Villa Sequoia (Foto: SR)

Ferien beim Nachbarn: Lothringische Jugendstilvilla inmitten eines Parks

Hélène Lalegerie ist eher durch Zufall auf die Villa Séquoïa gestoßen, als sie ihren Sohn in die lothringische Provinz begleitete. Sie verfiel sofort dem Charme der Jugendstil-Villa und weil sie ohnehin gelangweilt war vom Leben in Paris, kaufte sie das alte Gemäuer und zog auf’s Land. Das Erdgeschoss hat sie für ihre Gäste hergerichtet. Jedes Zimmer in einer anderen Farbe und im Stil des Art Nouveau.

Direkt an der Maas am Ortsrand von Saint-Mihiel liegt ein Anwesen mit 500 Quadratmeter großem Park. Mittendrin eine Villa im schönsten Jugendstil. Die „VillaSéquoïa“. Ein Gästehaus, benannt nach einem der Bäume im Park.

Hélène Lalegerie ist zu dem enormen Anwesen gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde. Denn eigentlich hatte die Pariserin nie die Absicht aufs Land zu ziehen.

„Das hätte ich mir nie vorstellen können. Die Ereignisse haben sich quasi überschlagen – eher zufällig. Ich habe kein Haus gesucht. Als mein Sohn von einem Freund aus der Gegend eingeladen wurde, habe ich gesehen, dass man nur eine Stunde mit dem Schnellzug aus Paris braucht. Da hab ich mir gedacht, dass ich eine kleine Tour hierher mache. Das ist auch Teil meiner Arbeit, Orte zu besichtigen. Und ich habe mich in Paris etwas gelangweilt, glaube ich. Also habe ich beschlossen meine Wohnung dort zu verkaufen, um das Haus hier kaufen zu können.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 04.09.2017, Länge: 5:57 Min.]
Ferien beim Nachbarn: Lothringische Jugendstilvilla inmitten eines Parks

Inspiriert von Schloss- und Museumsbesuchen

Früher hatte Hélène als Assistentin der Geschäftsführung einer Firma gearbeitet. Als sie das Leid war – schließlich hatte sie neben Englisch auch Kunstgeschichte studiert -  machte sie eine Fortbildung zur Innenarchitektin. Ihr Schwerpunkt war die optimale Einrichtung winziger Studios – denn in Paris ist Platz Mangelware. Jetzt hat sie mehr als genug davon: Das ganze Erdgeschoss steht den Gästen zur Verfügung. Die Innendekoration hat sie selbst entworfen. Die Möbel und Accessoires passend dazu erstanden. Ihr Stil ist durch viele Schloss- und Museumsbesuche geprägt.

„Unter anderem durch Besuche im Musee d‘Orsay in Paris. Dort sind viele Arbeiten des Möbeldesigners Louis Majorelle ausgestellt. Dazu habe ich für mein Kunstgeschichts-Studium recherchiert. So habe ich angefangen mich für den dekorativen Stil des Art Nouveau in seinen verschiedenen Ausprägungen in Europa zu interessieren.“

Farbenfrohe und geräumige Zimmer

Das ganze Haus leuchtet in bunten Farben. In jedem Zimmer sind die Wände anders gestrichen. Im Doppelzimmer „Eugénie“, das auf der Straßenseite liegt, dominiert dunkles Violett. Inklusive Frühstück kostet die Übernachtung hier 75 Euro. Hélène findet:

„Weiß ist ziemlich langweilig. Farben hingegen heben die Größe und die Form eines Zimmers hervor. Wie hier das dunkle Violett die Deckenhöhe von drei Metern unterstreicht. Die Epoche von Napoleon dem Dritten hat mich zu dieser Farbe inspiriert.“

Die Suite „Nancy“ für 90 Euro besteht aus zwei Räumen: Dem Schlafzimmer – im italienischen Rokokostil in türkisgrün. Und dem kleinen Salon mit Balkon zum Garten. Im Art Nouveau Stil in orange und grünblau gehalten. Die Deko-Kissen auf den Betten hat Hélène selbst aus alten bestickten Stoffen genäht, die früher als Wandschmuck dienten. Sie findet sie auf Flohmärkten, weil niemand mehr Stickereien an der Wand haben möchte, erzählt sie:

„Ich suche meistens abstrakte Motive aus. Aber auch nicht immer. Oft sind es Stoffe aus den 50er und 60er Jahren, mit Blumen oder Vögeln. Das passt gut zum Stil des Hauses.“

Viele Outdoor-Aktivtäten in der Umgebung

Zum Spazierengehen kommt Hélène meist nur, wenn Boxer Dschango Gassi geführt werden muss. Dabei lohnt sich ein Ausflug in die nahgelegene Innenstadt von Saint-Mihiel. Die Kleinstadt ist berühmt für die Bibliothek seiner Benediktinerabtei. Außerdem kann man sich für sechs Euro die Stunde im örtlichen Kanuklub Kajaks und Kanus ausleihen, um eine Tour auf der Maas zu machen. Der Fluss ist hier noch naturbelassen und ursprünglich. Auch für Kletterer und Wanderer hat der Ort etwas zu bieten. Pittoresk: die sieben Kalkfelsen „Les sept Roches“ entlang der Maas. Von hier öffnet sich ein schöner Blick auf Saint-Mihiel. Wenn Hélène Lalegerie hier spazieren geht, dann weiß sie sicher:

„Ich bin sehr glücklich, dass ich umgezogen bin. Und ich habe sehr viel zu tun. Das Leben auf dem Land ist nicht immer ruhig.”

Nicht immer – aber zumindest manchmal.

Adresse:

La Villa Séquoïa
Hélène Lalegerie
19 avenue des Roches
55300 Saint-Mihiel
Telefon: 0033 (0)6 76 73 39 28
Internet: www.villa-sequoia.fr

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