Kunst des Stoff-Wechsels: Europäisches Patchwork-Treffen im Elsass

Teil einer Patchworkdecke (Foto: SR)

Jedes Jahr im September verwandelt sich Sainte-Marie-aux-Mines im Nord-Elsass für ein paar Tage in ein Mekka für Patchwork-Fans. In der Schule, im Theater, in Turnhallen sowie Kirchen des Ortes und der drei Nachbardörfer stellen internationale Künstlerinnen ihre Näharbeiten aus. Über 1000 Werke sind zu sehen und in einer Vielzahl von Kursen geben Profis ihre Kenntnisse an Interessierte weiter. Unter den Dozenten ist auch eine Saarländerin. Anna Becker war auf Tuchfühlung.

Im 17. Jahrhundert entstand im Silbertal im Elsass die Glaubensgemeinschaft der Amischen, die Patchwork bekanntgemacht und perfektioniert haben. Zur Erinnerung an die Geschichte der Amischen gründete man vor über 20 Jahren das Internationale Patchworktreffen. Seitdem ist hier jedes Jahr die ganze Bandbreite dieser Handwerkskunst zu sehen.

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 11.09.2017, Länge: 05:35 Min.]
Kunst des Stoff-Wechsels: Europäisches Patchwork-Treffen im Elsass

Ihre Gemeinsamkeit: Alle Werkstücke sind aus kleinen Stoffstücken zusammengesetzt. „To patch“ heißt im Englischen so viel wie „flicken, oder ausbessern“. Patchwork ist aus der Not entstanden – aus kleinen Resten eine große, wärmende Decke nähen. Die Saarländerin Birgit Schüller hat die Handarbeitstechnik zu ihrem Beruf gemacht und gibt in Sainte-Marie-aux-Mines Kurse.

„Wenn man die Oberseite umdreht, sieht man auf der Rückseite, dass dieses Top aus mehreren oder ganz vielen Stoffstücken zusammengesetzt ist. Das ist die Patchwork Arbeit“, erklärt Birgit Schüller an einer unfertigen Decken, die noch in drei Schichten auf dem Tisch vor ihr liegt. „Dann doppelt man das Ganze mit einem Volumenfließ als wärmende Einlage. Das kann aus Wolle Polyester oder Baumwolle sein, oder auch aus anderen Naturmaterialien oder Kunstmaterialien. Und man braucht einen Rückseitenstoff. Und das Quilten, das sind die Stiche, die von Hand oder mit der Maschine durchgeführt werden können, die dann diese drei Lagen mehr oder weniger kunstvoll miteinander verbinden.“

Früher mühevolle Handarbeit, heute Kunst an der Maschine

In ihrem Kurs lernen die Teilnehmerinnen kunstvolle Muster, wie Sterne oder Blumen zu nähen. Mit einer speziellen Longarm-Maschine. Das Quilten wurde früher in mühevoller Handarbeit gemacht. Durch diese Stepp-Technik wurden die Werkstücke wärmer. Schon die alten Ritter trugen gepatchte und gequiltete Kleidungsstücke unter ihrer Rüstung. Im Kurs können die Teilnehmerinnen die Maschinen ausprobieren und unter Anleitung Techniken üben.

Birgit Schüller arbeitet seit Jahren professionell damit und zaubert wahre Kunstwerke auf den Stoff. Die Saarländerin gibt mittlerweile Kurse auf der ganzen Welt: „Für mich ist es Malen mit Nadel und Faden. Also ich kann kreativ sein, ohne hundertprozentig exakt sein zu müssen, kann mich aber besser ausdrücken, als mit Bleistift und Papier.“

Wie unterschiedlich die Ergebnisse dieser kreativen Arbeit jeweils sein können, wird in den vielen Ausstellungen deutlich. Über 1000 Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt, in 37 verschiedenen Ausstellungen. Zu bestimmten Techniken, Ländern, Farben oder Themen. Verteilt auf Sainte-Maire-aux-Mines und drei Nachbarorte.

Ein Treffen für Patchwork-Fans aus der ganzen Welt

Die Kurssprachen sind Englisch, Französisch und Deutsch. Die Teilnehmerinnen übersetzen sich gegenseitig. Sie sind aus ganz Europa angereist. Denn das große Angebot von so vielen speziellen Workshops ist eine Besonderheit des Patchworktreffens im Elsass.

“Patchwork hat mir schon immer sehr gut gefallen“, schwärmt eine Teilnehmerin aus Italien. „Und ich habe meine jüngste Tochter gebeten, mir einen schönen Ort auszusuchen, an dem ich einen Kurs besuchen kann. Also bin ich von Rom nach Karlsruhe gefahren und dann hierher.“

Gleich neben ihr näht eine Teilnehmerin aus Norddeutschland ein Muster auf den Stoff. „Nirgendwo in Deutschland ist es so konzentriert wie hier und so international, wie gerade hier. Es ist tatsächlich europäisch und darüber hinaus.“

Eine Patchwork-Begeisterte aus der Normandie freut sich über das vielseitige Angebot: „Für solche Kurse fahre ich normalerweise in die USA. Ich finde toll, dass es hier so viele Kurse gibt. Und natürlich das Festival, die Ausstellungen, die Seminare. Da kann man über mehrere Tage mit einem Dozenten an einem Thema arbeiten. Da kann man viel lernen.“

Um das Gelernte später zu Hause in die Tat umzusetzen, gibt es einen großen Stoffmarkt, auf dem man sich mit allem eindecken kann, was man dazu braucht. Unterschiedlichste Stoffe, Knöpfe und Fäden – aber auch schon fertig genähte Stücke. Ein wahres Paradies für Patchworkfans. Von denen sicher viele im nächsten Jahr wiederkommen.

Weitere Informationen

Das europäische Patchwork-Treffen in Sainte-Marie-aux-Mines findet vom 14. bis 17. September 2017 statt.
www.patchwork-europe.eu

Birgit Schüller
Schachtstr. 5
66292 Riegelsberg
Telefon: +49 (6806) 920 447
E-Mail: birgit.schueller@creativebits.biz
Internet: www.creativebits.biz

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