angefangen. Aber zu Hause habe ich auch immer mein eigenes Bier gebraut. Nur für den Eigenbedarf. Nie kommerziell. Also als Amateurbrauer.“

Geschichte der Luxemburgischen Brautradition

Reporter Michael Schneider schließt die glänzenden Deckel des Baukessels:

„Mein Bier arbeitet jetzt erstmal. Das dauert eine Weile. Und damit es nicht langweilig wird, kann man sich direkt nebenan die luxemburgische Biergeschichte anschauen.“

Die reicht erstaunlich lange zurück – in einem Land, das heute vor allem für seinen Wein bekannt ist. Doch schon vor über 6000 Jahren wurde hier Hopfen angebaut.

Gambrinus – König der Brauer

Und auch die Braukunst hat eine lange Geschichte. Das erklärt Claude Lorang von der luxemburgischen Gambrinus-Bruderschaft – einer Gemeinschaft von Braukunst-Begeisterten. Sie haben zusammen mit der Gemeinde das Nationalmuseum ins Leben gerufen, erklärt Claude Lorang:

„Insgesamt kann man sagen, dass ab dem Jahr 1300 von den Benediktiner-Mönchen auf dem bei Luxemburgern sehr bekannten Altmünster-Plateau gebraut wurde. Was dann auch als die Wiege der Braukunst betrachtet wird.“

Und die war lange sehr vielfältig, im Großherzogtum gab es unzählige Brauereien. Dann kam das Zeitalter der Industriebiere, und mit ihm starb auch ein Teil der alten Braukunst. Doch seit ein paar Jahren ist sie wieder da. Vor allem dank vieler Kleinst- und Heimbrauereien. Claude Lorang freut das:

„Natürlich kann man nicht den Trend verkennen: Seit circa 15 Jahren gibt es auch Gasthausbrauereien hier in Luxemburg. Die teilweise auch obergärig brauen. Und sehr verschiedenartige Biere. Nicht mehr nur Pilstyp oder Vollbier, wir gehen wirklich in ganz andere Richtungen. Und wir stehen in nichts irgendeiner anderen Biergegend nach, denke ich, was die Vielfalt der Biere anbelangt.“

Es darf probiert werden...

Vielfalt, die man im Museum natürlich auch probieren kann. In der Bierstube – ganz im Stil "Alt Luxemburg". Sie steht im Zeichen von Gambrinus – dem legendären König der Brauer. Und so etwas wie die gute Seele des Hauses im luxemburgischen Braukunstmuseum. Und so schließt unser Reporter Michael Schneider seinen Besuch mit einer Kostprobe ab. Gemeinsam mit Claude Lorang und Braumeister Fabien Claude hat er es sich an einem Tisch in der Bierstube gemütlich gemacht:

„Mein Bier darf ich heute leider nicht probieren. Denn das braucht noch ungefähr vier Wochen, bis es fertig ist. Aber die Auswahl ist ja groß genug hier. Was habe ich hier jetzt gerade?“

„Ein obergäriges Bier aus Hennerscheid, gebraut mit Buchweizen.“

„Na dann: Op de Gambrinus!“

Adresse:

Nationales Braukunstmuseum Luxemburg
35, rue du Château
L-9516 Wiltz
Telefon: (+352) 95 74 44
Fax: (+352) 95 75 56
E-Mail: info@touristinfowiltz.lu
Internet: www.biermuseum.lu

Öffnungszeiten:

Vom 1. September bis zum 30. Juni
Montag bis Samstag: von 9:00 bis 12:00 & von 14:00 bis 17:00
(oder auf Anfrage)

Vom 1. Juli bis zum 31. August
Montag bis Sonntag: von 9:00 bis 18:00

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